3. Liga / 17.10.2026

MT2 erkämpft sich einen Punkt

Fix und alle: Nach diesem intensiven, kraftraubenden Kampfspiel fiel den Melsungern sogar der Jubel über den errungenen Auswärtspunkt schwer (Foto: Michael Koch)

War das der dringend benötigte Befreiungsschlag? Aus sechs Toren Rückstand kurz nach der Pause machte die MT Melsungen beim TSV Anderten noch ein 33:33 (19:14) und holte damit ihren so wichtigen dritten Zähler in der 3. Liga Nord-West.

Aber in was für einem irren Spiel? Vor allem von den Nordhessen? Gebeutelt von sechs Niederlage in Folge, aber trotzdem mit Selbstvertrauen, Schwung und Leidenschaft. Klar, zugegeben, auch wieder mit einem fürchterlichen Durchhänger zum Ende der ersten Hälfte, der Zählbares ein siebtes Mal hätte verhindern können. Doch es sprach für die Mannschaft, ausdrücklich eingeschlossen der Bank, dass es diesmal gut endete. Aber der Reihe nach.

Führungswechsel waren anfangs Standard. Erst Anderten vorn, dann Übernahme der MT 2 durch Benni Fitozovic, erneut die Gastgeber über Jesper Langeheine und gekontert von Melsungens Rechtsaußen. Das sogar schon zum 4:6 (7.). Sie waren eben voll drin und sogar mehr als nur auf Augenhöhe. Was zu großen Teilen an Max Pregler lag. Der war omnipräsent, sowohl hinten wie auch vorn. Das bedeutete, dass der Routinier bis zum 11:12 (18.), das Elias Wöhler von ungewohnter Linksaußen-Position erzielte, an sechs Toren unmittelbar als Schütze, Ballorganisator oder Passgeber beteiligt war.

Fast folgerichtig, dass er sich aus dem nächsten TSV-Angriff das Leder herausangelte und sofort in den Gegenstoß ging. Der allerdings endete damit, dass er kurz vor dem gegnerischen Wurfkreis ins Straucheln kam, zu Boden ging und sich schmerzverzerrt an den Oberschenkel fasste. Verletzungsbedingtes Aus für Melsungens Besten bis zu diesem Zeitpunkt, da war die faire Rückgabeaktion des Balles durch die Hausherren zwar ein bemerkenswerter Fair-Play-Akt, aber natürlich kein Trost und schon gar kein Ersatz.

Denn Pregler fehlte in der Folge. Und wie! Da ging plötzlich kaum noch etwas zusammen. Hatten Jakob König und Lino Duketis schon zwei Siebenmeter gegen den starken Jonas Lange vergeben, ließ auch René Andrei liegen. König scheiterte gar ein weiteres Mal noch vor der Pause. Vier Strafwürfe ausgelassen, da war das aus einem 1:8-Lauf resultierende 19:14 trotz zwanzig Minuten langer Glanzvorstellung der MT 2 ebenso erklärbar wie auch irgendwo verdient.

Was man in dieser Saison bisher gelernt hat als Melsunger Handballer: Kämpfen lohnt sich! Und so startete nach dem Seitenwechsel - zum wievielten Mal in dieser Spielzeit eigentlich schon? – eine faszinierende Aufholjagd. Zunächst bedächtig und nach Sebastian Czoks 21:15 (34.) sogar mit sechs Toren hinten liegend, aber spätestens nach dem ersten verwandelten Siebenmeter von Duketis zum 22:18 (35.) mit mächtig Druck auf dem Kessel und einem ganz starken, erst bei Halbzeit eingewechselten, Jannik Büde. Wöhler, trotz körperlicher Unterlegenheit immer wieder Zweikampfsieger gegen Andertens massive Deckung, wühlte sich zum 23:20 (38.) durch.

Einer wurde in dieser Phase immer stärker: Björn Prinz riss das Spiel regelrecht an sich. Es war längst ein verbissener Kampf um jeden Ball. Der TSV zwang die Gäste ins Passive Spiel, war kurz vor dem Ballgewinn. Nicht mit Prinz! Der übernahm ganz viel Verantwortung, schweißte das Leder in Unterzahl mit Gewalt zum Anschluss in den Winkel. Auch der Pass zu Martin Reinbolds 23:23 (43.) kam von ihm, die nächsten Ausgleichstore zum 24:24 und 26:26 (47.) besorgte der 30-Jährige wieder selbst.

Das war schon ganz großes Krimi-Kino, was da in der Misburg-Halle geboten wurde. Kurzzeitig gingen die Hausherren durch Robin Müller sogar wieder auf 30:28 (51.) weg. Das war genau so ein Zeitpunkt, wo in den vergangenen Spielen der Melsunger alles kippte. Diesmal nicht, im Gegenteil! Wütende, aber immer strukturiert bleibende Angriffe der Nordhessen sorgten abermals für Gleichstand. Sogar in Führung ging die MT 2 noch, als Duketis zum 31:32 (57.) traf.

Eine weitere eine Steigerung der Dramatik und Riesenjubel in der Halle, als Luc Deping mit 69 Sekunden Rest auf der Uhr das 33:32 erzielte. Ebenso lautes Aufstöhnen, als Trainer Florian Weiß bei angezeigtem Passivem Spiel All-In ging und den siebten Feldspieler brachte, Wöhler diese taktische Überraschung prompt ausnutzte und seine starke Leistung 24 Sekunden vor Schluss mit dem Ausgleich krönte.

In diesem Spiel war wirklich alles drin. Auch noch ein ganz später Sieg des TSV. Doch der finale Wurf von Langeheine klatschte nur an den Pfosten. Schluss, Aus, Unentschieden. In einem packenden, hochspannenden und von Melsunger Seite höchst leidenschaftlich geführten Kampfspiel, das an diesem Abend ganz sicher keinen Verlierer verdient gehabt hätte, schon gar nicht in mintfarbigen Trikots.

Statistik 

TSV Anderten:
Andresen (1 Parade / 11 Gegentore), Lange (13 P. / 22 G.), Neul (n. e.); Czok 2, Göldner, Brandes 4, Sauß 5, Kollmeier 2, Depping 7/2, Koch 3, Backs 1/1, Langeheine 3, Theiler, P. Müller, Kreth, R. Müller 6 – Trainer Nenad Pancic.

MT Melsungen 2:
Rosenbusch (5 P. / 19 G.), Büde (9 P. / 13 G.), Hüter (bei einem Siebenmeter, 1 P. / 0 G.); Altena, Reinbold 4, Prinz 7, Botte, Wöhler 6, König 2, B.Fitozovic 3, Hillwig 2, Pregler 2, Wilfer 3, Kremser, Andrei, Duketis 4/3 – Trainer Florian Weiß.

Schiedsrichter: Stefan Czommer / Dennis Müller (Esslingen / Metzingen) – Zeitstrafen 10 : 6 Minuten - Strafwürfe 5/3 : 7/3 - Zuschauer: 200.

Verlauf: 1:0 (1.), 1:2 (3.), 4:3 (6.), 4:6 (7.), 7:7 (12.), 9:11 (15.), 11:13 (21.), 15:14 (26.), 19:14 (Halbzeit) – 21:15 (34.), 22:20 (38.), 23:23 (43.), 26:26 (47.), 30:28 (51.), 30:30 (53.), 31:32 (57.), 33:32 (59.), 33:33 (Ende).

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