
Die Aufholjagd der MT Melsungen 2 war ein glanzvoller Kraftakt, wurde jedoch beim 33:34 (13:19) gegen den TV Kirchzell nicht belohnt. Zu groß war die Hypothek des hohen Rückstandes zur Pause, die in furiosen zweiten 30 Minuten zwischenzeitlich komplett aufgearbeitet wurde.
Als Spiel auf Augenhöhe wurde die Partie der 3. Liga Süd-West beim Aufwärmen von Hallensprecher Bernd Prauss aufgerufen, und genau so präsentierte sich das Geschehen auf dem Feld auch. Mit initialer Führung der Gäste durch Ievgen Zhuk, Übernahme der MT 2 durch herrlichen Heber von Jonas Riecke, Vorteilsrückholung des TVK durch zweimal Tom Spieß und gleich noch zweimal Führungswechsel bis zum dritten Spieß-Treffer zum 4:5, dem Riecke sofort den Ausgleich (12.) folgen ließ. Dazu auf beiden Seiten schon die erste Zeitstrafe in einem sehr intensiven Spiel, mehr Augenhöhe ging eigentlich nicht.
War bis dahin Kirchzells zweitligaerfahrener Niklas Ihmer, dank Jona Rietze, noch kein Faktor, tobte sich Spieß dafür umso mehr aus. Der machte mit dem 7:8 (15.) schon sein fünftes Tor, ehe Ihmer der Erhöhung auf zwei erstmals auf sich aufmerksam machte. Mit Folgen, denn fast augenblicklich hatte der TVK ein ganz anderes Selbstvertrauen. Melsungen wollte den Anschluss zwar halten, schaffte es aber nicht. Mehrere Fehler im Vorwärtsspiel, Kirchzell dafür umso konzentrierter und Spieß war überhaupt nicht zu kontrollieren. Keine Augenhöhe mehr, sondern 7:12 nach dem siebten Streich des Halblinken und Auszeit MT 2 (19.).
Melsungen fing sich wieder, kam aber nicht entscheidend näher. Kirchzell hatte im Tor mit Tobias Evers einen Vorteil gegenüber Kim Hüter, der schon früh den ebenfalls glücklosen Pawel Krawczyk abgelöst hatte. Deshalb war das 13:16 (28.) von Lino Duketis über die 1. Welle erzielt, auch nicht nachhaltig. Im Gegenteil war mittlerweile auch Ihmer im Spiel und sorgte mit seinen Toren drei und vier in der Schlussminute der ersten Hälfte für schon etwas mehr als nur eine beruhigende Führung.
Evers machte auch nach Wiederbeginn den Unterschied, wenngleich der zurück gewechselte Krawczyk ebenfalls zweimal glänzend parierte und beide Male sofort Duketis zum erfolgreichen Abschluss auf die Reise schickte. Mehr war erst einmal nicht drin, weil auch Ihmer zuverlässig weiter traf. Und Spieß natürlich, der mit dem 18:25 (38.) die Weichen scheinbar endgültig auf Auswärtssieg stellte.
Scheinbar! Denn es ging ein Ruck durch die Melsunger. Mit einem Mal hielt die Abwehr dem Druck von Spieß und Ihmer Stand, schaltete nach Ballgewinnen blitzschnell in den Attacke-Modus. Sehr zur Freude von Benni Fitozovic, der dreimal hintereinander, davon zweimal im Gegenstoß, traf. 22:25 (42.), ging da etwa doch noch was? Tim Haufglöckner konnte zwar gleich wieder einen mehr dazwischen legen, Kirchzell atmete leicht auf.
Aber dann war schon die MT 2 wieder dran. Die Hereinnahme des wuseligen Jonathan Atting machte sich bezahlt, der für reichlich Unruhe in der TVK-Deckung sorgte, aber einen Durchbruch zum Tor als Krönung leider wegen Schritten abgepfiffen bekam. Die linke Seite mit Rene Andrei und vor allem Lino Duketis war gar nicht mehr zu halten. Beide trafen doppelt, Andrei als Krönung auf Kempa-Zuspiel von Riecke – 27:28 (48.). Wieder reagierten die Gäste, setzten sich durch Yann de Waha ab auf drei. Gekontert diesmal von Max Pregler mit Gewalt in den Winkel und abermals Duketis, 31:32 (54.).
Da war sie wieder, die Augenhöhe. Dramatik wie im Hinspiel, als Melsungen schon einmal ein Comeback zum Punktgewinn gefeiert hatte. Das sah auch diesmal so aus, weil Jason Wilfer und wieder Andrei mit Kempa-Vorarbeit, diesmal von Duketis, jeweils ausglichen. Zweimal war sogar die Chance auf eine Führung da, zweimal rettete der überragende Evers gegen Riecke. Bis vier Sekunden vor Ultimo hielt das Remis, dann nutzte Ievgen Zhuk den letzten Siebenmeter der Partie, die dann schließlich doch wieder Augenhöhe pur erreicht hatte. Nur diesmal mit einer ungekrönten Aufholjagd der MT 2 und dem glücklicheren Ende für die Gäste.
Statistik
MT Melsungen 2: Krawczyk (6 P. / 19 G.), Hüter (2 P. / 15 G.); Riecke 3, Altena, Reinbold 2, Wöhler, König 1, Fitozovic 6, Rietze 1, Pregler 2, Wilfer 2, Trogisch 4/1, Andrei 5, Duketis 7, Eickhoff, Atting – Trainer Florian Weiß.
TV Kirchzell: Evers (16 Paraden / 33 Gegentore), Büchler (n. e.), Löffelmann (n. e.); Soloviov, Bayer, Häufglöckner 4, Schnellbacher 2, Hauptmann, Zhuk 8/4, Wolf, Spieß 11, Mattern, de Waha 1, Ihmer 8, Oskilko – Trainer Povilas Barbarskas.
Schiedsrichter: Steffen Bahr / Julius Buldmann (Plön / Heide) – Zeitstrafen 8 : 4 Minuten – Strafwürfe 2/1 : 4/4 - Zuschauer: 50.
Verlauf: 0:1 (1.), 4:3 (7.), 6:6 (14.), 7:12 (19.), 10:16 (26.), 13:19 (Halbzeit) – 15:20 (33.), 18:25 (38.), 23:27 (43.), 27:28 (48.), 28:31 (51.), 32:32 (56.), 33:33 (59.), 33:34 (Ende).