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Trainingslager Teil 1 - Grundlagenarbeit und Spaßeinlagen

HNA-Redakteur Björn Mahr begleitete das MT-Team bis zum Mittwoch im Trainingslager in Esslingen und überzeugte sich aus nächster Nähe, welche Strapazen die Profis bewältigen müssen, aber auch welche Aktivitäten für willkommene Abwechslung sorgen.

Alibek Käsler-Foto: Ballsport ja, aber im ungewohnten Element. Die MT-Cracks wurden im Wasserball von einer Jugendmannschaft ganz schön gefordert. Wobei der Spaß natürlich bei weitem überwog.

Seid Ihr alle da?“ Die Frage hätte aus einem Kasperletheater sein können. Doch an diesem Morgen, um kurz vor halb zehn, ist vor dem Eingang zum Hotel Jägerhaus in Esslingen wahrlich keinem der Anwesenden zum Lachen zumute, als der neue MT-Fitnesstrainer Florian Sölter das Wichtigste zum ersten Programmpunkt des Tages bekannt gibt. Der anstehende Waldlauf zum Fitnessstudio im Nachbarort Aichwald stößt nicht gerade auf große Begeisterung. Die Spieler flüchten sich vielmehr in Galgenhumor: „Du siehst aber fit aus.“

Es ist bereits die fünfte Übungseinheit seit der Anreise am Sonntagnachmittag – und auch nur der erste Teil. Nach der Ankunft geht es direkt an die Gewichte – alles unter Anleitung von Florian Sölter, dem Nachfolger von Lutz Anders.

„Das Training ist für das Tam schon etwas ungewohnt. Wir haben das Laufvolumen erhöht“, sagt Sölter. Sein Vorgänger arbeitete mit der Mannschaft besonders intensiv im Kraftbereich. Nun soll auch die Ausdauer deutlich besser werden. Klar, das Motto der MT lautet: 60 Minuten Vollgas. „Wir laufen jetzt viel mehr“, erklärt Spielmacher Timm Schneider, „aber das macht auch absolut Sinn.“ Die Melsunger wollen den Schritt zu einer Spitzenmannschaft machen.

Dabei durften die Spieler im Sommerurlaub nicht komplett ausspannen. Sie bekamen von Sölter spezielle Trainingspläne. Der 32 Jahre alte promovierte Sportwissenschaftler hatte zum Ende der vergangenen Serie extra Leistungstests für sämtliche Spieler organisiert. Er sagt: „Ich vertraue den Daten.“ Nur so habe er gewusst, wo er beim jeweiligen MT-Profi ansetzen musste. Die bisherigen Eindrücke sind erfreulich – auch die drei Neuzugänge Domagoj Pavlovic, Simon Birkefeldt und Yves Kunkel sind topfit. „Selbst bei den Intervallläufen“, betont Sölter, „haben unsere Jungs super mitgezogen. Sie geben für die Ziele der Mannschaft alles.“

Dass die Spieler beim Stabilisierungstraining schon mal auf allen Vieren krabbeln müssen, erfüllt ebenso seinen Zweck wie die explosiven Absprünge während der Hallen-Einheit. Sogar das Wasserballspiel gegen ein Team des ruhmreichen SSV Esslingen am Dienstagabend war nicht nur für das Teambuilding wichtig. Sölter, der aus dem südniedersächsischen Landolfshausen stammt und bereits für den MT-Nachwuchs zuständig ist, stellt klar: „Zwar bekommen die Gelenke weniger Druck, es ist aber trotzdem anspruchsvoll – und richtig anstrengend.“

Die WG der Kreisläufer

Bis zum Ende der vergangenen Handball-Saison war bei der Belegung der MT-Zimmer kein wirkliches Muster zu erkennen. Da teilte sich bei den Reisen zu den Auswärtsspielen und Trainingslagern schon mal ein Linksaußen (Michael Allendorf) dieselben vier Wände mit einem Torwart (Johan Sjöstrand). Jetzt, da Roth-Nachfolger Heiko Grimm das Sagen hat, sieht die Sache anders aus.

Der Trainer achtet bei der Zusammenstellung darauf, dass die Spieler entweder auf derselben Position agieren oder zumindest wichtige Nebenmänner sind. So sind nun Sjöstrand und der Montenegriner Nebojsa Simic in einem Zimmer, gleiches gilt für die Spielmacher Timm Schneider und Lasse Mikkelsen. Felix Danner und Marino Maric bilden die Kreisläufer-WG. „Konkurrenzkampf ist natürlich auch wichtig, aber sie sollen in erster Linie noch mehr zusammenarbeiten“, erläutert Grimm.

