
Dieser Showdown war einer mit Drehbuch, das sich so niemand vorher hätte ausdenken können. Mit 38:36 (17:19) schlug die MT Melsungen 2 die SGSH Dragons und hat nun im Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Liga Süd-West die Nase klar vor dem Konkurrenten.
Bedanken müssen sich die Nordhessen insbesondere bei Reynir Thor Stefansson, der 21 Tore erzielte und bei Pawel Krawczyk, der in der zweiten Hälfte für fast zehn Minuten seinen Kasten vernagelte und damit die entscheidende Wende von 27:31 (44.) auf 34:31 (54.) ermöglichte.
Elf Minuten waren gespielt in diesem so wichtigen Spiel, es stand 6:6 für die Hausherren. Eigentlich ein normales, enges Ergebnis unter Tabellennachbarn, die um den Klassenverbleib kämpfen. Gar nicht normal war jedoch, dass bis zu diesem Zeitpunkt die Melsunger schon locker mindestens vier mehr hätte haben können, ja müssen. Jakob König und Max Pregler waren im Tempogegenstoß Bruno Eickhoff frei vom Kreis am bärenstarken Jean-Luca Jannack gescheitert, König hatte dazu noch einen an die Latte geknallt und Pregler einen am Tor vorbeigesetzt.
Das war aber nur die eine Geschichte. Die andere schrieb Reynir Thor Stefansson ganz allein, denn alle bis dahin erzielten MT 2-Tore gingen auf sein Konto. Der Isländer war überhaupt nicht zu bremsen, scheute hinten wie vorn keinen Zweikampf und war überwiegend über Durchbrüche, und ansatzlose Würfe aus der zweiten Reihe erfolgreich. Selbst als die Dragons versuchten, seine Räume durch den vorgezogenen Luis Buschhaus einzuengen, machte er weiter und legte auch die nächsten drei zum 9:8 (14.) nach. Eine unglaubliche Quote.
Was Stefansson für die Nordhessen, das war Felix Jäger für die Gäste. In seinen Abschlüssen nicht ganz so erfolgreich, aber als Denker, Lenker und Vorbereiter sehr effektiv. Zwar hatte Jonas Riecke per Doppelschlag auf 12:10 (18.) gestellt, dann aber kippte die Begegnung. Weil Linksaußen Max Jäger besser eingesetzt wurde und sich die Gastgeber reichlich Flüchtigkeitsfehler erlaubten, die fast ausnahmslos zu Gegentoren führten. Felix Jäger sorgte mit dem 14:16 (24.) für die erste Zwei-Tore-Führung der Dragons, die trotz mittlerweile zwölf Stefansson-Toren auch zur Pause Bestand hatte.
Die zweite Hälfte startete mit Highspeed-Handball erster Güte. Elf Tore in knapp mehr als fünf Minuten, davon nicht weniger als sieben für die Dragons zum 21:26. Weil Melsungen zwar versuchte, deren Tempo mitzugehen, aber eben in der doch eher ungewohnten Besetzung nicht genau so eingespielt war und sich die entscheidenden Fehler im Aufbau einschlichen. Obwohl Pawel Krawczyk gekommen war und zweimal klasse parierte, Stefansson mit seinem 15. Treffer auf 23:27 (39.) verkürzte, waren die Sauerländer obenauf.
Das Duell Reynir Thor Stefansson gegen Felix Jäger ging unterdessen mit unverminderter Intensität weiter. Hatte der Dragons-Shooter sein Konto mit dem 27:31 (44.) auf elf aufgestockt, konterte der Isländer mit seinem 17. Zum 29:31, Riecke und König legten jeweils per Tempogegenstoß nach und wer anders als Stefansson holte die MT2-Führung zum 32:31 (51.) zurück. Mit ein Verdienst von Krawczyk, der zwischen den Pfosten heißlief. Das Bild hatte sich komplett gedreht, jetzt zitterten den Gästen deutlich sichtbar die Hände.
Es lief die Crunchtime, und natürlich war es Felix Jäger der die zehnminütige Durststrecke der Dragons beendete. Einmal aus dem Feld, einmal per Siebenmeter zum 35:33 (56.). Da war noch Hoffnung in den Reihen der SGSH. Auch nach Max Jägers 37:35 (58.). Dann aber kassierte Julian Athanassoglou Rot, als er Riecke im Gegenstoß fällte. Den fälligen Strafwurf setzte Kevin Trogisch zwar nur an die Unterkante der Latte, aber es reichte hintenraus zum sicheren Sieg. Den Stefansson bei bereits abgelaufener Zeit sogar noch auf plus drei zum Vorteil des gewonnenen direkten Vergleichs hätte ausbauen können. Doch die Spannung war raus, seinen 22. Treffer des Tages verhinderte Max Bach.
Statistik
MT Melsungen 2: Hüter (5 Paraden / 12 Gegentore), Büde (0 P. / 7 G.) , Krawczyk (9 P. / 17 G.); Riecke 7, Altena, Reinbold, Kreile 1, König 3, Fitozovic 1, Hornaff, Pregler 3, Wilfer, Trogisch 1/1, Stefansson 21, Kopeinigg, Eickhoff 1 – Trainer Florian Weiß.
SGSH Dragons: J. Jannack (9 P. / 29 G.), Bach (1 P. / 9 G.); Gipperich 4, Panisic, Pacek, Plate, Buschhaus, N. Jannack, Athanassoglou 3, Blaauw 3/2, Börner, Klinkby-Knudsen 4, F. Jäger 13/1, P. Jäger 3, Voss, M. Jäger 6 – Trainer Sascha Simec.
Schiedsrichter: Philipp Schürhoff / Benedikt Steinebach (Olpe / Siegen) – Zeitstrafen 4 : 4 Minuten – Disqualifikation: Athanassoglou (SGSH, Foul 57:35) - Strafwürfe 3/1 : 4/3 - Zuschauer: 200.
Verlauf: 1:0 (2.), 4:2 (6.), 6:6 (11.), 9:9 (15.), 12:10 (18.), 12:13 (20.), 5:17 (26.), 17:19 (Halbzeit) – 20:21 (33.), 21:26 (36.), 25:30 (42.), 31:31 (47.), 34:31 (54.), 37:33 (57.), 38:36 (Ende).