
Mit einem, trotz aller Widrigkeiten, positiven Gefühl fährt die MT Melsungen am Samstag zum Auswärtsspiel der 3. Liga Nord-West zum TSV Anderten. Anwurf in der Misburg-Halle Hannover ist um 19:15 Uhr.
Warum die Stimmung mit sechs Niederlagen in Folge im Gepäck alles andere als im Keller ist, das haben wir Martin Reinbold gefragt. Mit 39 Jahren ist er nicht nur der älteste und erfahrenste Melsunger Spieler, sondern seit dieser Saison auch in Doppelfunktion als Sportlicher Leiter und Spieler unterwegs. Das sagt der Kreisläufer im neuen Amt über …
seine neue Rolle im Team:
Es ist für mich als Spieler einiges dazugekommen. Die Grundorganisation der Mannschaft, das Kümmern um den Trainings- und Spielbetrieb und auch Dinge, die den Kader selbst betreffen. Dabei nicht zuletzt die Planung und zukünftige Ausrichtung der Mannschaft. Zum Beispiel: Können wir aus den eigenen Reihen integrieren oder müssen wir andere Lösungen finden? Auch der Blick auf das persönliche Befinden jedes Einzelnen gehört dazu, unsere Ausrüstung, Transferfahrten, überhaupt Fahrzeuge für die Reisen zu den Auswärtsspielen. Vieles davon ist nicht ganz neu für mich, weil ich da früher schon unterstützt habe. Aber so in Gänze die Verantwortung zu tragen, ist schon eine ziemlich zeitfressende Geschichte.
den Abschied vom Kapitänsamt:
Meine Funktion als Kapitän habe ich vertrauensvoll an Benni Fitozovic und Jannik Büde übergeben. Was aber nicht heißt, dass ich mich davon komplett verabschiedet habe. Als mit Abstand ältester Spieler des Teams versuche ich, die damit verbundenen Werte und Tugenden beizubehalten und weiterzugeben. Diese Vorbildfunktion ist mir ganz wichtig, denn die lebe ich, so bin ich sportlich erzogen worden und aufgewachsen.
Verantwortung:
Die trage ich als spiel- und dienstältester Spieler nach wie vor, ganz egal in welcher Funktion. Einstellung, Training, Spiel – ich muss da auch vorangehen, was das Einhalten von Regeln angeht. Aber das hat eigentlich weniger mit irgendeinem Amt zu tun, sondern steckt eher in meinem Charakter. Das Sehen, wo gerade etwas hervorragend läuft und des Lobes bedarf, wo etwas im Argen liegt, wo im Allgemeinen gerade Gesprächsbedarf herrscht. Und das nicht nur bezogen auf Handball, sondern durchaus auch privat. All das sehe ich als meine Verantwortung mit Blick auf die Mannschaft und jeden einzelnen Akteur darin.
die jüngste Niederlagen-Serie:
Sechs Niederlagen in Folge sind für uns ein Rekord, das stimmt schon. Aber man muss die Spiele einzeln betrachten. Das Einfachste am Sport ist, dass am Ende einer jeden Begegnung immer ein greifbares Ergebnis steht. Und da sieht es bei uns im Moment eben nicht gut aus. Trotzdem muss man sagen, dass wir den überwiegenden Teil unserer Arbeit richtig machen, denn es sind klare Entwicklungen zu sehen. Ergebnisorientiert haben wir also sicher ein Problem, in der Entwicklungsgeschichte eindeutig nicht.
die personellen Widrigkeiten:
Natürlich sind wir eingeschränkt. Liebergesell, Hornaff, Kreile langzeitverletzt raus, zuletzt Trogisch nicht einsatzbereit. Viele Möglichkeiten haben wir da nicht, das einfach zu kompensieren. Trotzdem sind wir schon weiter als letzte Saison, denn trotz der Negativserie verliert niemand die Nerven, halten sich alle trotzdem an die strategischen Vorgaben.
den Umgang mit der Situation:
Für jeden, der solche Phasen noch nicht durchlebt hat, ist das gerade schwer. Da wird plötzlich auch schon mal das Handgelenk ein bisschen fest, der eine oder andere Schritt wird zu spät gemacht. Das ist vollkommen normal bei dieser Anzahl von so jungen Spielern. Grundsätzlich ist es wichtig, weiter positiv zu sein, gute Laune zu haben. Klar, man verliert Spiele im Leistungssport. Aber das ist nicht die kritische Welt um uns herum, sondern immer noch Sport. Zwar auf einem Niveau, das man ernst nimmt, aber es muss mit Leichtigkeit, Lockerheit und Zufriedenheit verbunden bleiben. Manchmal hilft es tatsächlich, einfach mehr zu lachen als zu fluchen.
den Weg aus dem Dilemma:
Nur ein Wort: Kontinuität. Einfach weitermachen. Einfach einen guten Kopf haben und positiv bleiben. Aber selbstverständlich auch demütig sein und den derzeitigen Misserfolg wahrnehmen. Trotzdem die eigene Entwicklung sehen und darüber Zufriedenheit generieren. Jede einzelne Trainingseinheit muss mit Spaß an der Sache verbunden sein. Wenn wir uns nicht von einfachen Begrifflichkeiten wie „Negativserie“ oder „Abstiegsgefahr“ verrückt machen lassen, wird das ein Selbstläufer werden, davon bin ich überzeugt. Einige von uns durchleben diese Situation jetzt in der vierten Saison hintereinander und haben die Sicherheit, es schon dreimal bewältigt zu haben. Genau das müssen wir Erfahrenen an die Jüngeren weitergeben.
das Auswärtsspiel beim TSV Anderten:
Es wird ein schwieriges Auswärtsspiel bei einem guten, soliden, körperlich starken Gegner. Wenn wir es schaffen, so lange wie möglich unseren Matchplan aufrechtzuerhalten und die taktischen Vorgaben einzuhalten, dann ist was möglich. Anderten hat sich da im Mittelfeld der Tabelle ganz ordentlich eingerichtet. Aber es wird ganz viel an uns selbst liegen. Wie wir mit einfach nicht zu vermeidenden Fehlwürfen umgehen, wie wir mit den kurzen Phasen zurechtkommen, in denen wir unser taktisches Konzept nicht ordentlich umsetzen. Kurz: Fehler minimieren, taktische Kompetenz zeitlich verlängern, dann kommen da am Ende auch Punkte raus. Genau das erhoffe ich mir von diesem Wochenende.
Die Partie der MT Melsungen 2 beim TSV Anderten wird über die Plattform von Sporteurope.TV am Samstag ab 19:15 Uhr im Livestream übertragen. (Michael Koch)