
Mit einer ganz starken Willensleistung erkämpfte sich die MT Melsungen 2 bei der HSG Rodgau Nieder-Roden mit 35:35 (16:19) einen ganz wichtigen Punkt im Kampf um den Klassenerhalt.
Musste dabei nach zwei Disqualifikationen bei deutlicher Führung den Vorteil herschenken und biss sich in den letzten fünf Minuten eindrucksvoll durch. Ein Big-Point genau eine Woche vor den wichtigen Heimspiel gegen die SGSH Dragons.
Mit einem klassischen Fehlstart begannen die Melsunger erst einmal die Partie. Knapp mehr als zweieinhalb Minuten waren gespielt, da hatte Sam Hoddersen per Tempogegenstoß bereits zum 3:0 getroffen. Es waren einfach zu viele Flüchtigkeitsfehler im Aufbau drin. Mal zu tiefes Zuspiel, mal einfach verdribbelt, jeweils klassische Einladungen zum Konter. Und die beherrscht kaum jemand so wie Hoddersen: Das 7:3 (9.) war schon sein vierter.
An der Abwehr lag es also nicht, und das wurde auch schnell klar, als sich die Fehlerquote im Vorwärtsgang nach unten bewegte. Denn Ballgewinne gab es hinten genug, so dass bei sauberer Ausnutzung der Effekt nicht ausblieb. Kevin Trogisch glich zum 8:8 (13.) aus, gerade als Trainer Florian Weiß begonnen hatte durchzuwechseln. Im Rückraum kamen noch Jonas Riecke an alter Wirkungsstätte und Julian Kreile.
Gerade der A-Jugendliche brachte dabei die entscheidenden Impulse. Seine Quirligkeit sorgte für Alarm in Rodgaus Deckung, seine Pässe auf Bruno Eickhoff waren mitunter schlicht genial. Das zum 11:11 (20.) no-look gegen den Lauf über Kopf zum schräg hinter ihm stehenden Kreisläufer war an Frechheit kaum zu überbieten.
Und es zeigte Wirkung beim Gegner, denn Eickhoff legte gleich noch einen zur ersten rot-weißen Führung nach. Noch zweimal funktionierte dieses kongeniale Zusammenspiel, Rodgaus Lasse Georgi sah für seinen rüden Einstieg bei Kreiles 16:18 glatt Rot und auch Benni Fitozovic legte noch einen zur mittlerweile hochverdienten Gästeführung nach.
Ihren kleinen Höhenflug setzten die Melsunger nach Wiederbeginn erst einmal fort. Trogisch traf ein-, Eickhoff gleich dreimal zum 18:23 (35.). Es sah richtig gut aus, bis Max Pregler unglücklich Nick Weiland in die Parade fuhr. Statt Zeitstrafe auch hier glatt Rot (37.) und als Eickhoff nach klarer Behinderung keinen Pfiff bekam und sich beschwerte, war die Zeitstrafe bei ihm fällig. Es war seine dritte, also binnen dreieinhalb Minuten die zweite Disqualifikation gegen die Gäste. Rodgau bedankte sich und vollendete einen 5:0-Lauf zum 23:23 (43.).
Die Partie blieb trotz Ausfalls zweier Abwehr-Strategen offen für die MT 2. Mit Philipp Hornaff kam der nächste A-Jugendliche, nach kurzem Abwehr-Einsatz zuvor, dauerhafter rein. Es brauchte ein wenig, bis die gerade im Defensivbereich die Abstimmung komplett wieder da war. Mit Jonas Riecke und Leander Altena spielten zeitweise zwei Linkshänder im Rückraum, sorgten damit auch vorn für neue Aufgaben bei der HSG. Sie machten ihre Sache gut, konnten aber den neuerlichen Rückstand nicht verhindern. Hoddersen, bis dahin im zweiten Durchgang gut unter Kontrolle, machte das 26:25 und auch das 28:26 (50.).
Das Spiel also wieder zu Gunsten der Gastgeber gedreht, obwohl sich die MT 2 komplett auf Augenhöhe bewegte. Nach Rieckes 30:29 (53.), seinem ersten Tor des Tages, zogen die Rogauer durch Simon Brandt sogar auf 32:29 (55.) davon. Die Entscheidung? Natürlich nicht! Der für Hüter gekommene Jannick Büde hielt seinen ersten Ball, mit Riecke und Altena trafen die Linksschützen zum Anschluss. Wieder Brandt dachte nach seinem 35:33 mit nur noch knapp mehr als einer Minute auf der Uhr an den nahen Sieg, täuschte sich aber. Weil erst Ricke seine bärenstarken letzten zehn Minuten krönte, Büde noch einmal aus kürzester Distanz parierte und mit Hornaff der jüngste Spieler auf dem Feld die Verantwortung für den finalen Wurf in allerletzter Sekunde nahm – und traf!
Statistik
HSG Rodgau/Nieder-Roden: Becker (12 Paraden / 35 Gegentore), Höpffner (n. e.); Wucherpfennig 1, von der Au 5, Wunderlich 1, Haus 1, Stenger 4, Georgi, Weiland 5, Hassler 1, Markert, Hoddersen 12/4, Planken, Brandt 5, Zelser, Klein – Trainer Oliver Weiland.
MT Melsungen 2: Hüter (5 P. / 28 G.), Büde (2 P. / 7 G.); Riecke 4/1, Altena 3, Reinbold 2, Kreile 2, König 3, Fitozovic 2, Hornaff 2, Pregler 1, Wilfer 1, Trogisch 6/1, Andrei, Duketis, Eickhoff 9, Atting – Trainer Florian Weiß.
Schiedsrichter: Timo Bernhardt / Philipp Peiser (Ludwigshafen / Burgalben) – Zeitstrafen 4 : 12 Minuten – Disqualifikation: Georgi (HSG, Foul 30.), Pregler (MT, Foul 37.), Eickhoff (MT, 41. 3x2 Min.) - Strafwürfe 4/4 : 2/2 - Zuschauer: 430.
Verlauf: 3:0 (3.), 7:3 (9.), 8:8 (13.), 11:9 (17.), 11:12 (21.), 15:14 (24.), 15:17 (28.), 16:19 (Halbzeit) – 18:23 (35.), 23:23 (43.), 26:25 (46.), 28:26 (50.), 32:29 (55.), 34:32 (58.), 35:35 (Ende).