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MT Melsungen landet souveränen Derbysieg – 34:26 in Wetzlar

Handball-Bundesligist MT Melsungen entschied das Hessenderby gegen die HSG Wetzlar am Donnerstag in der Wetzlarer Rittal Arena souverän mit 34:26 zu seinen Gunsten. Schon bei der 16:11-Halbzeitführung ließ das Grimm-Team kaum Zweifel daran, wer an diesem Abend die spielbestimmende Mannschaft ist. Eine konzentrierte Abwehrleistung, relativ wenig Fehler im Angriff und eine gute Chancenverwertung waren die Eckpfeiler dieses Erfolges. Zwischenzeitlich sah es beim 10-Tore Vorsprung (16:26, 45. Min.) gar nach einem Kantersieg aus. Weil die in der Endphase gestellte 5:1-Formation nicht mehr ganz so effektiv war, kamen die Hausherren noch zu einigen Treffern, mit denen sie das Ergebnis leicht korrigieren konnten. Beste Schützen vor 4.018 Zuschauern waren Maximilian Holst (8/6) und Stefan Cavor (4) für die Mittelhessen und Julius Kühn (8) und Tobias Reichmann (8/5) für die Gäste. Als nächsten Gegner empfängt die MT Melsungen den VfL Gummersbach (20.09., 19:00 Uhr, Rothenbach-Halle Kassel). 

Käsler-Foto: So freute sich der Mannschaftskapitän über den Derbysieg! Finn Lemke steuerte nicht nur geschickt die Abwehr, sondern trug sich mit zwei fulminanten Sprungwurftreffern auch in die Torschützenliste ein.

MT-Trainer Heiko Grimm begann in Wetzlar mit Michael Allendorf, Julius Kühn, Domagoj Pavlovic, Michael Müller, Dimitri Ignatow, Marino Maric und im Tor mit Nebojsa Simic. In der 6:0-Abwehrformation ersetzten zunächst Finn Lemke und Philipp Müller die Angreifer Dimitri Ignatow und Michael Müller. 

Die ersten beiden Treffer waren einem gestandenen deutschen und einem jungen schweizerischen Nationalspieler vorbehalten. Nach 73 gespielten Sekunden überwand Julius Kühn den jungen Wetzlarer Keeper Till Klimpke (20) – übrigens ein Neffe von MT-Vorstand Axel Geerken. Die Antwort der Hausherren ließ nicht lange auf sich warten: Die gab Lenny Rubin, 2,04m-Schlaks, Topscorer der letzten U20-WM und Sohn des schweizerischen Rekordinternationalen Martin Rubin.

Die folgende, etwa siebenminütige Phase des weiteren Abtastens wurde durch zwei von Maximilian Holst und einem von Tobias Reichmann verwandelten Siebenmeter bestimmt, ausserdem von einem feinen Solo von MT-Regisseur “Domba” Pavlovic. Nach 13 Minuten waren die Nordhessen erstmalig mit zwei Toren vorn. Zum einen, weil “Simo” Simic mit einem tollen Reflex einen gefährlichen Wurf von Wetzlars Mittelmann Filip Mirkulovski  entschärft hatte. Zum anderen, weil Marino Maric am Kreis den Ball clever an den ebenfalls am Sechser auftauchend Julius Kühn weitergeleitet hatte, der zum 3:5 einwarf.

De Nordhessen kontrollierten nun das Spiel, konnten wenig später durch Maric aus der Nahwurfzone und durch Pavlovic mit seinem exakt ausgeführten Sprungwurftreffer den Vorteil auf drei Tore ausbauen. Dieser Abstand wurde über die Stationen 5:8 (16.), 6:9 (18.), 8:11 (23.) und 10:13 (26.) verteidigt. Warum? Weil die Abwehr Wetzlars Offensive immer weniger zur Entfaltung kommen ließ, weil Zerberus Simic mehrere Mal richtig zur Stelle war und weil vorne, ohne Hast aber mit ausreichend Druck, Torchancen erarbeitet und auch genutzt wurden.

