
Glückliches Ende nach rasanter Partie. Die MT Talents punkten in der B-Jugend-Bundesliga bei der HSG Handball Lemgo per Siebenmeter vier Sekunden vor Schluss zum 39:39 (19:21). In den fast 60 Minuten zuvor ging es buchstäblich rund in der Horatec-Arena zu Augustdorf, die Schlussphase bot allerfeinste Krimikost pur.
Zwar hatten die Gäste durch Milian Hahns erste Parade gegen Jarne Vette und Oskar Schröders feine Einzelleistung den ersten Treffer des Tages, konnten daraus aber kein Kapital schlagen. Drei Ballverluste schon im Aufbau gegen Lemgos extrem offensive 3-3-Deckung und daraus resultierend jeweils schnelle, „einfache“ Treffer der Lipperländer mündeten in ein frühes 4:1 (3.). Start verpennt, Hinterherlaufen war angesagt.
Das allerdings gelang dann ordentlich, weil die Bälle auf die Flügel verteilt wurden. Nach wie vor mit dem einen oder anderen Stockfehler. Doch wenn die Pässe ankamen, waren Tede Wetzel von rechts und Clemens Rode von links sichere Vollstrecker. Clemens Rode? Ja, die etatmäßigen Kreisläufer Rode und Kjell Hildebrand übernahmen wechselweise die linke Außenbahn. Ein cleverer Schachzug von Trainer Max Pregler, der stach. Wetzel zum 4:3 (6.), Rode mit Doppelschlag zum 7:6 (10.) und zum 9:8 (12.) – immer wieder hinterlaufen nutzte die weit aufgerückte blau-weiße Deckung plötzlich gar nicht mehr so viel.
Als es spielerisch auch aus dem Rückraum klappte, wie bei Finn Höhles 11:11 (15.), hätte es kippen können. Wären da nicht wieder diese technischen Fehler im Aufbau gewesen. Zum Glück ließ die HSG einige Möglichkeiten liegen, auch weil Milian Hahn den direkten Vergleich der Torhüter gegen Theo Siegmann knapp für sich gestaltete. Doch zwischenzeitlich erspielte sich Lemgo durch Matti Oldiges, mit mittlerweile gewechseltem Torhüter, eine 19:15-Führung (26.). Von der zur Pause noch zwei Vorsprung übrig waren, weil unter anderem Ilias Rozko bei seinem Comeback nach Verletzung schon kurz nach seiner Einwechslung traf.
Nach dem Seitenwechsel blieb erst einmal alles beim Alten. Melsungen mit ärgerlichen Ballverlusten schon weit vor Erreichen einer Wurfposition und Lemgo, trotz eigener Fehler, in Vorlage. Als Spielmacher war Schröder weitgehend auf sich allein gestellt, da Finn Höhle, wie auch Jannis Schmidt, schon im ersten Durchgang angeschlagen auf die Bank musste. Trotzdem übernahmen die Nordhessen ganz langsam das Kommando. Zunächst noch zögerlich, aber nach Milian Hahns zehnter Parade gegen den sonst treffsicheren Miko Joel Leike machte Rozko mit dem 23:24 (38.) die erste Führung seit Schröders Auftakt klar.
Lemgo stemmte sich dagegen, attackierte mit der ersten Dreierreihe schon an der Mittellinie, provozierte Fehler. Kam damit tatsächlich noch zu weiteren Führungen, musste nach Titus Gamerads 27:26 (44.) jedoch abreißen lassen. Rozko und Rode drehten das wieder zurück, mit Tede Wetzels 30:32 (49.) nach weitem Pass von Hahn waren es erstmals zwei Tore, die die MT Talents vorn lagen. Schon über 60 Tore gefallen, aber immer noch elf Minuten auf der Uhr. Das Tempo war extrem hoch, die Vorbereitungszeiten mächtig kurz.
Die Crunchtime hatte es dann in sich. Johannes Deist parierte, von der Bank kommend, einen Siebenmeter von Oldiges, gegenüber ließ Wetzel gegen den dritten Lemgoer Keeper Mads Kabon ebenfalls einen Strafwurf liegen, verwandelte aber den Nachwurf zum 31:34 (52.). Leider nicht die Vorentscheidung, weil Schröder für zwei Minuten runter musste und die HSG das zum Anschluss nutzte. Die nächste Strafe gegen Rode bedeutete den Ausgleich durch Tom Waack zum 36:36, eine weitere gegen Lukas Schild die neuerliche Lemgoer Führung. So klasse gekämpft, taktische Mittel gegen ungewohnte Deckungsarbeit gefunden, Tore satt erzielt. Aber nun keine zwei Minuten mehr auf der Uhr, Rückstand und doppelte Unterzahl. Das war’s doch, oder?
Jein; nur normalerweise, jedoch nicht so bei den MT Talents. Die letzte Auszeit Preglers, Antonio Fabijanic kommt und übernimmt sofort die Verantwortung beim von Schröder gezogenen Siebenmeter. Ausgleich, noch 40 Sekunden. Wieder Führung Lemgo, nur noch 23. Rozko setzt zum entscheidenden Lauf an, wird von den Beinen geholt. Ebenso wie Fabijanic beim vermeintlich letzten Wurf. Lemgo packt wirklich alles an Gegenwehr rein was geht, kassiert durch diese beiden Aktionen ebenfalls Strafen. Alles egal, weil Fabijanic den fälligen Strafwurf vier Sekunden vor Ultimo nervenstark selbst versenkt, damit den nicht unbedingt erwarteten, aber vollkommen verdienten Punktgewinn realisiert und die Freudentänze der jubelnden Melsunger initiiert. (Michael Koch)
Statistik
HSG Handball Lemgo: Siegmann (2 Paraden / 10 Gegentore), ** (3 P. / 18 G.), Kabon (2 P. / 11 G.); Gamerad 2, Waack 7/3,Vatte 4, Edelmann 3, ** 5, Oldiges 6/4, Wiemann 1, Stürenburg 4, **, Kracht, **, **, Leike 7 – Trainer Lars Bakker.
MT Talents: Hahn (14 P. / 35 G.), Deist (bei drei Siebenmetern, 1 P. / 4 G.), Seel (n. e.); Schröder 3, Schild 7, Maurer, Rode 8, Höhle 1, Jakob, Wetzel 13/4, Schmidt, Hildebrand 2, Fabijanic 2/2 – Max Pregler.
Schiedsrichter: Christian Vorndamme / Mustafa Ayhan (Herford) – Zeitstrafen 10 : 12 Minuten – Disqualifikation: Gamerad (HSG, 3x2 Min., 60.) - Strafwürfe 9/7 : 7/6 - Zuschauer: 80.
Verlauf: 0:1 (1.), 4:1 (3.), 7:6 (10.), 10:10 (15.), 15:13 (20.), 19:15 (26.), 21:19 (Halbzeit) – 22:20 (34.), 23:24 (38.), 26:25 (40.), 28:28 (45.), 31:33 (50.), 32:35 (54.), 36:36 (58.), 39:39 (Ende).