Bundesliga / 20.12.2025

Palasics rettet MT Punkt gegen Erlangen

Die MT Melsungen belohnt sich für ein leidenschaftlich und kämpferisch geführtes Spiel beim HC Erlangen mit einem Punkt. In der mit 8.400 Zuschauern ausverkauften PSD Bank Nürnberg Arena steht es nach 60 Minuten 26:26 (15:16), weil Keeper Kristof Palasics einen Strafwurf, die allerletzte Erlanger Gelegenheit, vereitelt. Auffälligste Angreifer waren beim HCE Viggó Kristjánsson (10 Tore, davon 2 Strafwürfe) und bei der MT Nikolaj Enderleit (9 Tore). Foto: S. Rieger

Roberto Garcia Parrondo wartet mit einer personellen Überraschung gleich auf mehreren Positionen auf. Im Gegensatz zur Startformation vor zwei Tagen beim Pokalspiel in Wuppertal lässt er in Nürnberg David Mandic statt Florian Drosten, Reynir Thor Stefansson statt Vlad Kulesh, Olle Forsell Schefvert, Nikolaj Enderleit statt Dainis Kristopans, Dimitri Ignatow statt Timo Kastening, Arnar Freyr Arnarsson und im Tor Laszlo Bartucz statt Kristof Palasics beginnen. Außer den Langzeitverletzten fielen auch noch Vlad Kulesh und Amine Darmoul aus.

Dass die MT nach dem jähen Pokal-Aus beim Bergischen HC heute ein anderes Gesicht zeigen wollte, ist ihr vom Anpfiff weg deutlich anzumerken. Gleich den ersten Vorstoß schließt Olle Forsell Schefvert nach 45 Sekunden zum 0:1 ab. In der Abwehr kommt Adrian Sipos für Dimitri Ignatow. Erlangens erster Wurf, abgefeuert von Linksaußen Christopher Bissel, landet am Pfosten. Postwendend locht Nikolaj Enderleit im Gegenzug zum 0:2 ein. Und der Linkshänder legt kurz darauf sogar zum 0:3 nach. Nach gut fünf gespielten Minuten platzt auch bei den Gastgebern der Knoten, Viggó Kristjánsson überwindet von der Siebenmeterlinie Laszlo Bartucz.

In der Folge verläuft das Spiel der MT wunschgemäß. Gestützt auf eine zupackende 6:0-Abwehr mit einem aufmerksamen Laszlo Bartucz dahinter, werden die Angriffe unaufgeregt eingeleitet und in des Gegners Hälfte diszipliniert aufgebaut. So bestimmen die Nordhessen jeweils mit zwei, drei Toren Vorsprung das Geschehen. Gleichwohl haben die Gastgeber vor großer Kulisse von sich selber mehr erhofft. Zu erkennen auch daran, dass HCE-Trainer Johannes Selin seine Schützlinge nach gut 12 Minuten beim Stand von 2:5 zum Timeout heranzieht.

Die MT indes lässt sich von dieser Unterbrechung zunächst nicht beirren. Vor allem Nikolaj Enderleit nicht. Der Halbrechte agiert sehr variabel, kommt im Eins-gegen-Eins, per Sprung oder Schlagwurf, gern auch mal über die Mitte bis auf Halblinks, immer wieder zu Torerfolgen. Zwischendurch sind in dieser Mission auch Reynir Thor Stefansson und Arnar Freyr Arnarsson behilflich.

Dann, nach knapp 18 Minuten, gerät der Fluss bei den Nordhessen etwas ins Stocken. Das gerade von Nikolaj Enderleit erzielte 6:8 beantwortet Marek Nissen im Gegenzug  mit dem Anschlusstreffer. Und weil der folgende Angriff der MT in einem vermeintlichen Offensiv-Foul mündet, nutzt Erlangens Viggó Kristjánsson die Gelegenheit, um erstmalig den Gleichstand zu erzielen (8:8, 20. Min.).

Was das Parrondo-Team wiederum nicht sonderlich nervös macht. Auch nicht die Tatsache, dass kurz darauf David Mandic vom Feld geführt werden muss, nachdem er unglücklich mit dem Fuß an einem Gegenspieler hängengeblieben ist und umknickte. Und das ausgerechnet in seinem 100sten HBL-Einsatz. Olle Forsell Schefvert erzwingt nach herrlichem Eins-gegen-Eins das 9:10 und nach einer weiteren Bartucz-Parade stellt Arnar Freyr Arnarsson auf 9:11 (22.).

Doch Erlangen lässt sich einfach nicht abschütteln. Roberto Garcia Parrondo drückt nach dem Anschlusstreffer zum 11:12 von Viggó Kristjánsson den Buzzer. Kurz nach Wiederanpfiff dann eine Schrecksekunde: Foul von Ruben Marchan, die Referees Fabian Baumgart und Philipp Dinges ziehen den Videobeweis und entscheiden auf Rot gegen den MT-Kreisläufer. Den anschließenden Strafwurf peitscht Viggó Kristjánsson übers Melsunger Tor, auf der anderen Seite markiert Arnar Frey Arnarsson das 11:13 (26.). Die letzten vier Minuten des ersten Durchgangs gehen an die Hausherren, aber die Nordhessen retten ein 15:16 in die Halbzeitpause.

