
Sie waren zum Sieg beim Spitzenreiter verdammt – und holten ihn sich! Mit 34:30 (17:14) triumphierte die A-Jugend der MT Talents im Spitzenspiel der 2. Jugendhandball-Bundesliga Süd bei HT München und hält sich damit im Rennen um den Staffelsieg!
Das war der maximale Druck, den natürlich beide Kontrahenten, insbesondere jedoch die MT Talents, auszuhalten hatten. Und dass das beileibe kein Spiel wie jedes andere war, erkannte man unschwer direkt in der Anfangsphase. Beide Teams hochkonzentriert, mit dem Fokus vor allem auf der Defensive. Natürlich dadurch jeweils mit Fehlern drin, aber gerade deshalb hochspannend und intensiv geführt um jeden Zentimeter Raumgewinn.
Zu Beginn mit etwas mehr Konzentration bei den Nordhessen, die sofort durch den B-Jugendlichen Marlon Junge in Führung gingen, sie aber während einer frühen Zeitstrafe gegen Julian Kreile gleich wieder abgeben mussten. Ferdinand Birner verwandelte den fälligen Siebenmeter, derer noch viele folgen sollten, gegen Leon Rosenbusch zum 3:2 (5.). Eine erste Führung der Bayern, die sie bei komplett verteiltem Spiel durch ihren erfolgreichsten Torschützen auf 10:8 (19.) ausbauten.
München lebte bis dahin vom bis dahin fünfmal erfolgreichen Birner, die Melsunger von der starken Spielsteuerung Kreiles und Max Hermenaus. Die Außen Lian Kopeinigg und Stanley Lange waren erst einmal gut abgeschirmt, dafür sorgte der Rückraum mit den beiden Spielgestaltern und Philip Hornaff, der sich immer wieder zum Kreis stahl und dort gefunden wurde, in der gesamten Breite des Feldes für mächtig Betrieb. Verwirrend für die Gastgeber, deren 5:1-Deckung zwar die zweite Reihe ziemlich lahmlegte, aber keine Mittel fanden gegen den Spielwitz der drei kreativen Rückräumer, unterstützt von Junge.
Kreile explodierte dann regelrecht, machte praktisch im Alleingang aus einem 11:10 (Henry von Haniel, 22.) ein 12:13 (25.). Unglaublich was Melsungens Regisseur da auf die Platte zauberte. München für kurze Zeit konsterniert, was Kopeinigg und Jonas Lüder, der defensiv eine bärenstarke Partie im Innenblock ablieferte, sofort zur Erhöhung auf drei Tore Differenz nutzten. Die es dann auch bei Halbzeit noch waren.
Die ersten Fünf Minuten des zweiten Durchgangs ähnelten dem Spielbeginn. Beide Seiten nervös, einen Fehler im Angriff musste Kim Hüter gegen den allein vor ihm auftauchenden Robert Koller ausbügeln. Dank zweimal Birner und Viktor Steinel blieb die Hausherren bis zum 17:19 (35.) dran. Ehe das hervorragende Kleingruppenspiel Melsungens einmal mehr stach. Kreile auf Lüder, Lüder zieht die Lücke für Kreile auf, Kreile auf Hornaff am Kreis – alles wunderschön anzuschauende Tore. Und als München dachte, das haben wir jetzt dicht in der Mitte, traf Linksaußen Lange doppelt. Keine Chance für den Tabellenführer in dieser Phase, die MT Talents hatten auf alles eine Antwort parat und zogen hochverdient auf 17:24 (41.) weg.
Es wurde giftiger. Kollers überharter Einsatz gegen Kreile ließ die beiden sehr gut leitenden Dresdener Schiedsrichter miteinander diskutieren, aber sie beließen es bei zwei Minuten. Es sollte ihnen einige Arbeit bleiben, denn kurios wurde es auch noch. Erst musste Damian Deist für einen Kopftreffer gegen HT-Keeper William Musgrove runter, direkt im Gegenzug leistete sich von Haniel gegen Hüter das gleiche Vergehen und durfte ebenfalls Pause machen. Es kam leichte Hektik auf, die Birner zur 21:25-Annäherung (47.) nutzte.
Die MT Talents knickten aber nicht ein, sondern antworteten einmal mehr über Kreile und Hermenau im Duett, die fleißig zwischen Mitte und Halbrechts rochierten. Nach Kopeiniggs vergebenem Siebenmeter und Raphael Erbs 23:26 (52.) kam sogar nochmal ein Ansatz von Spannung auf. Den Melsungens Rechtsaußen, noch gewurmt durch seinen liegen gelassenen Strafwurf, per Doppelpack sofort wirkungslos machte. Dazwischen lag der dritte Kopftreffer des Tages mit anschließender Denkpause, diesmal von Maximilian Kopp von der Linie gegen Hüter.
Es war auch in der Schlussphase absolut nichts mehr drin für den Staffelprimus. Absolut überlegen, weil überlegt, das Spiel der Melsunger. Da schmiss sich Kreile wieder gegen zwei Abwehrspieler voll rein, legte unter harter Bedrängnis ab zu Hornaff, der täuschte einen Wurf nur an und gab stattdessen über die Schulter weiter an den völlig freien Lange – null Chance für den zurückgekehrten Frederik Rübel. Und so trudelte die Partie trotz zuletzt offener Manndeckung der Bayern aus, weil Hermenau und Kreile selbst dafür eine Lösung fanden: Augen zu und durch. Am Ende noch drei Tore des an diesem Tag genialen Duos bei doppelter Unterzahl wegen Strafen gegen Hornaff und Kopeinigg, das war die Krönung einer wahrlich grandiosen Vorstellung.
Statistik
HT München: Rübel (6 P. / 31 G.), Musgrove (1 P. / 3 G.); Steinl 7, Uzicanin 1, Gerlach, Birner 12/5, Milotzki, Volkmer, Kopp 2/2, Segura, Vasilyev, Koller 2, von Haniel 4, Erb 2 – Trainer Robert Hofmann.
MT Talents: Rosenbusch (4 Paraden / 11 Gegentore), Hüter (9 P. / 18 G.), Saueressig (bei zwei Siebenmetern, 1 P. / 1 G.); Deist, Lange 5, Peter, Lüder 3, Ley 1, Kreile 7, Kremser, Kopeinigg 6/3, Hermenau 5, Hillwig, Junge 1, N. Hüter, Hornaff 6 – Trainer Georgi Sviridenko.
Schiedsrichter: Aurelius Reich / Nils Speck (Dresden / Dresden) - Zeitstrafen 6 : 8 Minuten – Strafwürfe 11/7 : 4/3 - Zuschauer: 241.
Verlauf: 0:1 (1.), 3:2 (5.), 4:4 (11.), 8:6 (17.), 12:11 (23.), 12:15 (27.), 14:17 (Halbzeit) – 17:19 (35.), 17:24 (41.), 21:25 (47.), 23:26 (52.), 25:30 (56.), 28:32 (59.), 30:34 (Ende).