3. Liga / 14.12.2025

Irre Aufholjagd zum Punktgewinn

Max Pregler erlebt seinen nächsten Handballfrühling und scheut dabei weder Zweikämpfe noch Tempogegenstöße. Drei davon versenkte er beim Punktgewinn in Opladen (Foto: Heinz Hartung)

Ohne Drama geht es nicht mehr bei der MT Melsungen 2. Beim TuS 82 Opladen reichte es ein weiteres Mal nicht zu einem Sieg, doch das 28:28 (11:18) fühlte sich nach einer furiosen zweiten Hälfte an wie einer. Oder mit Blick auf den greifbar nahen zweiten Zähler doch nicht?

Nach einer desolaten ersten Halbzeit und nachfolgendem Fehlstart in die zweite Hälfte betrug der Rückstand satte neun Tore, an irgendein achtbares Resultat war eigentlich nicht mehr zu denken. Was dann geschah, müsste wohl unter der Überschrift „unfassbares Husarenstück“ laufen und mündete in eine Führung kurz vor dem Ende. Die trotz mehrfachen Ballbesitzes nach dem finalen Ausgleich der Hausherren nicht ins Ziel gebracht werden konnte. Unglaubliches Ende nach einem unglaublichen Spiel mit potentiellem Legendencharakter – wenn es tatsächlich zum Sieg gereicht hätte.

Aber der Reihe nach. Da war zunächst einmal der ordentliche Beginn einer wild zusammengewürfelten Mannschaft, die auf die Hilfe der A-Jugendlichen Lian Kopeinigg und Jonas Lüder sowie Jona Rietze verzichten musste und außerdem den verletzten Jonas Riecke nicht mit an Bord hatte. Dafür zwar Bruno Eickhoff und Reynir Thor Stefansson aus dem Förderkader, bei denen jedoch die Belastungssteuerung im Vordergrund stand. Sie blieben deshalb zunächst auf der Bank, wohingegen der reaktivierte Max Pregler in der Abwehr sofort mit ranmusste. Vorn ging viel über den Kreis, Jason Wilfer war mit zwei Toren an der 3:1-Führung (6.) beteiligt.

Das schmeckte dem körperlich robusten Opladener Innenblock mit Lucius Hess und Finn Johannmeyer überhaupt nicht, entsprechend rigoros machten sie in der Folge dicht. Weder Rene Andrei noch Jonathan Atting kamen durch. Opladen erspielte sich über diese starke Defensivarbeit Vorteile, legte über Malte Wolfram einen 4:0-Lauf hin. Melsungen war zwar beeindruckt, blieb aber bis zum 7:5 (16.) dran, das Lino Duketis vom linken Flügel gelang.

Danach ging urplötzlich überhaupt nichts mehr zusammen. Klarste Chancen, wie beispielsweise ein Tempogegenstoß von Benni Fitozovic, blieben liegen. Nach dem 11:5 (20.) durch Tobias Schmitz löste Jannik Büde im Tor Pawel Krawczyk ab, vermochte die nächsten TuS-Treffer auch nicht zu verhindern. Bis auf sieben Tore zogen die Hausherren davon und wurden erst von einer Roten Karte gegen Sören Servos eingebremst, der dem durchgebrochenen Elias Wöhler in dessen Wurfbewegung in den Arm griff. Für die verbleibenden knapp acht Minuten bis zur Pause war zumindest wieder einigermaßen Augenhöhe angesagt. An ein Näherkommen war trotz ordentlicher Abwehrarbeit jedoch nicht zu denken, dazu lag die Fehlerquote im Angriff viel zu hoch. Schön immerhin das Tor zum Pausenstand, das Pregler auf Kempa-Zuspiel von Fitozovic im Netz unterbrachte.

Besser wurde es auch nach der Pause zunächst nicht. Obwohl Eickhoff und Stefansson nun endlich ran durften. Sie brauchten noch etwas Eingewöhnungszeit, die Opladen zum Ausbau des Vorsprungs nutzte. Nach Fynn Johannmeyers 21:12 (35.) war die Partie eigentlich durch. Wenn da nicht dieser gewaltige Ruck durch das Melsunger Spiel gegangen wäre, ebenso unvermittelt wie Mitte der ersten Hälfte der Faden gerissen war. Aber mit einem Mal war Zug drin, den vornehmlich Stefansson und Pregler verantworteten.

