Bundesliga / 28.07.2026

Partnerschaften und Profi-Karriere

Ein Moment für die Erinnerung: MT-Torhüter Kristof Palasics und Partnerin Veronika Djokic feiern den Gewinn der EHF European League. (Foto: Käsler/MT)

Termine, Emotionen, Handball: Wie gelingt eine Partnerschaft im Profisport? Zwei Paare aus dem Umfeld der MT Melsungen berichten von ihrem Alltag.

Seit der vergangenen Saison spielen das Rückraum-Talent Reynir Thor Stefansson und Torhüter Kristof Palasics für die MT Melsungen. Gemeinsam gewannen sie im Mai die EHF European League. Was viele nicht wissen: Beide Handballer haben eine nicht weniger erfolgreiche Profisportlerin an ihrer Seite, die in ihren Wettbewerben für Aufsehen sorgen. 

Reynir und dessen Freundin Alfa Bra Oddsdottir Hagalin lernten sich 2020 bei einem Handball-Jugendturnier in Island kennen. Schnell stand für den jungen Spielmacher und die Abwehrstrategin fest: Das passt. Während Reynir im Sommer 2025 nach Nordhessen zur MT wechselte, gelang Alfa als Spielerin der isländischen Frauen-Nationalmannschaft der große Durchbruch. Bei der Weltmeisterschaft 2025 in Deutschland und den Niederlanden stach sie den Scouts des Thüringer HC ins Auge, der die 21-Jährige zur Saison 2026/27 unter Vertrag nahm. Kürzlich haben die beiden Isländer eine Wohnung zwischen Melsungen und Erfurt bezogen. 

Auch die Beziehung von Kristof, den bei der MT alle nur „Pala“ nennen, und Partnerin Veronika Djokic ist maßgeblich geprägt von der geteilten Begeisterung für den Teamsport. Der ungarische Schlussmann und die serbische Volleyballerin trafen 2024 in Portugal aufeinander, als beide noch im Trikot von Benfica Lissabon aufliefen. Seit diesem Sommer ist Veronika zurück in Deutschland und spielt für Bundesligist Ladies in Black Aachen. 

Gemeinsame Auszeiten genießen

„Natürlich sind die Sommerpausen für Profisportler kürzer, insbesondere wegen der langen Spielzeiten“, sagt Pala. Trotzdem finden er und Veronika Zeit für gemeinsame Erlebnisse. In diesem Sommer verbrachten sie zwei Wochen auf Bali, inklusive Verlobung unter Palmen. „Gerade die Treffen mit den Menschen, die während der Saison vielleicht zu kurz kommen, haben für uns einen hohen Stellenwert“, erklärt Veronika. Lissabon bleibt für sie bis heute ein besonderer Ort, an den beide gern zurückkehren. 

Ein festes Lieblingsurlaubsziel haben Alfa und Reynir hingegen nicht: „Wir reisen gern, entdecken neue Dinge und lernen andere Orte kennen“, sagt Alfa. Nach einigen sonnigen Tagen auf Malta besuchten sie Familien und Freunde auf Island. „Da wir beide Handball spielen, haben wir meistens gleichzeitig Sommerpause und etwa einen Monat um zusammen zu reisen“, sagt der MT-Rückraumakteur, der im Team den Spitznamen „Reiner“ trägt. 

Zwischen Handball und Fernbeziehung

Der Handball prägt auch die Beziehung der beiden Isländer, denn ihre Wochenpläne haben es in sich. Sowohl Reynir als auch Alfa studieren neben dem Sport, darüber hinaus noch die Fernbeziehung – das sorgt für eine zusätzliche Herausforderung. „Aber da Alfa nun auch nach Deutschland gezogen ist, sehen wir uns wieder viel öfter“, sagt Reynir. 

Was vor allem im Fokus steht? Flexibilität – gerade bei Veronika und Pala. „Im vergangenen Jahr hatten wir eine Fernbeziehung zwischen Lissabon und Melsungen. Aber wir haben versucht, unsere Zeitpläne anzupassen und das Beste daraus zu machen“, sagt die 24-jährige Mittelblock-Spielerin. Das habe viel Mühe gekostet, aber sich jedes Mal gelohnt. 

Der Ehrgeiz verbindet

Als Pala und die MT im Mai bei den EHF Finals um den Pokal kämpften, unterstützte Veronika ihren Partner von den Rängen in der Barclays Arena. Sie selbst hat 2025 mit Benfica Lissabon die portugiesische Volleyball-Meisterschaft gefeiert – Momente, die bis heute besonders im Gedächtnis bleiben. „Wir investieren sehr viel in unseren Beruf. Je höher das Niveau, desto größer der Druck. Am Ende versuchen wir aber, unseren Sport zu genießen“, sagt Pala. Auf dem Spielfeld bewahren beide einen kühlen Kopf. Zu Hause darf es dagegen auch mal emotional werden: Bei einer Partie Uno kommt stets die wettkampforientierte Seite des jeweils anderen zum Vorschein. 

