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Teamvorstellung: Biergartenstimmung, gut gelaunte Profis und begeisterte Fans

Er hatte es vor der vergangenen Saison bereits geahnt: „Es werden jedes Jahr mehr“, stellte Michael Allendorf beim Blick von der Bühne herunter nicht ohne erkennbares Staunen fest. Kompetentes Urteil eines Akteurs, der die traditionelle Saisoneröffnung und Mannschaftsvorstellung der MT Melsungen am Stammsitz in der Bartenwetzerstadt schon zum neunten Male mitmachte. Die Fans stürmten bei diesmal strahlendem Sonnenschein regelrecht den Melsunger Schlossgarten und verwandelten ihn in ein stimmungsvolles, rot-weißes Meer aus Trikots aktueller wie ehemaliger Spieler, Fan-Shirts oder einfach nur farblich passender Sommerkleidung.

Hartung-Foto: Die MT-Cracks schriben sich die Finger wund - nicht nur die zahlreichen jungen Fans hatten es auf die Autogramme der Profis abgesehen.

Passend dazu gab es die zwar „nur“ statistische, deswegen aber nicht minder beeindruckende Info, dass sich die MT, passend zum Bild im Schlossgarten, in der letzten Saison in die Spitze der Hallenauslastungs-Tabelle der Handball-Bundesliga katapultierte. Zu 97 Prozent war die Rothenbach-Halle in Kassel ausgelastet. „Da ist uns nur noch der THW Kiel voraus“, stellte Pressesprecher Bernd Kaiser mit berechtigtem Stolz fest. Ein Wert, der nur noch schwer zu toppen ist, wenngleich das natürlich der Ansporn ist.

Möglich ist das vor allem über die sportliche Leistung. Und da legte Trainer Heiko Grimm die Latte ganz bewusst recht hoch. „Ich bin nicht so langweilig zu sagen, dass wir nach dem siebten Platz letzte Saison jetzt mindestens Sechster werden möchten“, schmunzelte der ehemalige Nationalspieler. Nein, „unter die ersten fünf“ möchte er die Mannschaft in seinem ersten kompletten Jahr als allein verantwortlicher Trainer in der HBL führen und weist dabei mit einem Augenzwinkern ausdrücklich auf seine Formulierung hin: „Unter die ersten fünf heißt nicht Fünfter, das kann auch weiter oben sein“. Eine Ansage, die Axel Geerken untermauerte: „Mit unserem Kader muss das Ziel einfach die Qualifikation für den Europapokal sein“, stellte der MT-Geschäftsführer fest und erntete für diese offensive Aussage viel Applaus.

Lauter und vor allem anhaltender war der Beifall der Fans nur, als es darum ging, der erkrankten Aufsichtsrat-Vorsitzenden Barbara Braun-Lüdicke eine stärkende Botschaft zu übermitteln. „Das war jetzt garantiert auch auf der anderen Stadtseite zu hören sein“, zeigte sich Bernd Kaiser beeindruckt von der Intensität der von Herzen kommenden akustischen Genesungswünsche des MT-Anhangs. Die „MT-Chefin“ fehlte erstmals in der Melsunger Bundesliga-Geschichte bei der Saisoneröffnung.

Natürlich gab es auch diesmal wieder Infos aus erster Hand über die „Neuen“ im neu designten rot-weißen Trikot. Zum Beispiel dass Domagoj Pavlovic auf den Namen „Domba“ hört und der Meinung ist, dass „Frankreich am Sonntag keine Chance hat“, wie sein Landsmann Marino Maric Domba’s erste Begrüßungsworte an die Fans in Anspielung auf das bevorstehende Fußball-WM-Finale der Kroaten gegen die Trikolore sehr frei übersetzte. Oder dass der über Leipzig zur MT gestoßene Yves Kunkel eigentlich waschechter Saarländer ist. Simon Birkefeldt fühlt sich hingegen bereits „bestens aufgenommen von der Mannschaft und dem Umfeld“ und strotzt geradezu vor Tatendrang, seinen Teil zu den Zielen des Clubs beizutragen.

Wenn Spieler ausgerechnet beim ersten Zusammentreffen der Saison mit den Fans vermisst werden, sorgt das immer für Gesprächsstoff. In diesem Falle vor allem, weil der fehlende Finn Lemke eigentlich als Redner auf der Bühne vorgesehen war. Er übernimmt nämlich künftig die Position des Teamkapitäns von Michael Müller, weilte aber bei seiner Frau im Krankenhaus – in freudiger Erwartung auf in Kürze anstehenden Nachwuchs im Hause Lemke. Den Redepart des „Langen“ übernahm sein Stellvertreter Tobias Reichmann, der Michael Allendorf in dieser Funktion beerbt. Auf Hilfe des ehemaligen Käptn’s werden Lemke und Reichmann wohl verzichten müssen: „Sie sollen mal schön selbst auf die Nase fallen“, stellte Michael Müller augenzwinkernd unter schallendem Gelächter des Publikums klar.