Nach einer Auszeit von Heiko Grimm und einem Wechsel der Flügelzange – für Allendorf und Ignatow kamen Kunkel und Reichmann – ging des flüssige Spiel der MT nahtlos weiter. Regisseur Pavlovic ließ immer öfter seine Klasse aufblitzen, setzte gekonnt Tempowechsel und brachte sich überdies mit seinem kreativen Bewegungsablauf auch als Torschütze ein. Und zwar zwischen der 15. und der 29. Minute gleich fünf Mal. Somit war der Kroate maßgeblich daran beteiligt, dass sein Team kurz vor Halbzeit auf vier Tore Vorsprung kam (11:15, 29.). Tobias Reichmann hatte sich derweil wie immer als zuverlässiger Strafwurfschütze eingebracht. Und dann gibt es wieder einen jener Erfolgsmomente, die man sich verdienen muss: 19 Sekunden vor dem Pausenpfiff entzauberte Simic erneut einen aussichtsreich postierten Wetzlarer Schützen und leitete damit einen letzten Angriff ein, den Marino Maric zum 11:16-Halbzeitstand nutzte.

Den zweiten Durchgang begann Simic so, wie er den ersten beendet hatte – der MT-Keeper kaufte kurz nach Wiederanpfiff dem frei von Rechtsaussen hereinfliegenden Björnsen den Ball ab. Um nun die bestehende Unterzahl (Kühn hatte eine Zeitstrafe aufgebrummt bekommen) wettzumachen, verlässt Simic sein Gehäuse zugunsten eines weiteren Feldspielers. Der MT-Angriff endet erfolglos in den Fängen von Klimke, der blitzschnell schaltet und das Spielgerät ins leere MT-Tor wirft.

Das schienen die Grimm-Schützlinge durchaus als Mahnung aufgefasst zu haben, wieder mehr Sorgfalt im Angriff walten zu lassen. Julius Kühn ging mit gutem Beispiel voran und machte seinem Ruf als Goalgetter alle Ehre. Der Halblinke markierte im Nachsetzen das 12:17, holte danach einen Strafwurf heraus, den Reichmann verwandelte, stellte nach einem Lindskog-Tor und einem Holst-Strafwurftreffer auf 14:19 und erhöhte nach Reichmanns erfolgreichem Fastbreak auf 14:21 (39.).

Bis kurz davor hatte auch Pavlovic ganze Arbeit geleistet und die Wetzlarer Abwehr immer wieder vor große Probleme gestellt. Um so ärgerlicher war dann sein durch Gegnereinwirkung erzwungenes Ausscheiden. Wetzlars Joao Ferraz streckte den MT-Regisseur mit einem derben Ellbogencheck in die Magengegend zu Boden, sodass dieser schmerzgekrümmt das Spielfeld  verlassen musste.

Die Rotweissen steckten den Ausfall aber weg. Lasse Mikkelsen kam und nahm umgehend den Faden auf. Zunächste erhöhte die Flügelzange Allendorf / Reichmann auf 14:23. Nach 45 gespielten Minuten war die Entscheidung praktisch gefallen. Für die HSG hatten Holst und Weissgerber getroffen, während auf der anderen Seite Kühn, Mikkelsen und Allendorf erfolgreich waren. Mit dem 16:26 hatten da die Gäste eine Hürde aufgebaut, die von den Hausherren einfach nicht mehr zu überspringen war.

Auch wenn die MT in der Schlussphase zu Übungszwecken bewusst von der 6:0- auf eine 5:1-Abwehr umstellte und diese dann nicht mehr ganz so effektiv umsetzte, geriet der verdiente Sieg in keinster Weise mehr in Gefahr. Denn dafür lief es andererseits im Angriff weiterhin wie geschmiert. Finn Lemke, inzwischen vom Trainer auch nach vorne beordert, zeigte mit zwei eindrucksvollen Sprungwurftreffern, dass er auch als Defensivspezialist keineswegs den Drang Richtung gegnerisches Tor verloren hat.

