
Nur eine Halbzeit gelang es der MT Melsungen, das Spiel bei der HSG Hanau offen zu halten. Am Ende stand ein 23:32 (15:17) auf der Tafel, das die über weite Strecken starke Abwehrleistung keinesfalls spiegelte. Ganz stark waren auch die Torhüter: Pawel Krawczyk parierte vier, Jannik Büde zwei Siebenmeter.
Spielerisch durchaus gleichwertig und in der Abwehr sogar etwas besser, aber nach vorn zu überhastet und nicht mit der nötigen Präzision. So sah die Anfangsphase aus Sicht der Melsunger aus und erklärte sich die 3:1-Führung der Gastgeber nach vier Minuten. Ein knapper Vorteil, den die Hanauer zunächst durchschleppten, ohne den tabellarischen Unterschied von fast zehn Plätzen nachzuweisen.
Aber weil vorn eben nicht ebenso akribisch gespielt wurde wie hinten verteidigt, dauerte es einige Minuten, bis René Andrei endlich der Gleichstand zum 5:5 (9.) gelang. Kurz darauf reagierte Jonas Riecke schnell und boxte den Ball, den Benedikt Müller gerade noch pariert, dann aber aus den Augen verloren hatte, zum nächsten Gleichstand über die Linie. Hellwach waren sie schon, die Nordhessen.
Und es war schon klasse, was sie da defensiv ablieferten. Eingeschlossen Pawel Krawczyk im Tor, der mit seinem ersten gehaltenen Siebenmeter gegen Maximilian Bergold im Gegenzug Riecke den Weg zur Führung ebnete. Jetzt lief Hanau hinterher, hielt den Anschluss aber. Erst als sich bei den Gästen kleinere Undiszipliniertheiten einschlichen, holten sie sich den Vorteil zurück. Drei Tore im Überzahl, davon eins ins leere Tor, nutzten sie zum 13:11 (18.) per Kempa-Zuspiel von Bergold auf Lukas Böhm.
Tore fielen reichlich, weil die Partie beiderseitig schnell geführt wurde. Schnelle, kurze Umschaltphasen sowie keine langen Vorbereitungsorgien, sondern meist sehr geradlinig. Und variabel! Mit Lino Duketis traf schon der siebte Melsunger zum 13:12 (20.). Dann wurde es wild. Innenpfosten und raus hüben wie drüben, fahriges Spiel, viele Fehler und Krawczyks gehaltene Siebenmeter drei und sogar vier kurz vor der Pause, leider auch einer von Müller gegen Kevin Trogisch. Trotzdem alles noch drin, obwohl Lukas Böhm vor der Halbzeit nochmal auf zwei ausbaut.
Was im ersten Durchgang noch klappte, ging im zweiten fast gar nicht mehr. Offensiv jedenfalls, denn hinten war nach wie vor alles im grünen Bereich. Dass Hanau mit seinen Qualitäten mit Geduld Tore macht, ist normal. Auch wenn sie nun plötzlich auch von der Siebenmeterlinie fielen, da aus dem Spiel heraus gegen die immer noch stabile Melsunger Deckung nicht viel ging. Auf der Gegenseite klappte jedoch trotz guter Lösungen und ordentlicher Wurfpositionen kaum noch was. Benni Fitozovic ließ frei gegen Müller liegen, Riecke und Andrei zielten glatt vorbei, Max Pregler visierte nur den Pfosten an, noch ein Dreher von Fitozovic an den Pfosten, dann noch zweimal Müller gegen Leander Altena und Pregler.
Nach David Rivics 26:17 (44.) war eigentlich schon alles durch. Es war wie verhext, da ging gar nichts mehr zusammen. Hanau musste in dieser Phase gar nichts anderes tun als ruhig zu bleiben, weil Melsungen die Zeit wegzulaufen begann und die Aktionen zunehmend ungenauer wurden. Ein Ruck ging nochmal durch, als Jannik Büde kam und sofort den ersten Ball von Böhm parierte. Martin Reinbold, Jakob König und Jason Wilfer verkürzten auf 26:20 (48.) und Büde gab den Krawczyk, parierte zwei Siebenmeter von Bergold und Sebastian Hein.
Das reichte aber nicht, um noch einmal zurück ins Spiel zu finden. Trotz Reinbolds sehenswerten Rückhand-Leger zum 28:22 (53.), trotz weiterhin toll herausgearbeiteter Möglichkeiten wie der von Fitozovic, die nur an der Latte endete. Da gelang dann nicht einmal mehr der Wurf aufs gerade leere Tor und der Ball trudelt vorbei. Das zog sich so durch bis zum Abpfiff. Dass es am Ende noch minus neun wurden, lag sicher auch ein wenig an Selbstaufgabe und war schlussendlich nicht mehr entscheidend.
Statistik
HSG Hanau: Müller (13 Paraden / 21 Gegentore), Khan (bei zwei Siebenmetern, 0 P. / 2 G.); Kleemann 5/1, Hein 2, Jusys, Just, Gerst, Böhm 6, Hauer 1, Scharriär, Rivic 8, Bergold 3/2, Winkler 3, Schiefer 4 – Trainer Axel Spandau.
MT Melsungen 2: Krawczyk (9 P. / 25 G.), Büde (5 P. / 7 G); Riecke 4, Altena, Reinbold 3, Wöhler, König 2, Fitozovic 3, Rietze, Pregler 2, Wilfer 1, Trogisch 3/2, Andrei 4, Duketis 1, Atting – Trainer Florian Weiß.
Schiedsrichter: Noah Fikus / Pit Hegebart (Lich / Eltville-Martinsthal) – Zeitstrafen 8 : 12 Minuten – Strafwürfe 9/3 : 5/2 - Zuschauer: 667.
Verlauf: 0:1 (2.), 3:1 (4.), 5:5 (9.), 6:7 (12.), 10:11 (16.), 13:11 (18.), 15:13 (22.), 16:15 (27.), 17:15 (Halbzeit) – 21:16 (36.), 26:17 (44.), 26:20 (48.), 29:22 (54.), 32:23 (Ende).