
Die MT Melsungen hat erstmals einen hauptamtlichen Kindersportkoordinator verpflichtet. Ein Schwerpunkt der Arbeit von Jannis Keller liegt auf Kooperationsmodellen mit Schulen.
Mittwochnachmittag, 16 Uhr, Training der D-Jugend der MT Talents. Jannis Keller steht im Mittelkreis der Zweifeldhalle in Melsungen und hat seine junge Mannschaft im Blick. Mal geht es um den nächsten Ablauf, mal um eine Korrektur, mal um ein kurzes Lob. Der 26-jährige Trainer ist mittendrin im Geschehen – und genau dort fühlt er sich wohl. Denn Kinder für den Handball zu begeistern, ist für Keller mehr als eine Aufgabe: Es ist seine Philosophie.
Am Morgen war Keller noch in seinem Büro auf der Geschäftsstelle der MT Melsungen anzutreffen, denn dort ist er seit diesem Sommer als hauptamtlicher Kindersportkoordinator tätig. Dafür hat die MT erstmals eine eigene Stelle geschaffen. Gemeinsam mit Nachwuchskoordinatorin Ivonne Hildebrand soll Keller vor allem die Qualität des Trainings von den Superminis bis zur D-Jugend weiterentwickeln und gleichzeitig noch mehr Kinder für die Sportart gewinnen.
Über das Spielfeld hinausreichende Werte erfahren
Bei der MT ist Keller unter anderem für die D1- und E2-Jugend hauptverantwortlich und arbeitet bei der E1 als Co-Trainer mit. Mit der D1 geht er in dieser Saison in der Bezirksoberliga an den Start – der höchsten Spielklasse in diesem Altersbereich.
Keller stammt ursprünglich aus Friedrichshafen am Bodensee und ist staatlich anerkannter Kindheitspädagoge. Seinen Bachelor absolvierte er in Weingarten-Ravensburg. Zuletzt war er als Kinderhandballkoordinator und Nachwuchstrainer bei den Mecklenburger Stieren Schwerin tätig.
„Mir ist wichtig, den Kindern Freude an dem zu vermitteln, was sie tun. Das gilt für den Handball, aber auch für den Umgang miteinander“, sagt Keller. Im Training gehe es deshalb nicht ausschließlich um Technik und sportliche Entwicklung. Die Kinder sollen auch Werte erfahren, die über das Spielfeld hinausreichen. Zuverlässigkeit, Fairness und Gerechtigkeit gehören für ihn ebenso dazu wie die Erfahrung, sich auf seine Mitspieler verlassen zu können.
Handball kommt in die Grundschulen
Ein wichtiger Bestandteil seiner neuen Aufgabe ist zudem der Aufbau und die Weiterentwicklung von Handball-AGs an Grundschulen in der Region. Erste Kooperationen sind bereits gestartet. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das klassische Vereinstraining, sondern das spielerische Kennenlernen von Bewegung und Ballsport.
„Die AG soll den Kindern die Möglichkeit geben, Handball einfach einmal auszuprobieren und herauszufinden, ob die Sportart etwas für sie ist“, erklärt Keller. Die Angebote finden direkt nach Schulschluss statt und sind Teil der jeweiligen Betreuungskonzepte der Schulen.
Orientiert am Kasseler Modell zur Ballsportvermittlung sammeln die Kinder Erfahrungen mit verschiedenen Spielen und Bällen und werden so Schritt für Schritt an den Handball herangeführt. Vorerfahrung ist ausdrücklich nicht erforderlich, denn ob in der Schul-AG oder beim Training der D-Jugend: Keller geht es letztlich um dasselbe Ziel. Kinder sollen sich bewegen, gemeinsam Sport treiben und dabei erleben, was Handball ausmacht. (Lucas Mertsching)