Das Sahnehäubchen aber setzten Simic und Kunkel dem Spiel auf. Der Keeper vereitelte Sekunden vor dem Schlusspfiff einen Wurf von Herrmann und passte den Ball postwendend übers gesamte Spielfeld zu dem Flügelspezialisten, der das Leder in klassischer Kempa-Trick-Manier im Sprung annahm und elegant zum 26:34 in die Wetzlarer Maschen drückte. Da wurde der Jubel des vielköpfigen Anhangs der Nordhessen noch etwas lauter, derweil von den einheimischen Fans schon ganze Heerscharen die Rittal- Arena verlassen hatten.

Trainerstimmen zum Spiel

Kai Wandschneider (gegenüber SKY): Die MT hat eine starke Mannschaft. Wenn dort gewechselt wird, merkt man keinen Qualitätsunterschied. Überragend war heute einmal mehr Julius Kühn. Wir haben derzeit durch den Ausfall von Ivanisevic einige Probleme im Tor und müssen schauen, dass wir schnell einen Keeper finden, der uns weiterhilft. Nach den Abgängen nach der letzten Saison befinden wir uns nun wieder in einem Lernprozess. Wir machen zu schnell zu viele einfache Fehler. Als das Spiel praktisch entschieden war, haben wir noch einigen weitern jüngeren Akteuren Gelegenheit gegeben, Praxis zu sammeln.

Heiko Grimm: Wir hatten uns sehr gut auf den Gegner vorbereitet, auch im Detail. Dazu gehörten auch abschließende Gespräche mit den zentralen Spielern in der Abwehr und im Angriff über die Schwerpunktsetzungen im Rahmen unseres Konzepts. Ich bin sehr zufrieden damit, wie wir das umgesetzt haben, was wir verabredet hatten. Es war ausserdem gut zu beobachten, wie fokussiert die Mannschaft war, wie sehr sie bei sich war – besonders in der Abwehr. Allerdings müssten wir daraus noch mehr Kapital schlagen, etwa in Form von Tempogegenstößen. Durch diesen Sieg ist der Druck, der durch die beiden Niederlagen gegen Magdeburg und die Rhein-Neckar Löwen entstanden war, etwas gewichen. Das wird der Mannschaft gut tun. Jetzt bleibt eine Woche Zeit bis zum nächsten Spiel gegen Gummersbach, in dem wir dann vor eigenem Publikum ebenso konzentriert auftreten wollen, wie heute in Wetzlar.

HSG Wetzlar – MT Melsungen 26 : 34 (11 : 16)

HSG Wetzlar: Klimpke (9 Paraden / 30 Gegentore, 2 Tore), Cvetkovski (41.-47. Min., 0 P. / 4 G.) – Hermann 2, Kneer, Björnsen 2, Ferraz 1, Mirkulovski, Schreiber, Torbrügge, Weissgerber 2, Frend Öfors, Holst 8/6, Forsell Schefvert 2, Rubin 1, Lindskog 2, Cavor 4 – Trainer Kai Wandschneider.

MT Melsungen: Simic (1.-60. Min.; 10 Paraden / 24 Gegentore), Sjöstrand (bei 3 Strafwürfen, 1 P. / 2 G.) – Maric 2, Kühn 8, Lemke 2, Reichmann 8/5, Ignatow, Kunkel 2, Mikkelsen 2, Danner, P. Müller, Schneider, Allendorf 3/1, Birkefeldt 1, M. Müller 1, Pavlovic 5. - Trainer Heiko Grimm.

Schiedsrichter: Colin Hartmann / Stefan Schneider (Magdeburg / Irxleben)

Zeitstrafen: 2 – 8 Minuten (Lindskog, 55:24 Min. – Maric, 24:52 Min., Kühn 29:27, Reichmann 44:03, Birkefeldt, 54:56)

Strafwürfe: 6/7 – 6/6 (Holst scheitert an Sjöstrand, 40. Min.)
 
Zuschauer: 4.018, Rittal Arena, Wetzlar.

Das nächste Spiel:
Do., 20.09.18, 19:00 Uhr, MT Melsungen – VfL Gummersbach, Rothenbach-Halle, Kassel        

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