
Beim VfL Fredenbeck musste die MT Melsungen 2 in der 3. Liga Nord-West eine knappe und vor allem ärgerliche 28:29 (14:15)-Niederlage bilanzieren. Es war nämlich mehr drin, wenn nicht die Anfangsphasen beider Halbzeiten mit Fehlern gespickt gewesen wäre. So blieb am Ende nur eine starke kämpferische Leistung und viel Moral zu attestieren. Und ein glänzender Drittliga-Einstand von Björn Prinz.
Eine glatte Viertelstunde brauchten die Melsunger, um überhaupt einmal richtig im Spiel anzukommen. Nach Daniel Polaks drittem Siebenmetertreffer zum 9:6 sah es gar nicht gut aus. Viel zu fahrig vorn, zu offen hinten, keine Hilfe für Kim Hüter zwischen den Pfosten. Gut, dass die Hausherren sich auch den einen oder anderen Fehler leisteten. Das kompensierte aber nicht die zwei schon früh vergebenen Siebenmeter von Kevin Trogisch (gehalten von Teo Mestrovic) und Lino Duketis (glatt drüber) und den völlig frei liegen gelassenen von Benni Fitozoviv, um allein die Großchancen zu nennen.
Die Wende kam mit der ersten Zeitstrafe der Partie gegen Timo Backofen. Mehr Platz, mehr Konzentration, durch Leander Altena und Jason Wilfer prompt zweimal in Überzahl getroffen. Als dann die ersten beiden Glanztaten von Hüter mit einem parierten Strafwurf und dem Entschärfen eines Kempa-Versuchs von Linus Noah Schwenke kamen, gelang Trogisch mit dem Abschluss eines 4:0-Laufs gar die erste Gäste-Führung.
Fortan war es ein immer noch nicht fehlerfreies, aber ansehnliches und vor allem spannendes Drittliga-Spiel. In dem die Führungen wechselten, Melsungen es zeitweise mit dem siebten Feldspieler und Fredenbeck mit vielen Wechseln versuchten. Sogar eine nordhessische Führung zur Pause wäre möglich gewesen, doch in der letzten Minute vor der Sirene hielt der Schlendrian erneut Einzug. Vorn zweimal leichtfertig den Ball vertändelt, hinten zweimal nicht schnell und energisch genug zugepackt, da war der so hart erkämpfte Vorteil wieder weg.
Nicht nur das, auch die Linie war völlig dahin. Der Start in den zweiten Durchgang war eine Blaupause der Anfangsviertelstunde. Da half es auch nicht, dass Fredenbecks Jonas Gerkens beim Aufkommen nach seinem Sprungwurf zum 16:14 mit einer Oberschenkelverletzung raus musste. Es lief einfach nicht mehr viel zusammen. Leon Rosenbusch kam nach Schwenkes 20:17 (36.) für Kim Hüter, war aber zunächst auch machtlos. VfL-Spielmacher Danny Müller hatte so viel Freiraum zur Entfaltung, dass Trainer Florian Weiß zwischendrin auf eine 5:1-Deckung umstellte und dafür Leander Altena auf die Spitze schickte. Damit lief es endlich etwas besser.
Eine Viertelstunde vor Schluss kam Björn Prinz zu seinem ersten Drittliga-Einsatz. Kein leichtes Unterfangen, auswärts bei Rückstand und fehlender eigener Linie. Aber der zu Saisonbeginn von Körle zur MT 2 gewechselte Routinier dankte das Vertrauen seines Trainers. Und wie! Seine erste Aktion, ein klasse Pass auf Linksaußen zu Lino Duketis, blieb durch die gute Reaktion des eingewechselten Niklas Itzen im VfL-Tor noch ohne Belohnung. Die zweite dann gelang umso schöner: Bei angezeigtem passivem Spiel als Debütant die Verantwortung zu übernehmen und zum 24:21 (45.) zu vollstrecken, das hatte schon was.
Itzen war auch der Grund, dass Fredenbeck mit seinen Paraden, trotz einiger Versäumnisse im Angriff, durch Michel Brassait auf 27:23 (49.) wegziehen konnte. Es roch geradezu nach einer Vorentscheidung. Wären da nicht Elias Wöhler und Björn Prinz gewesen. Beide nutzten Ballgewinne der mit Prinz im Innenblock immer besser werdenden Abwehr und trafen doppelt – 27:27 (55.). Da war plötzlich wieder alles offen und ein Punktgewinn in Reichweite.
Aber beide Abwehrreihen leisteten im Finale grandiose Arbeit. Nach Brassaits 29:28 waren immer noch zweieinhalb Minuten auf der Uhr. Doch ohne Zählbares hintenraus, obwohl beide Mannschaften ihre Möglichkeiten hatten. Es war vielleicht Schicksal, dass ausgerechnet Prinz den letzten Wurf, erneut unter extremem Zeitdruck, nehmen musste. Aber er nahm die Verantwortung abermals an – aber scheiterte diesmal an Itzen, der zwar beim Anwurf noch gar nicht auf dem Spielberichtsbogen stand und nachgetragen wurde, aber damit schlussendlich zum Matchwinner für überglückliche Fredenbecker wurde. (Michael Koch)
Statistik
VfL Fredenbeck: Mestrovic (5 Paraden / 17 Gegentore), Itzen (6 P. / 12 G.); Sumfleth 1, Gerkens 4, Brassait 4, Schwenke 1, Backofen, Fick 4, Müller 2, Ritscher, Möller, Franke 2, Polak 5/5, Reiners 4, Heinsohn 2 – Trainer Matthias Steinkamp.
MT Melsungen 2: Hüter (5 P. / 19 G.), Rosenbusch (5 P. / 10 G.), Büde (n. e.); Altena 2, Reinbold 2, Prinz 3, Wöhler 4, König, Fitozovic 3, Hillwig, Wilfer 4, Trogisch 5/3, Kremser, Andrei 2, Duketis 3 – Trainer Florian Weiß.
Schiedsrichter: Moritz Hartmann / Nils Hennekes (Dortmund / Gütersloh) – Zeitstrafen 2 : 4 Minuten – Strafwürfe 6/5 : 5/3 - Zuschauer: 870.
Verlauf: 0:1 (1.), 2:1 (4.), 5:3 (8.), 9:6 (14.), 9:10 (20.), 12:13 (26.), 15:14 (Halbzeit) – 18:15 (34.), 21:18 (38.), 22:20 (41.), 25:21 (46.), 27:23 (49.), 27:27 (55.), 28:28 (56.), 29:28 (Ende).