
Am dritten Spieltag der 2. Liga Staffel Süd der Jugendhandball-Bundesliga empfängt die A-Jugend der MT Talents die SG BBM Bietigheim in der Kreissporthalle Guxhagen. Anwurf ist am Sonntag um 14.15 Uhr.
Als junger Handballer in Göttingen leben und den Traum von Handball-Profi zu träumen ist nicht einfach. Denn rund um die Studentenstadt mangelt es an Vereinen, die schon im Jugendbereich so hochklassig spielen, dass bestmögliche Entwicklung garantiert werden kann. Also zog es Lennox Reichardt, der genau diesen Traum ebenso selbstbewusst wie ernsthaft verfolgt, nach Braunschweig. Erst per Zweitspielrecht in der B-Jugend-Bundesliga, dann für ein Jahr sogar fest. Das aber war gleichbedeutend mit regelmäßig dreimal pro Woche pendeln via ICE. Nicht so erquickend, gerade in diesem Alter.
Mit dem Wechsel in die A-Jugend sollte die von ihm selbst gewählte Anforderung den nächsten Schritt in Richtung Profikarriere gehen. „Ich habe selbst den Kontakt zu Jugendkoordinatorin Ivonne Hildebrand und dem Trainerteam der MT Talents gesucht“, sagt der immer noch erst 16-Jährige. Die Entfernung nach Melsungen ist nun zwar nicht ganz so groß wie nach Braunschweig, doch ICE-Anbindung? Fehlanzeige. Was die logische Konsequenz einer frühen Abnabelung von Heimat und vor allem seiner Familie nach sich zog. Der gilt deshalb seine besondere Wertschätzung: „Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich voll unterstützen beim Ziel, Bundesliga-Profi zu werden.“
Ja, richtig gelesen: „Ich bin komplett umgezogen. Melsungen ist jetzt für mich zur zweiten Heimat geworden, mit eigener kleiner Wohnung und viel eigener Verantwortung. An der ich aber als Mensch auch wachsen kann“, lacht der Neu-Nordhesse. Der Kontakt zu seinen Mannschaftskameraden sei täglich da. Sie haben ihm den Wechsel, den Umzug und das Eingewöhnen sehr leicht gemacht, sagt er. Entgegen kommt ihm auch die Verbindung der MT Melsungen zu den weiterführenden Schulen vor Ort: Am Geschwister-Scholl-Gymnasium arbeitet er nun parallel zum Sport an seinem Abi. Der Sport steht zwar im Mittelpunkt der Zukunftsplanung. Doch sollte das nicht so klappen wie erwünscht, möchte der Ex-Göttinger später im Bereich Immobilien tätig werden.
Sportlich sei mit einem Sieg und einer Niederlage das große Ziel Erstliga-Aufstieg mit den MT Talents erst einmal nicht in Frage gestellt, analysiert der Spielmacher. Denn sowohl der Wille als auch die grundsätzliche Qualität dafür sei durch den grandiosen Auftaktsieg seiner Mannschaft eindeutig nachgewiesen, die Bodenhaftung nach der darauffolgenden Pforzheim-Ernüchterung wieder hergestellt. Außerdem wisse man jetzt konkret, woran noch zu arbeiten sei für jenen „maximalen Erfolg“, den Lennox anstrebt.
Ein Baustein auf dem Weg dahin ist sicher sein Verständnis mit Max Hermenau, seinem nominellen Positions-Mitstreiter als Regisseur. „Wir verstehen uns sowohl menschlich als auch auf der Platte sehr gut“, sagt Lennox. Die unterschiedlichen Spielweisen seien ein Plus. Hermenaus großer Zug zum Tor eröffne ihm bei gleichzeitigem Wirken neue Möglichkeiten zu eigenen Würfen. Und solo nutze er sowohl gern seine eigenes, etwas anders, Eins-gegen-eins und versuche so auch seine Mitspieler in Abschlusssituationen zu bekommen. Die Konstellation an sich könne zu einem echten taktischen Mittel werden, brauche aber „noch etwas Zeit, um Abstimmung und Laufwege zu verbessern“. Wie weit diese Entwicklung bereits gediehen ist, wird sich schon am Sonntag gegen Bietigheim zeigen. (Michael Koch)