
Derbystimmung in Nordhessen: Am Samstag gastiert die MT Melsungen 2 in der 3. Liga Nord-West bei der ESG Gensungen/Felsberg. Anwurf des Duells ist um 19.30 Uhr in der Kreissporthalle Gensungen.
Dreieinhalb Jahre mussten die nordhessischen Fans verzichten, jetzt ist es wieder so weit: Das Schwalm-Eder-Derby zwischen der ESG Gensungen/Felsberg und der MT 2 elektrisiert die handballverrückten Massen. Wie sehr das Prestigeduell auch bei den Akteuren auf dem Feld im Fokus steht, weiß am besten Petr Hruby, der geradezu ins Schwärmen kommt: „Für mich hat dieses Derby immer einen ganz besonderen Charakter. Vor meinem ersten im Jahr 2004, damals in der 2. Liga, hat ein Mitspieler zu mir gesagt: Wir können jedes Spiel verlieren, aber nicht dieses!“ Und sie gewannen – gleich beide Derbys jener Saison! Das war das Meisterjahr der MT Melsungen im Unterhaus und gleichzeitig das letzte auf beiderseitig höchstem Niveau.
Seitdem ist die in jenem Jahr aufgestiegene HBL-Mannschaft der MT raus aus der Verlosung und die Bundesliga-Reserve MT 2 übernahm das Zepter in Sachen Duell Fulda- gegen Edertal. Ohne dass dadurch Brisanz und Glanz verloren gegangen ist, wie Hruby klarstellt. Es sei eben kein normales Ligaspiel. Außerdem machten Atmosphäre, Fans und Gespräche rund um das Ereignis herum das Derby schlicht einzigartig.
Und er muss es wissen: Mit der ‚Ersten‘ in der 2. Liga, mit der ‚Zweiten‘ in der Oberliga, sogar mit der ‚Dritten‘ in der Bezirksoberliga gegen die ‚Zweite‘ der ESG – der Tscheche hat als MT-Spieler alles durch. Am Ende sogar noch als Co-Trainer in der Oberliga alles von der Bank erlebt. Und jetzt? Klare Sache: „Natürlich bin ich auch diesmal als Fan wieder live dabei! Ich freue mich schon auf die Atmosphäre in Gensungen, die immer etwas Besonderes ist.“
Sein ehemaliger Aufstiegs-Kollege, Karsten Wöhler, erinnert sich ebenfalls. Hat jedoch einen mittlerweile etwas distanzierteren Blick, obwohl sein Sohn Elias in Diensten der MT 2 diesmal vor seinem ersten Nordhessen-Derby steht: „Ich erinnere mich gut. Damals 2004 waren es zwei außerordentlich mitreißende Spiele, aber auch unheimlich fair. Man muss stolz sein, auf so engem Raum zwei Vereine zu haben, die sich auf diesem Niveau gegenüberstehen können. Aber natürlich spürt man schon vorher die Stimmung und die Besonderheit.“ Der Eisenacher muss es wissen, denn er spielte mit dem THW Kiel einst drei Jahre lang die legendären Nord-Derbys gegen Flensburg in der Handball-Bundesliga.
Doch nicht nur die Vergangenheit macht die Partie zu einem besonderen Event, sondern auch jene, die beide Seiten kennengelernt haben. Nicht nur, dass seitens der ESG der überwiegende Teil der Mannschaft entweder schon einmal an der Fulda aktiv war oder dort bei den MT Talents ausgebildet wurde.
Eugen Gisbrecht ging einst die andere Richtung, hat im grün-weißen Lager seinen Übergang vom Jugend- in den Erwachsenenbereich erlebt und viele Jahre dort gespielt. „Es war und ist immer wieder ein besonderes Gefühl, dorthin zurückzukommen. In dieser Region ist das gefühlt die ‚Mutter aller Handball-Derbys‘. Die Gensunger Halle ist dafür bekannt, sehr lautstark zu sein und die Heimmannschaft extrem zu pushen. Da bekommt jeder Gegner guten Druck, Melsungen umso mehr“, sagt Gisbrecht, der heute die Melsunger A-Jugend coacht.
Noch intensiver erlebte es Max Pregler. Eigentlich ein Ur-Melsunger, wechselte er für vier Jahre die Seiten und bestritt mit Gensungen/Felsberg einige Duelle gegen Melsungen. „Um ehrlich zu sein, alle meine Derbys waren irgendwie speziell. Früher war die Rivalität schon sehr, sehr hoch. Das hat sich ein klein wenig geändert, wenngleich es für die Fans immer noch ‚Das Derby‘ ist. Und das ist auch gut so“, sagt der Routinier. Das Gefühl, durch irgendwelche Aktivitäten im jeweils anderen Verein angepackt zu sein, schiebt er weg: „Da wird es keine Unterschiede geben. Jeder will das Spiel gewinnen und zeigen, dass die eigene die bessere Mannschaft ist. Vor allem wollen beide Teams Punkte sammeln, um die Klasse frühestmöglich halten zu können.“
Womit der Bogen von der Historie zur Gegenwart gespannt wäre. Denn bei aller gelebten Rivalität an sich geht es für beide in erster Linie darum, Zählbares für den Klassenerhalt zu sammeln. Während die MT 2 von der Gewissheit lebt, diese Herausforderung bereits dreimal bestanden zu haben – und das sicher auch ein viertes Mal schaffen zu können –, bringt die ESG ihre Aufstiegs-Euphorie noch mit. Die Generalproben sind für beide mit Niederlagen danebengegangen. Einer alten Weisheit zufolge bedeutet das eine berauschende Vorstellung. Nur für wen, das bleibt die offene Frage.
Wer keine Karte mehr bekommen hat, kann das Schwalm-Eder-Derby am Samstag ab 19.30 Uhr über die Plattform von Sporteurope.tv live im Stream verfolgen. (Michael Koch)