
Auch im dritten Auswärtsspiel hintereinander kann die MT Melsungen 2 in der 3. Liga Nord-West nicht punkten. Bei Team HandbALL Lippe 2, der Zweitvertretung von Erstligist TBV Lemgo, gab es eine 29:35 (14:13)-Niederlage, die nach einer turbulenten zweiten Hälfte um einige Tore zu hoch ausfiel.
Es war schon in der Anfangsphase ein bisschen wild. Gleich 0:2 hinten, dazwischen lagen die erste Strafe gegen Elias Wöhler und ein Versuch von Benjamin Fitozovic über Außen, den sich Borrek angelte. Wie überhaupt der Lemgoer Keeper zunächst einmal überragte. Als Georgi Sviridenko, heute Coach in berufsbedingter Abwesenheit von Florian Weiß, nach gut sechseinhalb Minuten die erste Grüne Karte legte, stand es bereits 5:1 – nach vier Paraden Borreks, der gegen die genommenen Halbchancen der Gäste allerdings auch recht leichtes Spiel hatte. Sviridenko wurde in der Auszeit laut. Richtig laut!
Die Worte des Weißrussen wirkten. Marco Bilanzola gelang noch das 6:2 (8.), danach war hinten erst einmal dicht bei der MT 2. Kim Hüter kam für Leon Rosenbusch ins Tor, die Abwehr vor ihm machte einen super Job, allen voran Max Pregler. Der Routinier sorgte hinten clever für Ballgewinne und glänzte vorn als Vollstrecker: Beide Treffer zum 6:6-Ausgleich (14.) gingen auf ihn. Melsungen also endlich voll angekommen im Spiel und sogar obenauf.
Das lag vor allem an Elias Wöhler, der sich mit schönen Bewegungen ein ums andere Mal durchsetzte und sicher abschloss. Hilfreich zur Seite stand ihm, sowie Leander Altena kurz darauf, Jason Wilfer. Der stellte prima Sperren und blockte seinen Kameraden die Gassen frei. Melsungens erste Führung gelang Björn Prinz zum 11:12 (23.). Und dass er es auch von Linksaußen kann, zeigte Pregler während einer Strafe gegen Lino Duketis mit dem 12:13 (26.) aus ganz spitzem Winkel. Mit einer knappen Führung für die Nordhessen ging es dann auch in die Kabinen.
Wieder zurück, zog die Lemgoer Zweite das Tempo an. Konnte sich zudem erneut auf Borrek verlassen und fabrizierte quasi eine Blaupause des Spielbeginns. Kaum ein Durchkommen für die Melsunger, Dan Stypinski, Moritz Sundermann und vor allem Valentin Weyer in Spiellaune. Der initiierte mit seinem Tor zum 17:16 (34.) einen 5:0-Lauf, den Lars Bakker vollendete (39.). Natürlich wieder frühe Auszeit Melsungen, auch diesmal mit positiver Wirkung. Der Rückstand schmolz nach Preglers 23:20 (44.) zusehends.
Dann aber der wohl entscheidende Bruch. Pregler setzt sich halblinks klasse durch, fliegt in den Torraum und vollstreckt zum vermeintlichen 21. Treffer. Doch weil es einen Zusammenprall mit dem nach vorn kommenden Borrek gibt, wird der Treffer nicht gegeben und zudem Melsungens Dreh- und Angelpunkt mit einer Strafe belegt. Dann hält im Gegenzug der zurückgekehrte Rosenbusch glänzend gegen Bilanzola, Fitozovic blockt den abprallenden Ball resolut gegen Stypinski. Was nicht etwa zum Ballbesitz für Melsungen führt, sondern zur nächsten Strafe gegen Melsungens Linkshänder. Und schlimmer noch: Wegen der lautstarken Proteste der Melsunger Bank setzte es da auch noch zwei Minuten obendrauf, dreifache Unterzahl statt fortgesetzte Aufholjagd.
Es sprach eindeutig für die klasse Moral der Mannschaft, dass sie das wegsteckte und bis zum 27:24 (51.) durch Wilfer dagegenhielt. Aber die Zeit lief weg und es schlichen sich fast zwangsläufig wieder Fehler ein. Noch ein Aufbäumen von Wöhler zum 31:28 (56.), dann war endgültig kein Kraftstoff mehr im Tank und Lemgo erhöhte mit Stypinskis Siebenmeter nach Ablauf der Spielzeit, dem die dritte Zeitstrafe von Fitozovic vorausging, zum zwar letztendlich nicht unverdienten, aber doch angesichts der starken kämpferischen Leistung der MT 2 viel zu hoch ausgefallenen Sieg.
Statistik
HandbALL Lippe 2: Borrek (13 Paraden / 28 Gegentore), Wanzek (bei einem Siebenmeter, 0 P. / 1 G.); Struck, Weyer 8/4, Sundermann 6, Bröhl 1, Bakker 3, Bilanzola 1, Kehrmann 4, Byczek 5, Gogava, Stypinski 7/1 – Trainer Björn Piontek.
MT Melsungen 2: Rosenbusch (5 P. / 16 G.), Hüter (4 P. / 14 G.), Büde (1 P. / 5 G.); Altena 5, Reinbold, Prinz 3, Botte, Wöhler 5, König, Fitozovic 2, Hillwig, Pregler 7, Wilfer 3, Kremser, Andrei, Duketis 4/4 – Trainer Florian Weiß.
Schiedsrichter: Janis Husemann-Brandt / Hendrik Thies (Bad Oeynhausen / Bad Salzuflen) – Zeitstrafen 6 : 16 Minuten – Disqualifikation: Fitozovic, MT 2, 3x2 Min. 60.) - Strafwürfe 5/5 : 4/4 - Zuschauer: 350.
Verlauf: 2:0 (2.), 5:1 (6.), 6:6 (14.), 9:8 (19.), 11:12 (23.), 13:14 (Halbzeit) – 14:15 (32.), 17:15 (34.), 21:16 (39.), 24:20 (44.), 26:23 (49.), 29:24 (51.), 31:28 (56.), 35:29 (Ende).