Wer den Coach kennt, der weiß, dass ihm das Spiel in die Breite ungemein wichtig ist. Dazu passt es, dass er einige seiner Außen mit Spielern von den Halbposition zusammengesteckt hat: Allendorf mit Julius Kühn, Tobias Reichmann mit Simon Birkefeldt, Yves Kunkel mit Philipp Müller. Michael Müller wäre normalerweise mit Dimitri Ignatow zusammen, doch der U20-Nationalspieler stößt wegen der EM in Slowenien erst später zum Team. So hat der Ex-Kapitän zurzeit noch ein Einzelzimmer. Diesen Luxus genoss bis zum Dienstag auch Neuzugang Domagoj Pavlovic. Dann traf aber Kapitän Finn Lemke, der frisch gebackene Papa, in Esslingen ein. In Luzern wird es bei der Belegung zumindest einige kleine Veränderungen geben. Doch wer dann mit wem auf einem Zimmer sein wird, will Grimm noch nicht verraten.

Kuriose Randnotizen

Sportfans wissen das: Wenn Profis besonders belastet sind, dann geht es nach einer kräftezehrenden Einheit schon mal zum Entspannen in die Eistonne. Dort hinein steigen auch die Melsunger Spieler. Die Eiswürfel dazu besorgte Matthias Horn im Supermarkt – er nahm gleich mal zwölf Kilogramm mit. „Danach war dieses Eis ausverkauft“, stellte der Betreuer lachend fest.

 Hier mal ein Tapeverband, da mal eine Massage? Nein, hinter der Arbeit von Jenny Bajerke und René Kagel steckt viel mehr. Neben ihrem Einsatz bei den verschiedenen Übungseinheiten müssen alle Profis einmal pro Tag zur Behandlung auf die Massagebank im Hotelflur. Als am Montag etwas Zeit war, drehten sie mit Trainer Heiko Grimm und Assistenzcoach Arjan Haenen selbst 18 Runden im Esslinger Stadion.

Die Hotelküche machte folgende Rechnung auf: Jeder Spieler benötigt zum Abendessen etwa 300 Gramm Putenfleisch. Allerdings war der Ansturm der MT-Profis nach Hallen- und Lauftraining so groß, dass der Koch noch einmal die Pfanne erhitzen und Fleisch braten musste. Erst danach waren wirklich alle Spieler satt. - Apropos Ernährung. Wenn die Einheiten fast nahtlos ineinander über gehen, müssen sich die Spieler stärken. Matthias Horn kommt dann vor allem mit Proteinriegeln. Eine dieser Zwischenmahlzeiten wiegt 35 Gramm. Pro Tag gehen etwa zwei Packungen mit insgesamt 48 Riegeln weg.
 
Der Erfolg eines Trainingslagers hängt immer auch ein bisschen von der Organisation vor Ort ab. Ist die Tür zur Sporthalle offen, wenn das Team anrückt? Läuft alles im Fitnessstudio nach Plan? Und erfüllt die Wasserballeinheit in der Schwimmhalle ihren Zweck? Um den Gastgebern danke zu sagen, hat Matthias Horn immer ein paar Trikots mit den Autogrammen aller Melsunger Spieler sowie Wimpel als Geschenke dabei.

1. Trainingsspiel: Die MT in Scharnhausen

Am Mittwochabend stand ein erstes Handballspiel im Rahmen dieser Vorbereitung auf dem Plan. Gastgeber war die HSG Ostfildern. Der Württemberg-Ligist fasste den Auftritt der MT-Cracks in der Scharnhausener Körschtal-Hallo so zusammen:
Im Rahmen des Trainingslagers auf dem Jägerhaus reisten die Profis in Bestbesetzung auf die Fildern und sorgten mit Ihrem sympathischen Auftritt für ein echtes Highlight in der Körschtalhalle. Vor voll besetzten Rängen konnten sich die Jungs der HSG immer wieder mit engagierten Aktionen durchsetzen und kamen sowohl im Angriff als auch in der Abwehr zu Achtungserfolgen. Der Unterschied zwischen erster und fünfter Liga war aber sowohl körperlich als auch spielerisch natürlich stets präsent. In einem fairen Spiel behielten die beiden DHB Schiedsrichterinnen Sonja Lenhardt und Katharina Heinz zu jeder Zeit den Überblick.

Auch unsere Nationalspieler Finn Lemke, Julius Kühn und Tobias Reichmann waren mit von der Partie und zeigten sich sowohl auf dem Spielfeld als auch nach dem Spiel als echte Sportsmänner: Erst als alle Fans mit Selfies und Autogrammen versorgt waren ging es zum Duschen und danach zum gemeinsamen Abendessen mit der HSG. Die Profis um Trainer Heiko Grimm hinterließen durch ihr bodenständiges und authentisches Auftreten einen sehr positiven bleibenden Eindruck bei Jung und Alt.

Am Donnerstag reisen die Nordhessen von Esslingen weiter nach Luzern, wo der zweite Teil dieses 8-tägigen Trainingslagers stattfindet. Highlight dort wird das Spiel der MT am Freitag gegen HC Kriens-Luzern sein, also gegen den Schweizer Erstligisten, den MT-Chefcoach Heiko Grimm bis Dezember letzten Jahres trainierte.

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