3. Liga / 19.09.2025

MT 2 mit Schweden-Boost

Jonathan Åtting mit Freundin Nele und seinen Eltern

Wenn die MT Melsungen 2 am Sonntag in der Stadtsporthalle gegen die HG Saarlouis antritt (Anwurf 17 Uhr), ist das für Jonathan Åtting gleich in mehrfacher Hinsicht ein Heimspiel. Der schwedische Rückraumspieler bekommt nämlich in seiner Wahlheimat Nordhessen nicht nur durch seine Freundin Nele Unterstützung von der Tribüne, sondern auch von seinen Eltern. Wie schon vor zwei Wochen beim Auswärtsspiel in Dutenhofen, als Mutter und Vater auf der Hinfahrt in den Italien-Urlaub kurz bei ihrem Sohn Station machten.

Jetzt, auf ihrem Rückweg nach Skandinavien, machen sie zum Spiel der MT 2 gegen Saarlouis noch einmal Halt. „Das ist geil. Es fühlt sich so gut an. Ich liebe es, wenn Mama und Papa da sind. Das gibt mir einen Boost, wenn sie zuschauen und ich nach dem Abpfiff einfach zu ihnen gehen kann. Es gibt Energie, wenn sie da sind“, sprudelt es in fließendem Deutsch aus Jonathan heraus. Seit drei Jahren ist er, auf Initiative seiner Trainer in Schweden, nun schon bei den MT Talents und im Sommer in den Erwachsenenbereich bei der Bundesliga-Reserve übergegangen.

Als er 2022 kam, sprach er noch kein einziges Wort dieser für ihn neuen Sprache. Trotzdem war es gut, denn alles war interessant und neu für den damals noch B-Jugendlichen. Er sei voll von Adrenalin gewesen, habe im ersten Monat gar nicht realisiert, dass er ja nun in ein fremdes Land umgezogen sei. Dann aber sei plötzlich auch mal das Heimweh durchgekommen, als er monatelang nicht mehr zurück nach Schweden konnte, bekennt er nachdenklich. Um sofort wieder umzuschalten und lachend zu erzählen, dass ja in der Jugend-WG, in die er eingezogen war, eigentlich immer irgendjemand da war. Und Mechthild Maienschein habe ihm wie eine zweite Mutter geholfen, wenn es nötig war. „Alle haben mich sofort mitgenommen und in alles voll einbezogen“, erinnert er sich gern an diese Zeit zurück.

Die WGs hat er inzwischen verlassen und eine eigene kleine Wohnung in Melsungen bezogen. Mit seinem Mannschaftskollegen Jason Wilfer hat Jonathan die meiste Zeit zusammen verbracht. Erst in der „großen“ Sportler-, dann in der „kleinen“ Zweier-WG. Jetzt, wo er allein wohnt, ist Freundin Nele oft da. Sie spielt eine große Rolle in seinem Leben. Als er im vergangenen Sommer am Fuß verletzt war, nicht nach Schweden durfte und die WG-Mitbewohner alle ausgeflogen waren, haben sie sich kennengelernt. Ganz ohne Handball. Inzwischen ist ihre Familie auch seine geworden. „Ich kann das gar nicht beschreiben. Sie sind einfach immer für mich da“, sagt der 19-Jährige ganz emotional und dankbar.

Doch wenn die Eltern aus Schweden in Deutschland sind, ist alles natürlich nochmal eine Stufe familiärer. Im Normalfall sehen sie sich nur in den Winter- und in den Sommerferien für zwei bis drei Wochen. Wenn es der Saisonplan zulässt, auch mal eine Woche im Herbst oder zu Ostern. Ein- bis zweimal pro Jahr waren Jonathans Eltern auch zu Besuch in Nordhessen, haben einige wenige Spiele ihres Sohnes für die MT Talents gesehen. Der Besuch in Dutenhofen war Premiere im Erwachsenenbereich, das kommende gemeinsame Erlebnis eines MT 2-Heimspiels ist die bisherige Krönung.

Dass es am Sonntag mit Saarlouis ausgerechnet gegen die am höchsten eingeschätzte Mannschaft der Liga geht, sei egal, sagt der Spielmacher und Rückraum-Linke selbstbewusst. Er könne der Mannschaft sicher helfen in 1-gegen-1-Situationen und vor allem mit seiner Wendigkeit. Dazu bekomme er selbst noch zusätzliche Energie durch die Präsenz seiner Familie und seiner Freundin auf der Tribüne. „Ist mir egal, wie gut die Gegner sind. Ich will, dass meine Eltern und Nele nach dem Spiel sehen, dass wir glücklich sind“, strotzt Jonathan vor Selbstbewusstsein. Um sofort verschmitzt lachend hinterherzuschieben: „Aber auch wenn niemand da ist, will ich immer gewinnen.“

Sicher auch beim erhofften gemeinsamen Kartenspiel mit seinen Eltern, die Anfang kommender Woche noch kurz in Melsungen bleiben. So wie sie früher in Jonathans Kindheit gespielt haben. Damals in Schweden, heute eben im Deutschland. Hauptsache ein Heimspiel: In der Stadtsporthalle, in deren Nachbarschaft er drei Jahre gewohnt hat. Mit der MT 2, seiner Mannschaft. Mit den Eltern, die er so selten nur noch sieht. Mit der Freundin und ihrer Familie, die wie seine zweite ist. Mehr Heimspiel auf einmal geht kaum für Jonathan Åtting.

Die Partie der MT Melsungen 2 gegen HG Saarlouis wird am Sonntag ab 17.00 Uhr über die Internetplattform von Sporteurope.TV live übertragen. (Michael Koch)

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