DHB-Pokal / 22.09.2026

Pokal-Wahnsinn! MT bezwingt Löwen 35:33

So sieht Freude aus: Die MT-Profis jubeln nach dem Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen. (Foto: Kohlhausen/MT)

Welch ein Pokalkrimi. Die MT Melsungen hat die Rhein-Neckar Löwen niedergerungen und dank eines 35:33 (16:17; 29:29)-Sieges nach Verlängerung das Achtelfinale des DHB-Pokals erreicht.

Der nächste denkwürdige Abend in der Kasseler Rothenbach-Halle: Nur zwei Tage nach dem Triumph gegen den SC Magdeburg hat die MT Melsungen erneut für Furore gesorgt. Nach einem wahren Kraftakt und einem leidenschaftlichen Auftritt gewannen die Nordhessen in der zweiten Pokalrunde gegen die Rhein-Neckar Löwen 35:33 (16:17; 29:29). Erst in der Verlängerung fiel die Entscheidung. 

Nur 1.955 Zuschauer kamen am Dienstag in die Rothenbach-Halle, verwandelten die MT-Heimspielstätte aber in ein Tollhaus. Und sie sahen eine MT-Mannschaft, die bis zum Anschlag kämpfte gegen einen Gegner, der eine unglaubliche Intensität an den Tag legte. Kurz vor Schluss lag die MT noch mit drei Toren zurück, zeigte dann Biss und Moral und zog letztlich in die nächste Runde ein.

Personell hatte sich bei der MT nichts verändert. Heißt: Auch am Dienstagabend stand Trainer Roberto Garcia Parrondo kein Linkshänder für den Rückraum zur Verfügung. Angesichts der hohen Belastung hatte der spanische Coach die Startaufstellung mächtig umgekrempelt. Im Tor begann Kristof Palasics, über die Außen griffen Florian Drosten und Leon Stehl an, den Rückraum bildeten Dani Dujshebaev, Luca Sigrist sowie Olle Forsell Schefvert, und am Kreis startete Ruben Marchan.

Und apropos enge Spieltaktung: Eine wichtige Frage lautete, wie die MT die Strapazen nach Champions League am Donnerstag und Liga-Kracher am Sonntag aus den Knochen bekommen hat. Zunächst aber justierte Parrondo nach. Nach gut acht Minuten schickte er Reynir Thor Stefansson aufs Feld, der mit der ersten Aktion prompt seinen ersten Treffer markierte – da stand es 3:5 aus Sicht der Gastgeber.

Fortan lief es nach holprigem Start etwas besser für die MT, das große Manko blieb allerdings die Genauigkeit vor dem gegnerischen Kasten. Obendrein kam Pech hinzu, oder anders ausgedrückt: Hätte jeder Aluminiumtreffer doppelt gezählt, wären die Nordhessen im Verlauf der ersten Hälfte locker davongezogen. Und weil die Badener zudem stets gute Lösungen in der Offensive fanden, ging es in dieser Partie hin und her.

Gut für die MT, dass Palasics nun mehrmals sein Können unter Beweis stellte, der eingewechselte Mike Jensen auf der anderen Seite entschärfte ebenfalls die eine oder andere Chance. Der Einsatz stimmte beim Parrondo-Team, sodass sich die Gastgeber nach einem Dreitore-Rückstand bis zur Pause wieder herankämpften. Erik Balenciaga verwandelte zum 16:17 (30.).

So tempo- und torreich die erste Hälfte daherkam, so zerfahren begann der zweite Abschnitt. Das war jetzt Pokalkampf in Reinkultur. Nichts für Handball-Ästheten. Viele Nickligkeiten, umstrittene Entscheidungen der Unparteiischen und ein lautstarkes Publikum – ganz nach dem Geschmack von Nebojsa Simic, der seit Wiederbeginn das MT-Tor hütete und in den ersten zehn Minuten gleich drei Paraden verbuchte, darunter ein gehaltener Siebenmeter gegen Marius Steinhauser. 

Aber es blieb eng, die MT musste weiter einem Rückstand hinterlaufen. Die Nordhessen ackerten. Drosten glich per Siebenmeter zum 22:22 erstmals wieder aus (45.). Doch die Löwen ließen ebenfalls nicht locker und stellten dank Jannik Kohlbacher und Dani Baijens auf 23:25 (50.). Und hinein in eine packende Schlussphase.

