
Die zweite Auflage des MT-Talks „Melsungen trifft …“ hat sich um Nachwuchsförderung gedreht. Einig waren sich die Teilnehmenden vor allem in einem Punkt: Es fehlt an Geld und Infrastruktur.
Nach der Premiere im Winter hatte die MT Melsungen zum zweiten Mal zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Die Moderation übernahm wieder Buchautor und Journalist Frank Schneller, seine Gesprächspartner waren: Katja Köhler-Nachtnebel (Vizepräsidentin des Landessportbundes Hessen lsbh), Daniel Bettermann (Bundestagsabgeordneter und Vorstandsmitglied KSV Hessen), MT-Sportvorstand Jesper Larsson sowie Finn Lemke, Leiter Nachwuchs und Förderkader bei der MT. Fachkundig und unterhaltsam diskutierten sie über dieses Thema: „Talentförderung im Spannungsfeld zwischen Breiten- und Leistungssport“.
Wie bedeutend dieses Thema ist, zeigte sich auch am Besuch von Gregor von Opel, dem Präsidenten der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG), der zu den Zuhörern im MT MarkTplatz gehörte. Da die Gesprächsgäste aus verschiedenen Bereichen kamen, hatten sie teilweise ganz unterschiedliche Sichtweisen. Larsson gab als Schwede Einblicke aus seiner Heimat. Er berichtete, dass er dort als Jugendlicher zeitgleich Handball und Fußball spielte: „Das geht in Schweden hervorragend, weil Fußball nur im Sommer stattfindet.“ Die Erfahrung aus beiden Sportarten hätte ihm geholfen. Erst mit 20 habe er kapiert, dass er gut werden könne. Gesichtet wurde er nicht. Larsson wurde dennoch später ein Top-Torwart der Bundesliga.
Intensiv wurde darüber diskutiert, wie Jugendliche und Kinder gefördert werden können – gefördert werden müssen. Ein wesentlicher Aspekt, den Lemke beisteuerte, lautet so: „Du brauchst an der Basis die richtigen Trainer.“ Für Köhler-Nachtnebel ist es wichtig, Schule neu zu denken. Sie sprach sich für tägliche Bewegungsstunden aus und dass Schulen und Vereine im Ganztag zusammenarbeiten müssten. Sie nahm aber auch die Eltern in die Pflicht. „Wir müssen die Kinder wieder fitbekommen“, formulierte sie als Wunsch. Lemke sieht zudem große Verantwortung bei den Vereinen.
Ein Standpunkt, in dem sich alle einig waren: Ohne Breitensport kein Leistungssport. In dieser Hinsicht ging es auch um die Frage, wie der Nachwuchs den Sprung in die erste Mannschaft schafft. Larsson betonte, wie wichtig die Jugendarbeit sei. „Wir setzen bei der MT auf den Nachwuchs.“ Daniel Bettermann vom KSV schilderte, dass der Fußball-Regionalligist viele Talente verliere, weil sie mit 15 oder 16 Jahren von Leistungszentren höherklassiger Klubs abgeworben werden. „So ein Zentrum haben wir hier nicht.“ Lemke wiederum will Jugendliche neugierig machen, indem neue Wege gegangen und eigene Konzepte verfolgt werden, um sich von anderen Vereinen abzugrenzen.
Im Verlauf des Abends kamen die Fachleute auf offensichtliche Probleme zu sprechen. Angefangen mit maroden oder fehlenden Sportstätten, zudem fiel immer wieder das Stichwort Investitionsstau, und nicht zuletzt stelle der bürokratische Aufwand eine enorme Hürde dar. Bettermann berichtete etwa, wie kompliziert es gewesen sei, schlichte Umkleide-Container auf dem Trainingsgelände an den Kasseler Giesewiesen aufstellen zu lassen, weil das dortige Funktionsgebäude längst in die Jahre gekommen war. Aufgrund zahlreicher Auflagen habe die Umsetzung länger als ein Jahr gedauert: „Da stoßen Ehrenamtler und Vereine an ihre Grenzen.“
Was während der Diskussion deutlich wurde: Es herrscht ein Widerspruch. Auf der einen Seite wisse der Großteil der Gesellschaft, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche für Sport und Bewegung zu begeistern und herausragende Talente in ihrer Disziplin gezielt zu fördern. Auf der anderen Seite kranke das System an strukturellen Problemen – es herrsche ein großer Bedarf an adäquaten Angeboten und intakten Sportstätten. Und aus dieser Diskrepanz ergibt sich die Frage: Wie müssen wir uns als Gesellschaft bewegen?
Denn in einem weiteren Punkt herrschte ebenfalls Konsens, was Lemke etwa so ausdrückte: „Sport ist fantastisch. Er hat tolle Wirkungen, und wir müssen ihn erhalten.“ (RL)
Hintergrund
Mit der Talkrunde „Melsungen trifft…“ blickt die MT Melsungen über den Tellerrand hinaus. In unregelmäßigen Abständen lädt der nordhessische Handball-Bundesligist in den MarkTplatz in der Melsunger Innenstadt ein. Experten tauschen sich zu unterschiedlichen Themen aus. Die dritte Auflage ist bereits in Planung.
Fotos: Mertsching/MT2026



