
Nach acht Spielen ohne Sieg in der 3. Liga Nord-West hat es endlich wieder geklappt. Mit 33:32 (21:13) siegte die MT Melsungen 2 beim OHV Aurich. Sah dabei kurz nach der Pause bereits wie der klare Tagessieger aus, musste aber am Ende noch mächtig um die doppelte Punktausbeute zittern.
Richtig gut anzusehen war das, was die Nordhessen da in der Anfangsphase auf die Platte brachten. Obwohl bis zum 3:2 (7.) durch Sven Seidler zunächst noch in Rückstand, dann aber mit viel Zug und vor allem Elias Wöhlers intelligenter Spielsteuerung, oftmals von der linken Halbposition aus, immer besser in Schwung kommend. Da wurde der Ball konsequent im Wirkungsbereich von Leander Altena auf der rechten Seite gehalten, bis sich Aurichs Deckung in diese Richtung orientiert hatte. Dann folgte meist der Wechsel auf links, wo Wöhler entweder Lino Duketis bediente, alternativ selbst abschloss oder aber wenigstens einen Siebenmeter rausholte, den wiederum Duketis im Netz unterbrachte.
Klasse sah das aus und war auch effektiv: Viermal Duketis, zweimal Wöhler zum 6:9 (14.). Und als Aurich diesen Ablauf spitz hatte und besser aufpasste, zog eben Altena durch und traf doppelt. Hinten konnte sich die MT 2 voll auf ihre sehr aktive, griffige Abwehr und dahinter Leon Rosenbusch verlassen. Der hatte insbesondere Aurichs Torjäger Luke Stricker voll „drauf“, nahm ihm nicht nur Würfe aus dem Rückraum ab, sondern auch zwei Tempogegenstöße. Sein persönlicher Höhepunkt: Ein gefangener Ball von Linksaußen Lukas Meinke, den René Andrei ins gerade verwaiste Tor gegenüber beförderte und nur einen Angriff später seine nächste Parade, diesmal sogar selbst zum 11:19 (28.) veredelt. Die acht Tore Vorsprung waren hochverdient.
Aurichs Trainer Kevin Wendlandt reagierte. Hatte sich nicht nur bereits acht Minuten vor der Pause selbst auf dem Spielberichtsbogen nachtragen lassen, sondern zum zweiten Durchgang auch Routinier Edgars Kuksa zwischen die Pfosten beordert. Der Lettische Nationalspieler und Europameisterschafts-Teilnehmer wollte seine Karriere eigentlich im Sommer schon beenden, machte dann aber weiter und sollte dieser zweiten Hälfte seinen Stempel aufdrücken. Sein erster Streich war eine Glanzparade gegen Duketis, weitere sollten folgen.
Zunächst aber hielt die MT 2 noch ihren Flow des ersten Durchgangs, Duketis revanchierte sich mit einem feinen Dreher zum 15:24 (35.), der höchsten Gästeführung des Tages. In deren Fahrwasser sich jedoch die ersten Konzentrationsschwächen einschlichen. Lücken gingen in der Abwehr auf, an die vorher nicht einmal zu denken war. Und das teils in einer Breite, dass zwei Auricher nebeneinander hindurch gepasst hätten. Die nahmen die angebotenen Geschenke selbstverständlich an, wenngleich hinten Rosenbusch und vorn Altena noch dagegenhielten.
Andrei packte in der Defensive zu, traf in der Offensive und konterte zunächst noch Wilko Metzlers 22:27 (42.) mit einem Doppelpack. Die anfängliche Überlegenheit der Gäste schwand mehr und mehr, Grund dafür war Kuksa. Eine Parade nach der anderen, Melsungen schwächte sich durch überlappende Strafen gegen Andrei und Benni Fitozovic selbst. Dreieinhalb Minuten in Unterzahl, der zweite Siebenmeter von Duketis gegen den lettischen Altinternationalen liegengelassen, Wendland als spielender Trainer in Wurflaune: 29:32 (56.).
Aurich witterte seine Chance, wenngleich Wöhlers 30:33 Luft verschaffte. Nicht genug Luft für den Kuksa. Der traf zum zweiten Mal selbst, als es Melsungen mit dem siebten Feldspieler. Selbst als Wendlandt kurz nach seinem Anschlusstreffer für den Rest der Spielzeit runter musste, hielt er sein unglaubliches Niveau, nahm Duketis 30 Sekunden vor Schluss noch einen Strafwurf ab und verschaffte seinem Team damit Ballbesitz und die riesengroße Chance auf den ersten Punkt der Spielzeit. Den es dann doch nicht gab. Weil die Melsunger sich offensiv dem drohenden Ungemach entgegenstemmten und Evgeny Vorontsov zum finalen Wurf schon aus dem Halbfeld zwangen. Der ging drüber, was schlussendlich den eigentlich zur Pause schon fast sicher geglaubten zweiten Saisonsieg der MT Melsungen 2 besiegelte. (MK)
Statistik
OHV Aurich: Jungvogel (5 Paraden / 21 Gegentore), Kuksa (2 Tore / 11 P. / 12 G.); Borisovs 7/3, Stricker 6, Drees, Popovic, Seidler 3, Meinke, Dannehl, Vorontsov 3, Gronau, Janssen 1, Metzler 3, Theede 1, Wendlandt 6 – Trainer Kevin Wendlandt.
MT Melsungen 2: Rosenbusch (1 T. / 15 P. / 31 G.), Hüter (bei einem Siebenmeter, 0 P. / 1 G.), Büde (n. e.); Altena 7, Reinbold 2, Prinz 2, Botte, Wöhler 4, König 1, B.Fitozovic 1, Hillwig 1, Wilfer 1, Kremser, Andrei 5, Duketis 8/4, Hermenau – Trainer Florian Weiß.
Schiedsrichter: Sven Levermann / Christian Rietenberg (Flensburg / Hannover) – Zeitstrafen 10 : 4 Minuten - Strafwürfe 3/3 : 7/4 - Zuschauer: 787.
Verlauf: 1:0 (2.), 2:2 (6.), 3:5 (10.), 5:9 (14.), 6:12 (19.), 10:13 (23.), 11:17 (27.), 13:21 (Halbzeit) – 15:24 (35.), 19:27 (40.), 22:28 (45.), 25:30 (50.), 27:31 (53.), 30:33 (57.), 32:33 (Ende).