
Nach der European League ist vor der 3. Liga Süd-West: Für das Spiel der MT Melsungen 2 am Samstag gegen den Longericher SC Köln (19 Uhr, Stadtsporthalle Melsungen) muss die halbe Mannschaft wieder umschalten auf normalen Ligabetrieb.
„Kein Problem“, sagt Jonathan Atting. Er war einer von acht Spielern der MT 2, die aufgrund der angespannten Personalsituation unter der Woche im Profiteam aushelfen mussten. Am vergangenen Sonntag ging es für Bruno Eickhoff, Jonas Riecke, Pawel Krawczyk, Leander Altena, Max Pregler, Jason Wilfer, Lino Duketis und eben Atting deshalb nach Skopje in Nordmazedonien zum Europapokal-Einsatz. „Das war ein krasses Erlebnis. Vor allem gegen so eine gute Mannschaft wie Vardar. Es war cool, dort in dieser Halle bei so einer Stimmung mitspielen zu dürfen“, sagt der junge Schwede, der ebenso wie Pregler, Altena und Duketis sein erstes internationales Pflichtspiel für die MT Melsungen absolvierte. Es seien Erinnerungen, die er nie vergessen werde.
Von allen Seiten Lob gab es Lob für den engagierten und ambitionierten Auftritt gerade der jungen Garde um Routinier Pregler. „Das hat uns gut getan, uns jungen Spielern genauso wie Max. Das entwickelt dich handballerisch und vor allem mental enorm weiter“, sagt Atting, der auch die etwas andere Vorbereitung und die ungewohnte taktische Einstellung unter Trainer Roberto Garcia Parrondo in sich aufsog. Dass kein Sieg heraussprang, fand er ärgerlich, aber erklärbar bei so vielen Drittliga-Akteuren gegen eine erfahrene Mannschaft.
Viel wichtiger war für den 19-Jährigen die Erkenntnis, dass es einer vollkommenen Lockerheit geschuldet gewesen sei, dass sie so ordentlich abgeliefert haben. Ohne großen Druck, ohne Angst vor Fehlern, weil die Erwartungshaltung angesichts der Unterschiede im alltäglichen Handballgeschäft eine völlig andere war. Und das, findet Atting, müssen sie alle mit in den Drittliga-Wettkampf nehmen: Locker bleiben, einfach Spaß am Handballspiel haben – gerade wenn da eine nominell stärkere Mannschaft auf der anderen Seite steht.
Longerich scheint da genau der richtige Gradmesser zu sein: in der Tabelle sicher im oberen Mittelfeld angesiedelt, das Hinspiel klar gewonnen, mit dem drittbesten Angriff der Liga ausgestattet, seit fünf Spielen ungeschlagen. Perfekt, um die gewonnenen Erkenntnisse und gemachten Erfahrungen aus Skopje direkt anzuwenden. Dass die zusätzlichen Strapazen im Vorfeld Einfluss nehmen, ist eher unwahrscheinlich. „Seit Mittwochabend sind wir zurück, am Donnerstagmorgen war der Körper noch etwas müde, aber bis Samstag ist alles wieder im Lot“, verspricht Atting.
Zusätzliche Brisanz gewinnt die Partie gegen den LSC Köln dadurch, dass die SGSH Dragons im Tabellenkeller zuletzt überraschend gepunktet haben. Die Distanz auf den ersten Nichtabstiegsplatz, den punktgleich mit der MT 2 derzeit Friesenheim-Hochdorf belegt, ist binnen weniger Tage um drei auf nur noch vier Zähler geschrumpft. Doch da setzt sich die Skopje-Lockerheit prompt durch beim Melsunger Rückraum-Wirbelwind: „Es war uns klar, dass diese erfahrene Drittliga-Mannschaft gerade zum Ende hin Punkte holen wird, das macht uns nicht nervös. Wir schauen nur auf uns und unser Spiel“, sagt Atting ruhig. Keine Frage, das Abenteuer European League hat der MT 2 auch in Sachen Selbstvertrauen gut getan.
Die Partie der MT Melsungen 2 gegen den Longericher SC Köln wird am Samstag ab 19 Uhr live im Internet auf der Plattform von Sporteurope.TV übertragen. (Michael Koch)