Auch Alfa und Reynir unterstützen sich, wann immer es möglich ist. Als Reynir mit seinem Jugendclub Fram Reykjavik die isländische Meisterschaft gewann, war Alfa bei seinen Spielen dabei. „Alfa ist wahrscheinlich etwas emotionaler involviert, wenn sie mich Handball spielen sieht“, sagt Reynir. Diese Leidenschaft lebt sie auch selbst in der Nationalmannschaft aus, denn dort übernimmt Alfa eine wichtige Rolle in der Abwehr. „Ich glaube, dass wir beide sehr ehrgeizig sind. Somit kann es schwierig für uns sein, ein Brettspiel zu spielen oder zusammen Sport zu machen, da keiner von uns wirklich verlieren will“, erklärt Alfa mit einem Schmunzeln.

Ankommen und Zuhause finden

Seit einigen Wochen ist Alfa in Deutschland und hat sich gut eingelebt. „Alle Menschen waren bisher unglaublich freundlich und offen“, erzählt die Isländerin. Besonders geholfen habe ihr Reynir, der den Schritt in die Bundesrepublik bereits zuvor gemacht hatte. Sein wichtigster Tipp: ein Ordner für Post und Papierkram. Auch Melsungen überzeugte sie schnell. Die gemütliche Atmosphäre der kleinen Fachwerkstadt und die ruhige Umgebung hätten es beiden leicht gemacht, sich heimisch zu fühlen.

Für Veronika hingegen war das ruhigere Leben in Nordhessen bei ihren Besuchen zunächst eine Umstellung zum lebhaften Alltag in Lissabon. Inzwischen schätzt das Paar genau diese Gelassenheit. Gemeinsame Spaziergänge und Ausflüge gehören zum Alltag, ebenso wie Besuche in Kassel. Das Restaurant Timberjacks zählt dabei inzwischen zu ihren Lieblingszielen.

Heimat im Herzen

Auch wenn Deutschland inzwischen zu ihrem Lebensmittelpunkt geworden ist, bleibt die Verbindung nach Island für Alfa und Reynir äußerst wichtig. „Am meisten vermisse ich meine Familie und meine Freunde“, sagt Alfa. Umso schöner sei es, dass ihre Angehörigen sie regelmäßig besuchen. Heimat ist für beide weniger ein Ort als vielmehr die Menschen, die ihnen nahestehen.

Das gilt auch bei Pala und Veronika: „Heimat ist dort, wo wir zusammen sind“, sagt Veronika. Beide haben ihre Geburtsländer früh verlassen und gelernt, sich an verschiedenen Orten ein Zuhause aufzubauen. Melsungen ist für Pala längst zu einem Ort geworden, an dem er sich wohlfühlt. Gleichzeitig pflegen beide weiterhin die Traditionen ihrer Herkunft – vor allem durch traditionelle Kulinarik und Zeit mit der Familie.

Perspektiven mit klaren Zielen

Alfa und Reynir blicken mit großer Zufriedenheit auf ihren gemeinsamen Weg. „Wir sind zusammen aufgewachsen und unterstützen und helfen uns immer gegenseitig, egal ob beim Handball oder im Alltag“, erklärt Alfa. In den kommenden Jahren möchten sich die beiden sowohl sportlich als auch persönlich weiterentwickeln. Oder, wie Reynir ergänzt: „Wir sind gespannt darauf, wo uns das Leben und unsere Karrieren noch hinführen.“

Auch Pala und Veronika schauen mit Zuversicht nach vorn. Überaus stolz sind sie darauf, die Zeit der Fernbeziehung gemeistert zu haben. „Wir haben unsere Beziehung immer zur Priorität gemacht und offen miteinander kommuniziert“, sagt Veronika. Nach der Verlobung auf Bali steht nun die Hochzeit auf der Wunschliste.

Für Reynir Thor Stefansson und Kristof Palasics beginnt ab August das nächste sportliche Highlight ihrer Handball-Karrieren: In der Saison 2026/27 geht die MT Melsungen nicht nur in der Opel Handball-Bundesliga, sondern zum ersten Mal in der Klubgeschichte auch in der EHF Champions League an den Start. Eines steht bereits fest: Wenn es der eigene Spielplan zulässt, werden Alfa und Veronika ihre Partner auch dort wieder von den Tribünen aus unterstützen – als leidenschaftliche Fans der MT. 

(Lucas Mertsching)

Gemeinsamer Sommerurlaub: Reynir und Alfa. (Foto: privat)
Pala und Veronika verlobten sich im Sommer auf Bali. (Foto: privat)

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