Der reaktivierte Routinier blühte nämlich an der Seite des jungen Isländers regelrecht auf. Lief sogar Gegenstöße, wie den zum 22:15 (39.), dem Stefansson eine Minute später gleich den sechzehnten Treffer folgen ließ. Stark auch, was diese beiden gemeinsam mit Eickhoff in der Defensive wegblockten. Es war eine ganz andere Qualität, die die MT 2 an den Tag legte. Nur ein eigenes Tor in fast zehn Minuten - Opladen war nicht nur beeindruckt, sondern regelrecht gelähmt. Erst nach Preglers nächstem Gegenstoß war Durchschnaufen angesagt. Es wurde etwas hakeliger, hüben ging Lino Duketis mit einer Strafe runter, drüben Maximilian Kroner. Aber: Melsungen war aufgewacht und dran, zumal Büde gegen Oliver Dasburg einen Siebenmeter parierte.

Richtig klasse waren die fast ansatzlosen Schlagwürfe Stefanssons. Die kamen zwar nicht immer aufs Gehäuse des insgesamt sehr starken Colin Beckert, aber wenn, dann sah der TuS-Keeper sie kaum. Der fünfte Streich des Isländers war das 23:20 (48.), es wurde enger. Beckerts Kollege Büde auf der anderen Seite hatte den besseren Durchblick, arbeitete fleißig mit an der nordhessischen Aufholjagd. Mit jeder gelungenen Aktion Melsungens wurde der Druck auf die Gastgeber größer, die Verunsicherung zehn Minuten vor Schluss spürbarer.

Opladen hatte längst versucht, die Situation über eine Abwehrumstellung auf 5:1 zu entkrampfen. Bekam dadurch tatsächlich Stefansson etwas gebändigt, nicht aber Pregler. Der stellte mit seinem dritten Tempogegenstoß zum 26:25 (55.) den Anschluss her, für den Ausgleich war doch wieder Stefansson zuständig: 27:27 (57.). Eine irre Aufholjagd von neun Toren innerhalb von zwanzig Minuten, das hatte Extraklasse. War aber noch nicht das Ende, denn Eickhoff war ja auch noch da, vollstreckte gar zur Melsunger Führung. Die Moritz Werschkull mit noch mehr als zwei Minuten auf der Uhr egalisierte. Eine dramatische Schlussphase, in der beide Mannschaften noch die Chance auf den Sieg hatten. Den letzten Wurf von Dasburg parierte Büde, dann war das Remis amtlich und ein Auswärtspunkt der MT 2 realisiert, an den nach 35 Minuten überhaupt nicht mehr zu denken war.

Statistik
TuS 82 Opladen: Beckert (14 Paraden / 28 Gegentore), König (n. e.); Servos 3, Wolfram 5, Dittmer, Jagieniak 1, Kroner, Dasburg 9/3, Schmitz 6, F. Johannmeyer 1, Sonnenberg, Kostorz, Werschkull 2, L. Johannmeyer, Hess, Swiedelsky 1 – Trainer Stefan Scharfenberg.
MT Melsungen 2: Krawczyk (3 P. / 11 G.), Büde (12 P. / 16 G.), Hüter (bei einem Siebenmeter, 0 P. / 1 G.); Stefansson 7, Altena, Reinbold, Wöhler, König, Fitozovic 2, Pregler 7, Wilfer 2, Trogisch 2/2, Andrei 1, Duketis 3, Eickhoff 4, Atting – Trainer Florian Weiß.
Schiedsrichter: Sven Hanker / Christopher Klimmesch (Wiesbaden / Klingelbach) – Zeitstrafen 10 : 4 Minuten – Strafwürfe 4/3 : 2/2 - Zuschauer: 120.

Verlauf: 0:1 (1.), 1:3 (6.), 5:3 (12.), 7:5 (16.), 13:5 (21.), 15:9 (26.), 18:11 (Halbzeit) – 21:12 (35.), 22:17 (42.), 23:20 (48.), 25:23 (54.), 27:26 (56.), 27:28 (58.), 28:28 (Ende).

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