Bundesliga / 04.06.2026

MT-Fans singen bis zur Schlusssirene

Rudelbildung: Das MT-Team während einer Auszeit gegen Berlin. (Foto: Käsler/MT)

Die MT Melsungen hat am 33. Bundesliga-Spieltag 28:39 (16:18) gegen die Füchse Berlin verloren. Die Fans feierten ihre Europapokal-Helden trotzdem. Und wie.

Das war Gänsehaut pur. Vier Minuten vor Ende des letzten Heimspiels der Saison stimmten die MT-Anhänger in der ausverkauften Rothenbach-Halle Jubelgesänge an. Da stand es 27:37, die Partie längst verloren gegen die Füchse. Doch die Fans sangen durch bis zur Schlusssirene. Sie ließen die Sieger der EHF European League noch einmal hochleben. Großes Kino. 

Personell sah es bei der MT alles andere als rosig. Nebojsa Simic bekam von den Medizinern Ruhe verordnet, weil das im vergangenen Jahr verletzte Knie wieder Probleme macht. Vlad Kulesh musste passen aufgrund von Rückenschmerzen – in Kürze wird er sich einem kleineren Eingriff unterziehen. Auch der Kapitän fehlte am Donnerstag. Im Finale gegen Kiel hatte sich Timo Kastening kurz vor Schluss am Fuß verletzt. Ein Einsatz gegen Berlin hätte das Risiko einer schwerwiegenden Verletzung deutlich erhöht. David Mandic hatte aus privaten Gründen in die Heimat reisen müssen. Und Erik Balenciaga, der sich in Hamburg durchgekämpft hatte, benötigt dringend eine Pause. Obendrein weilte er bei seiner hochschwangeren Freundin in Spanien.

Dafür bissen beim letzten Heimspiel andere auf die Zähne. Marti Soler zum Beispiel, dessen Knie abermals Probleme bereitet. Auch Aaron Mensing wollte trotz einer Knöchelverletzung dem Team helfen ebenso wie Amine Darmoul, der mit Knie- und Rückenbeschwerden zu kämpfen hat. Und von wegen verlieren für die Champions League? Ob die Hämmer von Aaron Mensing und Dainis Kristopans, der prima angespielte Ruben Marchan vom Kreis oder zwei klasse Paraden von Kristof Palasics – die Führungen zu Beginn gehörten der MT. 

Da war nichts zu spüren von irgendeiner Handbremse. Im Gegenteil hatte Melsungen richtig Spaß, den Ball kreuz und quer übers Feld laufen zu lassen. Die ersten zehn Tore bis Darmouls 10:9 (19.) gingen auf das Konto von sieben unterschiedlichen Spielern. Bis zur Halbzeit sollten es gar deren neun werden. Das war Torgefahr von wirklich allen Feldpositionen.

Erst als nach knapp 20 Minuten Lasse Ludwig für den entnervten Dejan Milosavljev zwischen die Pfosten kam und gleich gegen Mensing parierte, traf Mathias Gidsel im Gegenzug zum 10:11 (21.), der ersten Führung der Hauptstädter. Dann hatte Palasics seinen Auftritt: Doppelparade gegen Tim Freihöfer bei dessen Siebenmeter mit Nachwurf. Sensationell! Trotzdem war Ludwig der Faktor, der dem Tabellen-Zweiten zwischenzeitlich eine Führung mit drei Toren verschaffte und dann sogar selbst einmal ins gerade verlassene Melsunger Gehäuse traf. Bei Halbzeit waren noch zwei von den dreien übrig.

Nach Wiederbeginn jedoch waren die Füchse dann schnell weg. Profitierend von einer Zeitstrafe gegen Olle Forsell Schefvert, stellten Tobias Gröndahl und Gidsel auf 16:20, Lasse Andersson und Nils Lichtlein bauten aus auf 17:23 (35.). Das war dann schon eine kleine Vorentscheidung, ohne dass die MT da irgendetwas hergeschenkt hätte. Aber Berlin zog das professionell durch und machte Druck. Hatte zwar auch etwas Glück mit zwei Entscheidungen der Referees, nutzten aber die Gunst des Augenblicks: Gidsel und Aitor Arino sorgten mit dem 20:28 (43.) für klare Verhältnisse.

Kampflos aufstecken war trotzdem nicht drin bei den Gastgebern, sie mühten sich nach Kräften. Kamen durch Mensing auch wieder auf sechs ran. Trotzdem: Die Luft war raus nach der starken ersten Hälfte. Laszlo Bartucz war vorher schon gekommen, in den letzten zehn Minuten durfte auch Bruno Eickhoff nochmal ran und traf prompt zum 27:35 (55.). Dass Matthes Langhoff mit dem 27:37 vier Minuten vor Schluss erstmals auf zehn erhöhte, konnte die Fangesänge des komplett stehenden Publikums auf den Rängen nicht unterbrechen. Da wurde der frisch gekürte European-League-Sieger trotz des Rückstandes frenetisch gefeiert, und das Ergebnis spielte längst keine Rolle mehr.

Am Sonntag bestreitet die MT das letzte Saisonspiel bei der TSV Hannover-Burgdorf. Anwurf ist um 15 Uhr. 

Statistik

MT Melsungen: Palasics (6 Paraden / 24 Gegentore), Bartucz (xx P. / x G.); Marchan 5, Sipos, Kristopans 3, Ignatow 2, Drosten 2, Stefansson 3, Arnarsson 1, Soler 1, Forsell Schefvert 3, Mensing 5, Guardiola, Eickhoff 1, Darmoul 2 – Trainer Roberto Garcia Parrondo.

Füchse Berlin: Milosavljev (1 Parade / 10 Gegentore), Ludwig (1 Tor / 7 P. / 18 G.); Darj, Prantner, Andersson 6, Arino 3, Grondahl 6/4, Lichtlein 3, Gidsel 9, Freihöfer 1/1, Cehte, Pichiri 2, Langhoff 4, Herburger, Av Teigum 3, Marsenic 1 – Trainer Nicolej Krickau.

Schiedsrichter: Lucas Hellbusch (Trebur) / Darnel Jansen (Trebur). Spielaufsicht: Thorsten Zacharias.

Zeitstrafen: 4 – 0 Minuten (Forsell Schefvert 30:34, Sipos 37:10)

Strafwürfe: 1/0 – 6/5 (Ludwig pariert Wurf von Drosten 57:06 – Palasics hält Wurf von Freihöfer 21:03)

Zuschauer: 4.500 in der Rothenbach-Halle, Kassel (ausverkauft)

Spielstände: 1:0 (1.), 4:4 (8.), 8:7 (15.), 11:11 (21.), 12:14 (25.), 15:16 (29.), 16:18 (30.) HZ – 16:19 (31.), 18:23 (35.), 20:28 (43.), 24:30 (47.), 26:34 (50.), 27:35 (55.), 27:37 (56.), 28:39 (60.) Endstand. 


Der 34. Spieltag am Sonntag

Bilanz MT – TSV Hannover-Burgdorf
31 HBL-Spiele; 18 Siege MT, 9 Siege TSV, 4 Remis
2 DHB-Spiele, 2 Siege MT
Letzter Vergleich:
14.11.25, MT – TSV 29:29

Schiedsrichter am Sonntag: Jannik Otto (Nienburg/Weser) / Raphael Piper (Altenholz); Spielaufsicht: Frank Böllhoff. 

Spielort: ZAG Arena, Expo Plaza 7 in Hannover

Dyn beginnt mit der Live-Übertragung um 14.45 Uhr. 

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