
In der 3. Liga Nord-West empfängt die MT Melsungen 2 am Samstagnachmittag den TuS Vinnhorst in Guxhagen.
Ein letztes Mal noch umziehen, bevor die Halle in Melsungen wieder Heimstatt wird. Das Spiel der MT 2 gegen den TuS Vinnhorst findet am Samstag – entgegen den ursprünglichen Planungen – in der Kreissporthalle Guxhagen statt und wurde zeitlich auf 15.30 Uhr vorgezogen.
Theoretisch ein Vorteil für Björn Prinz, der dort für zwei Jahre mit der MSG Körle/Guxhagen zu Hause war, bevor er im Sommer nach Melsungen wechselte. Praktisch aber habe der Spielort für ihn keinen Einfluss, glaubt er. Umfeld und Abläufe seien zwar dort gewohnt, aber er freue sich auch schon wieder auf die Stadtsporthalle. Überhaupt sei er in Melsungen in jeder Hinsicht sehr schnell gut angekommen: „Mit einigen habe ich in Körle ja schon zusammengespielt und einfach alle haben sich sofort voll auf mich eingelassen. Ich fühle mich wohl in der Mannschaft, die Jungs sind auch neben der Platte schwer in Ordnung“, freut sich der 30-Jährige.
Aufgewachsen ist er in Gensungen, hat dort auch seine frühe sportliche Jugend verbracht. Sicher genetisch ein wenig von Vater Burkhard „Hardy“ Prinz infiziert, der einst als Spieler und Trainer im Edertal eine Institution war. Davon beeinflusst sei er aber keinesfalls, ist er sich sicher. Es habe nie Einflussnahme oder gar Druck gegeben, dazu sei sein Vater auch viel zu früh verstorben. Wenn dessen Vermächtnis überhaupt eine Rolle spiele, dann eher im Trainerdasein. Denn da ist Björn Prinz in seinem heutigen Wohnort Reichensachsen nebenbei eingebunden. „Momentan bleibt dafür wenig Zeit, aber nach meiner aktiven Karriere werde ich mich sicherlich mehr damit beschäftigen“, sagt er.
Und diese Karriere war so ein bisschen wie eine Wellenlandschaft. Zuerst aus Gensungen, wo seine Mutter noch lebt und er oft zu Gast ist, weit nach oben gespült in die Jugend von Eintracht Baunatal, wo vor etwas mehr als 13 Jahren schon Jugendbundesliga gespielt wurde. Da gab es dann auch bereits erste Trainingseinheiten mit dem GSV-Männerteam, das in jenem Jahr den Aufstieg in die 2. Liga schaffte. Dann kam, auch bedingt durch sein Masterstudium der angewandten Statistik in Göttingen, der Schritt zurück nach Hann. Münden und auf einer kleinen Talsohle für drei Jahre sogar das temporäre Aus für den Handball.
Umso bemerkenswerter ist, dass der nächste Aufschwung so hoch führte wie noch nie zuvor. Erst Landesliga in Wanfried, dann in die vierte Liga mit Körle/Guxhagen, seit Sommer 2026 sogar 3. Liga mit der MT 2. „Ich bin physisch auf einem recht hohen Niveau unterwegs, was mir dabei bestimmt geholfen hat“, erklärt sich der Rückraum-Linke selbst. Von dieser Physis profitiert er vor allem auch in der Deckung, wo sie ihn zum harten Brocken für jeden gegnerischen Angreifer macht. Inzwischen habe er auch das für ihn neue Melsunger System von Abwehr und Angriff verinnerlicht und könne effektiv helfen. Verbesserungspotenzial gäbe es jedoch immer noch.
Schaut man auf die bisherige Saison, fällt eine Sache sofort auf: Da ist jemand, der kompromisslos Verantwortung übernimmt. Wie selbstverständlich greift sich Prinz die Rolle des „Do-or-die-Spielers“. Wenn da passives Spiel angezeigt ist und die Schiedsrichter nur noch einen Finger heben, geht es ohne Zögern in die Vollen. Egal ob in letzter Sekunde in Fredenbeck, wo das mal schief ging, oder zuletzt in Anderten, wo das Geschoss des Neu-Melsungers mit Wucht im Winkel einschlug und in der Mannschaft die Kraft für den umjubelten Punktgewinn freimachte. Alles oder nichts eben.
Das alles passiere unbewusst im Flow des Spiels. Er versuche, auch in den entscheidenden Situationen immer die richtige Entscheidung zu treffen, lautet die nüchterne Selbstanalyse. Und man muss ihm das einfach so abnehmen, denn diese Ruhe und Gelassenheit steckt überall in ihm drin. Kein Mann der lauten Worte oder übertriebenen Gesten also, sondern zielstrebig und erfolgsorientiert durch und durch: „Ich bin einfach kein lauter Typ und immer eher ruhig. Mich auch nach außen ersichtlich zu pushen kostet mich mehr Energie, als es mir bringt.“
Gegen Vinnhorst wird es diese Einstellung nicht nur von Björn Prinz, sondern von der kompletten MT 2 brauchen. Die Gäste sind zwar nicht überragend, aber doch sehr solide in die Saison gestartet. Was mit ein Verdienst eines ehemaligen Melsungers ist. Denn im TuS-Tor steht Glenn-Louis Eggert. Der war einst nicht nur bei den MT Talents in der Jugendbundesliga aktiv, sondern hatte auch einen Profi-Anschlussvertrag, spielte damals hinter Johan Sjöstrand und war Stammspieler in der MT 2. Von der damaligen Mannschaft ist nur Martin Reinbold noch dabei. Aber Björn Prinz könnte sich für seine trockenen Abschlüsse in Drucksituationen bei Co-Trainer Georgi Sviridenko nach Eggerts Schwächen erkundigen. Denn der war damals verantwortlicher Coach der Fuldastädter.
Das Spiel der MT Melsungen 2 gegen den TuS Vinnhorst wird am Samstag ab 15.30 Uhr über die Plattform von Sporteurope.tv im Livestream übertragen. (Michael Koch)