Die startete mit einer Siebenmeter-Parade von Simic und dem anschließenden Ausgleich durch Stefansson zum 25:25 (51.). Nichts für schwache Nerven, obendrein avancierte Jensen nun vermehrt zum Spielverderber für die MT-Profis. Und als Kohlbacher die Löwen mit seinem achten Treffer zum 25:28 mit drei Toren in Führung brachte (55.), sah es düster aus für die Nordhessen.

Aber aufgeben ist nicht bei der MT, die, angetrieben von den Fans, nach Treffern von Stefansson, David Mandic und Marchan zum 28:28 ausglich (58.). Irre. Welch ein Krimi. Und weil Drosten kurz vor Schluss cool blieb und auch seinen fünften Siebenmeter versenkte, ging es beim Stand von 29:29 in die Verlängerung. 

Niemand hielt es mehr auf den Sitzen. Die Kontrahenten lieferten sich einen offenen Schlagabtausch, die Nordhessen mobilisierten die letzten Kräfte, die Badener legten weiter vor, bis Aaron Mensing erst den 33:33-Ausgleich erzielte und dann David Mandic für die 34:33-Führung sorgte (69.). Es passte zur Dramatik dieses Spiels, dass Simic kurz danach den dritten Siebenmeter entschärfte und auf der anderen Seite Mensing den finalen Schlusspunkt setzte. Danach gab es kein Halten mehr. Tutti Frutti in Nordhessen. (RL)

Stimmen

Roberto Garcia Parrondo: Am Ende sind wir zufrieden, dass wir in die nächste Runde einziehen. Das ist Pokal. Diese Spiele sind sehr intensiv. Beide Mannschaften haben gekämpft. In sechs Tagen haben wir jetzt drei Partien in der Champions League, in der Liga und im Pokal gespielt. Daher konnten wir heute nicht das beste Spiel machen, aber meine Mannschaft war bereit für diesen Kampf.

Maik Machulla: Wir haben heute einen intensiven Pokal-Fight von zwei Mannschaften gesehen, die beide extrem viel investiert haben. Nach Verlängerung das Spiel zu verlieren ist sehr hart, denn ich habe meiner Mannschaft nicht viel vorzuwerfen. Was Leidenschaft, Intensität und Willen betrifft, waren wir voll da, aber wir dürfen irgendwann auch lernen, ein Spiel über die Bühne zu bringen. Wir haben es heute nicht geschafft, uns für unseren Kampf zu belohnen. 

Statistik

MT Melsungen: Palasics (4 Paraden / 17 Gegentore), Simic (10 P. / 16 G.); Marchan 5, Balenciaga 1, Mandic 2, Sipos, Ignatow, Stehl 1, Golla 3, Drosten 6/5, Stefansson 6, Dujshebaev, Forsell Schefvert 2, Sigrist 2, Garcia, Mensing 7 – Trainer Roberto Garcia Parrondo.

Rhein-Neckar Löwen: Späth (2 Paraden / 12 Gegentore), Jensen (12 P. / 23 G.); Timmermeister, Nothdurft, Lassen 4, Mierzwa 1, Steenaerts, Steinhauser 5/2, Seesing, Thrastarson 5, Mahé 1/1, Ciudad-Benitez, Jaganjac, Baijens 5, Aspenbäck 4, Kohlbacher 8 – Trainer Maik Machulla.

Schiedsrichter: Marcus Hurst (Berlin) / Mirko Krag (Frankfurt a.M.). Spielaufsicht: Frank Böllhof.

Zeitstrafen: 4 – 4 Minuten (Stefansson 32:55, Ignatow 64:55 – Jaganjac 28:10, Lassen 39:04)

Strafwürfe: 5/5 – 6/3 (Simic pariert gegen Steinhauser 37:31, Simic abermals Sieger gegen Steinhauser 50:28)

Zuschauer: 1.955 in der Rothenbach-Halle, Kassel 

Spielstände: 1:0 (2.), 2:5 (8.), 6:6 (12.), 9:8 (16.), 12:11 (21.), 13:16 (26.), 16:17 (30.) HZ – 17:20 (37.), 22:22 (45.), 25:25 (51.), 25:28 (55.), 28:28 (58.), 29:29 (60.) – 29:30 (63.), 31:32 (65.), 33:33 (68.), 35:33 (70.) Endstand.

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