
Die MT Melsungen darf weiter von der Hauptrunde in der EHF Champions League träumen. Dank eines 28:26 (15:14)-Sieges gegen Orlen Wisla Plock hat der nordhessische Handball-Bundesligist das Weiterkommen nun in eigener Hand.
Welch großartiger Champions-League-Abend! 4.174 Zuschauer in der Kasseler Rothenbach-Halle – Rekord bei einem Heimspiel auf internationaler Bühne. Und nach einem beherzten Auftritt gegen Orlen Wisla Plock hat die MT Melsungen einen 28:26 (15:14)-Sieg gefeiert. Was bedeutet, dass die Mannschaft von Trainer Roberto Garcia Parrondo auch beim direkten Vergleich mit dem polnischen Klub die Nase vorn hat.
Dass an diesem Donnerstagabend viel auf dem Spiel stand, war sofort zu erkennen. Die Teams klappten die Visiere hoch – und ab ging’s. Wild verlief die Anfangsphase: Zwei Minuten gegen Olle Forsell Schefvert, zwei Fouls gegen MT-Angreifer, die polnischen Gäste nutzten eiskalt ihre Chancen und führten nach fünf Minuten 3:1. Ansonsten: Viel Kampf, die Kontrahenten schenkten sich nichts.
Eine gute Viertelstunde lang legte die Mannschaft aus Plock vor, die Nordhessen zogen nach. Als Dani Dujshebaev ins verwaiste Wisla-Tor zum 8:7 traf (19. Minute), ging die MT erstmals seit dem 1:0 wieder in Führung. Fortan waren es die Gastgeber, die den Gegner in Zugzwang brachten. Aaron Mensing und der glänzend aufgelegte Erik Balenciaga stellten auf 10:8 (21.) beziehungsweise 11:9 (23.). Die MT, die auf den am Zeh verletzten Nikolaj Enderleit verzichten musste, war mehrmals dicht dran, den Vorsprung sogar auf drei Treffer zu erhöhen, ließ aber die Chancen ungenutzt. Beim Stand von 15:14 verabschiedeten sich die Mannschaften in die Kabinen.
Nach dem Wechsel blieb es ein offener Schlagabtausch. Die MT ging nach Treffern von Balenciaga und Mensing zwar mit drei Toren in Führung, zum Beispiel beim 21:18 (40.), aber Plock ließ sich nicht abschütteln. Die Deckung der Nordhessen musste Schwerstarbeit verrichten. Auf der anderen Seite machten die Polen der MT-Offensive das Leben ebenfalls nicht einfacher. Das war intensiver und energiegeladener Handball. Die prächtige Stimmung auf den Rängen trug obendrein zur tollen Königsklassen-Atmosphäre bei.
Nach einem verwandelten Siebenmeter durch Melvyn Richardson zum 23:22 stellten die Gäste den Anschluss wieder her (47.). Für die Schlussphase bahnte sich ein Krimi an. Und dann kam Mensings Knaller zum 25:23 (52.), danach die Parade von Nebojsa Simic und schließlich das 26:23 durch Dariel Garcia (53.) – puh! War’s das? Nein. Denn Simic war direkt wieder zur Stelle, was die Rothenbach-Halle endgültig in einen Hexenkessel verwandelte.
Zur Erinnerung: Um den direkten Vergleich mit Plock für sich zu entscheiden, musste der Bundesligist mindestens mit zwei Toren gewinnen. Gut, dass auf den MT-Schlussmann Verlass war. Wahnsinn, wie der Montenegriner auch noch Michal Daszek spektakulär entzauberte. Für das, was die MT nun bot, gibt es den Begriff Abwehrschlacht. Und vorn, da traf Reynir Thor Stefansson zum 28:25 (60.). Die Entscheidung. Dass Sergei Mark Kosorotov den letzten Treffer des Abends erzielte – geschenkt.
Die MT-Fans sangen „O, wie ist das schön“. Aber auch die zahlreichen polnischen Fans feierten ihre Mannschaft. Die Entscheidung in der Gruppe B über den Einzug in die Hauptrunde fällt nun in der kommenden Woche. (RL)
Statistik
MT Melsungen: Simic (12 Paraden / 26 Gegentore), Palasics (n.e.); Marchan, Balenciaga 6, Mandic 3, Sipos, Ignatow, Stehl, Golla 1, Drosten 3/3, Stefansson 5, Dujshebaev 2, Forsell Schefvert, Sigrist, Garcia 2, Mensing 6 – Trainer Roberto Garcia Parrondo.
Orlen Wisla Plock: Vujovic (8 Paraden / 27 Gegentore), Alilovic (0 P. / 1 G. bei einem Siebenmeter); Daszek 3, Janc 3, Serdio 3, Susnja, Rey Morales 1, Szita 2, Richardson 1/1, Zarabec, Fazekas 3, Krajewski, Dawydzik, Ilic 2, Bjerre 4/3, Kosorotov 4 – Trainer Xavier Sabate.
Schiedsrichter: Bojan Lah / David Sok (Slowenien); EHF-Delegierter: Alin-Sergiu Cirligeanu (Rumänien).
Zeitstrafen: 10 – 12 Minuten (Forsell Schefvert 1:48/19:49, Stefansson 35:58/59:31, Mandic 49:43 – Susnja 12:08/19:22/47:22, Kosorotov 17:13, Serdio 30:00, Krajewski 50:48); Disqualifikation: Susnja (3 Zeitstrafen)
Strafwürfe: 5/3 – 6/4 (Drosten an den Pfosten 14:49, Vujovic hält Wurf von Drosten 15:57 – Simic pariert gegen Bjerre 9:03, Bjerre scheitert wieder an Simic 36:03)
Zuschauer: 4.174 in der Rothenbach-Halle, Kassel
Spielstände: 1:0 (2.), 3:3 (7.), 7:7 (18.), 10:8 (21.), 14:12 (27.), 15:14 (30.) HZ – 19:16 (37.), 21:20 (42.), 24:23 (51.), 27:24 (56.), 28:26 (60.) Endstand.