
Eine schwache zweite Halbzeit vermasselte das Derby. Unerwartet hoch mit 24:34 (13:15) unterlag die MT Melsungen 2 im Drittliga-Spiel bei der ESG Gensungen/Felsberg.
Es war eigentlich alles gerichtet für einen rassigen Schlagabtausch der beiden Lokalrivalen. Mit Wermutstropfen allerdings. Zeichnete sich bei Melsungen der Ausfall ausgerechnet von Routinier Max Pregler ab, musste Gensungens Franco Rossel nach dem Aufwärmen ebenfalls abwinken. Machte den Hausherren wenig. Die wunderten sich über die taktische 7-gegen-6-Variante der Gäste, profitierten aber gleich zweimal davon und holten sich eine schnelle 3:0-Führung (4.) aufs leere Tor.
Die MT 2 knabberte wesentlich mehr an Preglers Abwesenheit, bekam die Defensive aber mit Jason Wilfer und Benni Fitozovic im Innenblock trotzdem geregelt. Mit hart erkämpften Ballgewinnen, die vorn nach und nach auch veredelt wurden. Variabel zudem. Ob sich nun Fitozovic im Gegenstoß-Laufduell gegen Cousin Edin durchsetzte, Björn Prinz aus der zweiten Reihe abzog oder Leander Altena sich geschickt durchschlängelte – nach dem 4:6 (13.) des Linkshänders sah es nicht schlecht aus.
Sucht man Muster im bisherigen Saisonverlauf der Melsunger, wird man fündig; auch im Derby. Ganze sechs Minuten dauerte es für die Grün-Weißen, die Partie zu Vince Schmidts 9:6 zurückzudrehen. Bereits der fünfte Treffer des Mittelmannes, der kaum zu kontrollieren war. Zwar gelang Benni Fitozovic noch einmal der Anschluss zum 11:10 (24.), aber bis zur Pause war kein Ausgleich mehr drin. Mit minus zwei Rückstand ging’s in die Kabine, was absolut nicht hätte sein müssen.
Waren bis dahin die Torhüterleistungen von Kim Hüter mit fünf und Lukas Voß mit sechs Paraden noch auf Augenhöhe, änderte sich das nach Wiederbeginn ganz schnell. Natürlich lag das auch daran, dass die Edertaler kräftiger und kompromissloser zupackten. Immer fair, wohlgemerkt! Aber es war diese kleine Extraportion Energie, die zum Vorteil gereichte. Und es Voß erheblich leichter machte. Allein in den ersten zwölf Minute der zweiten Hälfte krallte er sich sechs Bälle, während Hüter kaum Unterstützung mehr bekam. Mit Julian Damms 23:16 (42.) war bereits eine kleine Vorentscheidung gefallen.
Denn danach stabilisierte sich die MT 2 zwar einigermaßen, aber der Rucksack des Rückstands war unglaublich schwer. Pech kam mit Aluminiumtreffen irgendwann auch noch dazu, so ist das eben wenn es gar nicht mehr laufen will. Gensungen war da aber schon längst gedanklich auf der Siegerstraße und verfügte damit über jene Leichtigkeit, die dem Auswärtsteam abging.
Daran konnte auch Max Hermenaus starkes Drittliga-Debüt nichts mehr ändern. Der A-Jugendliche sorgte in den letzten 13 Minuten für mächtig Wirbel in Gensungens Deckung. Starke Zweikämpfe, immer dahin, wo es weh tun kann und auf Anhieb drei Tore gemacht. Klasse! Mir genau dieser Unbekümmertheit der gesamten Mannschaft über die komplette zweite Hälfte hätte die Anzeigetafel am Ende ganz sicher anders ausgesehen. Denn auch der eingewechselte Jannik Büde hatte noch seine Auftritte mit zwei Glanztaten bei Gegenstößen von Teja Sonnenschein und Hannes Garde. Schlussendlich waren’s zwar zehn Differenz, aber das waren eindeutig einige zu viel. (Michael Koch)
Statistik
ESG Gensungen/F.: Voss (15 Paraden / 23 Gegentore), Goldmann (2 P. / 1 G.); Sonnenschein, Rulff 1, Schmidt 7, Backhaus 5, Otto, Kindl 1, Bieber 3, Damm 3, Bikic, E. Fitozovic 3, Lippold, Kothe 7, Garde 3/2, Richter 1/1 – Trainer Heinrich Wachs.
MT Melsungen 2: Hüter (6 P. / 24 G.), Büde (4 P. / 10 G.), Rosenbusch (n. e.); Altena 3, Reinbold, Prinz 2, Botte 1, Wöhler 2, König 2/2, B. Fitozovic 4, Hillwig 1, Wilfer 2, Kremser, Andrei 2, Duketis 2, Hermenau 3 – Trainer Florian Weiß.
Schiedsrichter: Dustin Seidler / Denis Seidler (Solingen) – Zeitstrafen 4 : 4 Minuten – Strafwürfe 4/3 : 4/2 - Zuschauer: 860 (Ausverkauft).
Verlauf: 3:0 (4.), 3:3 (8.), 4:6 (13.), 9:6 (18.), 11:10 (24.), 14:10 (28.), 15:13 (Halbzeit) – 18:14 (36.), 22:15 (40.), 26:18 (46.), 30:20 (52.), 31:23 (55.), 34:24 (Ende).