Bundesliga / 20.09.2026

Bärenstarke MT zieht dem Meister den Zahn

Hoch hinaus: Aaron Mensing bei einem seiner unnachahmlichen Krachern aus dem Rückraum. (Foto: Kohlhausen/MT)

Die MT Melsungen hat am 5. Spieltag der Opel Handball-Bundesliga einen Coup gelandet. Die Nordhessen bezwangen den SC Magdeburg 37:34 (19:14).

Bärenstarker Auftritt der MT Melsungen: Die Mannschaft von Trainer Roberto Garcia Parrondo feierte vor 4.118 Zuschauern einen 37:34 (19:14)-Sieg gegen den SC Magdeburg. Die Kasseler Rothenbach-Halle glich phasenweise einem Hexenkessel. 

Den besseren Start erwischten eindeutig die Gastgeber, die ohne einen Linkshänder im Rückraum, aber dafür mit einem Affenzahn loslegten. Nach knapp fünf Minuten traf Dimitri Ignatow, der am Sonntag sein 200. Bundesliga-Spiel bestritt, zur 5:1-Führung der MT. Das war großes Kino, was das Parrondo-Team auf die Platte zauberte.

Die Deckung der Nordhessen machte dem Deutschen Meister das Leben extrem schwer. Und vorn, da trat die MT nicht nur effizient, sondern auch sehr variabel auf. Ob Johannes Golla vom Kreis, Aaron Mensing aus der Distanz oder Reynir Thor Stefansson, der den am Fuß verletzten Dainis Kristopans prima im rechten Rückraum vertrat, per ansatzlosem Schlagwurf zum 8:4 (11. Minute) – das war kaum auszurechnen und Grund genug für SCM-Trainer Bennet Wiegert, den Auszeit-Buzzer zu drücken.

Wesentlich besser wurde es für seine Mannschaft danach aber nicht. Im Gegenteil. Die MT baute ihren Vorsprung nach David Mandics Treffer zum 15:8 (24.) sogar auf sieben Tore aus. Bei Magdeburg traf in der Schlussphase der ersten Hälfte eigentlich nur noch Felix Claar. Zum Vergleich: Fünf verschiedene Torschützen hatte der SCM im ersten Durchgang, bei der MT waren es derer zehn. Völlig verdient gingen die Nordhessen mit einer 19:14-Führung in die Kabine. 

Wer nun geglaubt hat, der Favorit aus Sachsen-Anhalt würde eine Aufholjagd starten – denkste! Die Hausherren blieben am Drücker. Sie zogen den Magdeburgern regelrecht den Zahn. Zumal MT-Keeper Nebojsa Simic ebenfalls zum Faktor wurde. Wahnsinn seine Doppelparade in der 37. Minute. Seine Vorderleute leisteten ohnehin beeindruckende Arbeit. 

Und die Offensive wirbelte weiter, dass sich der eine oder andere MT-Fan womöglich die Augen reiben musste. Mensing bediente Golla zweimal mustergültig, der zum 25:19 und dann zum 26:20 verwandelte (40.). Danach demonstrierte Mensing selbst mehrfach, welchen Wumms er im Arm hat – mit seinem sechsten Treffer erhöhte er auf 32:24 (48.), was die ohnehin schon prächtige Stimmung zusätzlich steigerte. 

Spätestens nach Ignatows Tor zum 34:25 (51.) dürfte auch der letzte Zweifler realisiert haben: Ja, die MT hat den Deutschen Meister nicht nur bezwungen, sondern phasenweise sogar vorgeführt. Dass der am Ende noch ein bisschen Ergebniskosmetik betrieb – geschenkt. An dem bärenstarken Auftritt der MT änderte das nichts. Der bestens aufgelegte Erik Balenciaga machte mit seinem achten Tor zum 36:32 (58.) endgültig den Deckel drauf. Und die MT-Fans sangen: Oh, wie ist das schön. 

Groß feiern ist aber nicht. Bereits am Dienstag empfängt die MT die Rhein-Neckar Löwen zur zweiten Pokalrunde in der Rothenbach-Halle. Anwurf ist um 19 Uhr. Tickets gibt es online im MT-Ticketshop und in den bekannten Vorverkaufsstellen. (RL)

Stimmen

Bennet Wiegert: Die MT war uns heute in vielen Bereichen überlegen und hat somit auch verdient gewonnen. Den größten Unterschied hat die Anzahl unserer technischen Fehler ausgemacht, weswegen Melsungen hier ohne etatmäßigen rechten Rückraumspieler so dominant auftreten konnte. Wir sind zu oft in Kontersituationen geraten, was uns hier von Anfang bis Ende das Spiel gekostet hat. 

Roberto Garcia Parrondo: Ein Spiel gegen Magdeburg, eine der besten Mannschaften der Welt, ist immer sehr kompliziert, und man muss alles perfekt machen. Wir haben heute mit einer extremen Energie gespielt in einer tollen Atmosphäre in der Rothenbach-Halle. Natürlich ist die Situation ohne Dainis Kristopans momentan für uns nicht einfach, aber ich möchte mich bei allen meinen Spielern bedanken. Jeder von ihnen war heute ein Faktor für diesen Sieg. 

Statistik

MT Melsungen: Simic (8 Paraden / 33 Gegentore), Palasics (1 P. / 1 G. bei 3 Siebenmetern); Marchan, Balenciaga 8, Mandic 3, Sipos 1, Ignatow 3, Stehl, Golla 7, Drosten 4/4, Stefansson 3, Dujshebaev, Forsell Schefvert 1, Sigrist, Garcia 1, Mensing 6 – Trainer Roberto Garcia Parrondo.

SC Magdeburg: Kuzmanovic (7 Paraden / 17 Gegentore), Mandic (4 P. / 20 G.); Musche 5/2, Claar 11, Vind 7, Kristjansson 7, Pettersson, Magnusson 3/1, Serradilla, Jonsson, Weber, Lagergren, Mertens, Saugstrup 1, Bergendahl – Trainer Bennet Wiegert.

Schiedsrichterinnen: Tanja Kuttler (Ostrach) / Maike Merz (Oberteuringen). Spielaufsicht: Thorsten Zacharias.

Zeitstrafen: 8 – 6 Minuten (Garcia 7:13/29:55, Mandic 41:58, Stefansson 53:39 – Claar 21:46, Wiegert 37:16, Saugstrup 48:55)

Strafwürfe: 4/4 – 5/3 (Musche an die Latte 16:57, Palasics pariert gegen Musche 19:41)

Zuschauer: 4.118 in der Rothenbach-Halle, Kassel 

Spielstände: 1:0 (2.), 5:1 (5.), 9:4 (12.), 12:7 (19.), 15:8 (24.), 17:12 (28.), 19:14 (30.) HZ – 20:17 (34.), 24:18 (37.), 29:22 (45.), 34:25 (51.), 35:31 (57.), 37:34 (60.) Endstand. 

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