
Rund um den Triumph der MT Melsungen in der EHF European League gibt es die eine oder andere Anekdote. Eine handelt von Finn Lemke und einer Anreise, die nicht ganz ohne war.
Am Ende war er da. Pünktlich zum Finale. Er saß auf der Bank in der Hamburger Barclays-Arena. Beim größten Erfolg in der Geschichte der MT Melsungen. Gemeint ist Finn Lemke und gemeint ist der Gewinn der European League. Aufreibend war dieses letzte Mai-Wochenende für alle Beteiligten, für Finn Lemke aber besonders.
Und das kam so… Der 34 Jahre alte Ex-Profi gehörte nämlich nicht nur zum Trainerstab von Roberto Garcia Parrondo, sondern er unterstützt zudem Max Pregler, der die B-Jugend der MT Talents verantwortet. Und wie das bei wichtigen Ereignissen häufig vorkommt – sie fallen auf dasselbe Datum. In Lemkes Fall betraf das das Halbfinale der MT-Profis am Samstag gegen die SG Flensburg-Handewitt.
Am selben Tag spielten die Talents in Hanau, um sich auf regionaler Ebene für die Jugendhandball-Bundesliga der Saison 2026/27 zu qualifizieren. „Mir war es extrem wichtig, bei der B-Jugend dabei zu sein“, sagt Lemke rückblickend. Gleichwohl tat es schon ein bisschen weh, das Halbfinale der Profis zu verpassen, wie er zugibt. Aber er wusste: Ich fahre so oder so noch nach Hamburg – sei es zum kleinen oder zum großen Finale.
Also: Samstagmorgen um 7 Uhr ging es für Lemke los Richtung Hanau, dort belegten die Talents den zweiten Platz, erreichten damit das Minimalziel und sicherten sich einen Platz für das deutschlandweite Quali-Turnier. Anschließend brachte Lemke die Jungs wieder nach Hause – da war es bereits etwa 21 Uhr. Ins eigene Auto umgestiegen, Parrondos Neffen Marcos mit eingepackt, der hatte für die B-Jugend gespielt, und ab nach Hamburg, Ankunft irgendwann nach Mitternacht. Puh.
Damit aber nicht genug: Eigentlich sollte der Co-Trainer ein Zimmer im Teamhotel beziehen. Lemke drückt es im Nachgang diplomatisch aus: „Irgendetwas muss bei der Buchung schiefgegangen sein.“ Heißt: Es gab kein Zimmer für ihn im Teamhotel. Mit der Hilfe von Sportvorstand Jesper Larsson hat der Europameister von 2016 dann aber doch noch ein Bettchen in der Nähe gefunden.
Am Sonntag erschien Lemke pünktlich zum Mannschaftsfrühstück, die wenigen verbliebenen Stunden der Nacht hatte er genutzt, um das Halbfinale des Endspielgegners zu sichten. Und nach der Stärkung am Morgen ging er mit Parrondo und dem Trainerstab in die Planung fürs Finale gegen den THW Kiel.
Müdigkeit? Erschöpfung? Nicht die Bohne. „Du bist so euphorisch und voller Adrenalin. Das hält dich wach.“ Und überhaupt: Der wilde Ritt am Samstag hatte sich gelohnt. Erst die B-Jugend unterstützt, die dann zwei Wochen später die Bundesliga-Quali endgültig eingetütet hat. Und am Sonntag den ersten Titel mit den MT-Profis gefeiert. Lemkes Fazit: „Geiles Wochenende!“ (Robin Lipke)