Der zweite Durchgang wird von der MT mit dem gleichen engagierten Einsatz eröffnet, wie der Beginn der Partie. Drei Minuten sind gespielt, in denen Olle Forsell Schefvert und Dimitri Ignatow einen Drei-Tore-Vorsprung erzielen (15:18, 33.). Die anschließenden rund fünf Minuten sind hüben wie drüben fehlerbelastet. Wenig verwunderlich, dass in dieser unkonzentrierten Phase nur ein Treffer fällt – es ist das 16:18 durch Viggó Kristjánsson.

Insgesamt wird das Spiel auf beiden Seiten jetzt im Vergleich zur ersten Halbzeit etwas langsamer. Wohl auch der Tatsache geschuldet, dass die meiste Zeit über dieselben Akteure gefordert sind. Roberto Garcia Parrondo hat besonders im Rückraum kaum Möglichkeiten, kann aufgrund von nur vier verfügbaren Spielern für diese drei Positionen lediglich punktuell und kurzzeitig für Entlastung sorgen. Gut, dass wenig später David Mandic aufs Feld zurückkehren kann und die Abwehr wieder stabilisieren hilft.

Weil im weiteren Verlauf die MT mit ein bis drei Toren in Vorhand bleibt (18:21, 20:22, 21:23), lohnt der Blick eher in die nervenaufreibende und spielentscheidende Schlussphase: Beim 23:23 durch Hans Lukas Willax ist Erlangen wieder gleichauf. Kurz zuvor hatte Johannes Sellin im Timeout seine Mannen neu justiert. In den folgend rund vier Minuten wird die Szenerie eher durch Kampf und Krampf bestimmt, denn durch Tore. Bis Viggó Kristjánsson in Minute 56:31 die erste Erlanger Führung erzwingt.

Florian Drosten behält von Linksaußen die Nerven, 24:24-Ausgleich! Und wieder einmal ist es auf Erlanger Seite Viggó Kristjánsson, der seine Farben nach vorne bringt. Und wieder ist es auf Melsunger Seite Nikolaj Enderleit, der sich durchsetzt (25:25, 58:20 Min.). Die Spannung in der Halle wird immer greifbarer, die Achteinhalbtausend, darunter auch einige MT-Anhänger, hält nichts mehr auf den Sitzen.

49 Sekunden sind noch zu spielen, als die Referees erneut zum Videoreview schreiten. Und anschließend Dainis Kristopans vorzeitig das Ende seines Einsatzes auferlegen. Sander Andreassen Øverjordet , bis dahin wenig in Erscheinung getreten, knallt den Ball nach dem letzten Erlanger Timeout unhaltbar vorbei an Kristof Palasics zum 26:25.

Daraufhin nimmt auch die MT ihre letzte Auszeit, ganze 14 Sekunden vor Spielende. Nach Wiederanpfiff fasst sich Olle Forsell Schefvert ein Herz und drischt das Spielgerät mit Wucht in den Erlanger Torwinkel – 26:26-Ausgleich! Erlangen aber reagiert blitzschnell, wirft den Ball praktisch mit Mittelanwurf Richtung verwaistes MT-Gehäuse. Am eigenen Kreis schraubt sich Reynir Thor Stefansson hoch, fängt erfolgreich ab. Doch der junge Isländer springt dabei wenige Zentimeter innerhalb des eigenen Torraums ab, wie die Schiedsrichter im Videoreview erkennen. Das bedeutet Zeitstrafe gegen die MT und Siebenmeter für Erlangen. Es kommt zum Showdown – Viggó Kristjánsson (wer sonst?) im Duell mit  Kristof Palasics. Der Isländer zieht ab, der Ungar vereitelt mit tollem Reflex – die Nervenschlacht hat ein Ende und die MT einen hart erkämpften Auswärtspunkt mehr auf dem Konto. (B.K.)

HC Erlangen – MT Melsungen 26:26 (15:16)

HCE: Quenstedt (4 Paraden / 16 Gegentore), Herceg (5 P. / 10 G.) – Genz 1, Nissen 2, Bialowas, Øverjordet 3, Scheerer 1, Bissel 1,  Willax 2, Lochman, Buck, Steinert, Sehnke, Kristjánsson 10/2, Gebala 2,  Gömmel 4 – Trainer Johannes Sellin.

MT: Palasics (5 Paraden / 11 Gegentore), Bartucz (5 P. / 14 G.); Marchan 1, Enderleit 9, Mandic, Sipos, Kristopans 1, Ignatow 1, Drosten 2/1, Stefansson 1, Arnarsson 5, Forsell Schefvert 6, Guardiola, Eickhoff, Kastening – Trainer Roberto Garcia Parrondo.

Schiedsrichter:   Fabian Baumgart (Neuried ) / Philipp Dinges (Stutensee)

Zuschauer: 8.400, PSD Bank Nürnberg Arena

Zeitstrafen: 4 – 10 Minuten (Gebala – Enderleit, 2x Kristopans,  Stefansson, Arnarsson)

Strafwürfe: 2/3 – 1/1 (Kristjánsson scheitert an Palasics, 60:00 Min.)

Verlauf: 0:1, 0:3 (5.), 2:4 (10.), 5:7 (15.), 8:8 (20.)., 11:12 (25.), 15:16 (HZ); 15:18 (35.), 17:19 (40.), 18:21 (45.), 21:23 (50.), 23:23 (55.), 24:23 (57.), 24:24, 25:24 (58.), 25:25 (59.), 26:25, 26:26 (60. und Ende).

Das nächste Spiel:
Fr., 26.12.25, 17:30 Uhr, MT Melsungen – TVB Stuttgart, Rothenbach-Halle Kassel

 

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