Ebenfalls nicht dabei sein konnten Dimitri Ignatow und Fin Backs. Und auch sie mit ausschließlich erfreulichem Hintergrund. Die beiden aus dem Melsunger Nachwuchs hervorgegangenen Flügelflitzer bereiten sich momentan mit der U20-Nationalmannschaft auf die Europameisterschaft in Slowenien vor und trugen just zum Zeitpunkt ihrer Vorstellung das deutsche Nationaltrikot beim Vorbereitungsturnier in Dänemark. Passend übrigens zum vorangegangenen Auftakt der Veranstaltung im Schlosspark, als sich der komplette Nachwuchs der Melsunger Handballer präsentierte. Unter Moderation von Abteilungsleiter Bernd Prauss eröffnete Melsungens Bürgermeister Marcus Boucsein die Veranstaltung, in deren Verlauf die vielleicht künftigen Stars vorgestellt wurden.

Rekord beim MT-Unterbau

„Wir starten diese Saison mit einer Rekordzahl an Mannschaften“, stellte Bernd Prauss fest. Der Handball boomt in Melsungen und nicht weniger bei den Kooperationspartnern aus Körle und Guxhagen. Fast zweihundert Kinder und Jugendliche werden dem Ball unter dem Emblem der mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen hinterherjagen, wenn die Wettkämpfe im September wieder beginnen. An vorderster Stelle die Teams im Leistungsbereich der A-, B- und C-Jugend, die alle erneut in den jeweils höchstmöglichen Spielklassen antreten werden und mit großen Zielen starten. Nicht ohne Grund erhielt die MT Melsungen zum zweiten Mal das Jugendzertifikat der HBL, diesmal sogar als einer von nur wenigen Vereinen mit zusätzlichem Auszeichnungsstern für besondere Leistungen.

Auf die A-Jugend warten nach der Umgruppierung in die Bundesliga-Staffel Mitte der JBLH neben den ebenfalls gewechselten Gummersbachern neue Herausforderungen wie die Vertretungen aus Leipzig, Hüttenberg, Erlangen und Wetzlar. „Platz vier in unserer Gruppe sollte vielleicht im Bereich des Machbaren sein“, glaubt Trainer Björn Brede. Bisher steht Rang sieben als Bestleistung in den Büchern. Noch weiter hinauf schaut die B-Jugend. Letztens bis ins Achtelfinale der Deutschen Meisterschaft vorgestoßen und nur denkbar knapp am späteren Vizemeister Rhein-Neckar Löwen gescheitert, peilt Co-Trainer Christian Kördel mindestens die Wiederholung dieses Coups an. Den die C-Jugend unbedingt nachmachen möchte und dafür mutig die Hessenmeisterschaft anpeilt. „Es wird Zeit, dass der Titel auch mal nach Nordhessen kommt“, lautet die Kampfansage von Übungsleiter Christian Dippel an die Mitte und den Süden des Bundeslandes.

Die Verbindung zwischen der Jugend und dem Profibereich stellten die Seniorenmannschaften im Amateurbereich her. Beide als Meister ihrer jeweiligen bisherigen Klassen und Aufsteiger. Laut Mannschaftskapitän Stefan Gröning herrscht in der „Dritten“ große Freude über die neue Herausforderung in der Bezirksoberliga. Waren bisher viele lange Auswärtsfahrten die Regel, stehen nun wieder die „echten“ Derbys gegen Ost-/Mosheim, Wollrode und vor allem die Reserve von Gensungen/Felsberg auf dem Programm; mehr als nur ein Ausgleich zum erhöhten Anforderungspotential. Die „Zweite“ möchte nach Aussage von Co-Trainer Sascha Henkel möglichst frühzeitig den Klassenerhalt nach dem sofortigen Wiederaufstieg in ihrer neuen alten Spielklasse sicherstellen und eine Wiederholung des  „Betriebsunfalls“ auf dem Weg der Konsolidierung in der Oberliga, mit mittelfristiger Perspektive nach oben, tunlichst vermeiden. Auch da ist die Freude groß auf den Nachbarn aus dem Edertal, der wieder zu den Gegnern gehören wird.

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