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Am Boden zerstört, wie hier Torhüter Jan-Lasse Herbst, waren die Melsunger nach dem Schlusspfiff. Verständlich nach dem Ergebnis, unbegründet nach der fabelhaften Leistung aller Beteiligten. (Foto: WMK)

B-Jugend: Ganz große Leistung beim Deutschen Vizemeister blieb unbelohnt

Haarscharf schrammten die B-Jugend-Handballer der mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen an der ganz großen Sensation vorbei. Lieferte aber trotz ihrer 22:23 (10:9)-Niederlage im Achtelfinale der Deutschen Meisterschaft bei den Rhein-Neckar Löwen ein begeisterndes Spiel ab und hatte den amtierenden Vizemeister kurz vor dem Knockout.

Anders als noch im Hinspiel gehörte die Anfangsphase diesmal den Torhütern. Sowohl Jan-Lasse Herbst als auch Ove Villmann im Löwen-Tor zeigten sich von ihrer besten Seite und hielten, was zu halten war. Weil die Partie jedoch eine wiederum sehr hohe Angriffsfrequenz bot, hatten sie auch reichlich zu tun und dem entsprechend Gelegenheiten, ihr Können unter Beweis zu stellen. Nach einer Viertelstunde lag Herbst bei einem Spielstand von 5:5 knapp unter der 50%-Marke an gehaltenen Bällen, Villmann sogar darüber.

Was bedeutete, dass sich die Nordhessen beim Favoriten keinesfalls versteckten, sondern mindestens auf Augenhöhe agierten. Wobei das Fehlen von Paul Kompenhans durch eine ganz starke Leistung von Jona Rietze wettgemacht wurde. Der zeichnete verantwortlich für die ersten drei Melsunger Tore sowie auch für die erste Führung zum 3:2 (6.). Und bildete mit Ole Pregler und Benjamin Fitozovic ein bärenstarkes Rückraum-Trio, das der Löwen-Abwehr sichtbar Kopfzerbrechen bereitete.

Bis Pregler nach einem rüden Foul von Philipp Ahouansou, der dafür lediglich die gelbe Karte sah, mit einer Schulterverletzung vom Feld musste. Eine von mehreren Situationen, die dem zahlreich mit in den Süden gefahrenen Melsunger Anhang auf der Tribüne die Zornesröte ins Gesicht trieben. Nicht wegen der ansonsten fairen Gangart des Gegners, sondern in Bezug auf die Entscheidungen der Unparteiischen. Die belegten keine 60 Sekunden später Louis Badenheuer für eine weit harmlosere Aktion ohne Verletzungsfolge schon mit seiner zweiten Bankstrafe und pfiffen auch ein regulär erzieltes Tor der Rot-Weißen zurück.

Vielleicht war das der Antrieb für die Mannschaft, einmal mehr über ihr Limit zu gehen. Denn erneut Jona Rietze holte die nächste mJSG-Führung zum 8:7 (21.), die nach weiteren Treffern von Benjamin Fitozovic und Julian Fuchs bis zur Halbzeit Bestand hatte.

Zu Beginn der zweiten Hälfte kam Ole Pregler zurück. Sinnbild einer Melsunger Mannschaft, die alles zu geben bereit war. Und tatsächlich alles gab, um die Sensation vielleicht doch zu schaffen. Louis Badenheuer, Jona Rietze und Julian Fuchs hielten nach jeweiligen Löwen-Egalisierungen die Führung am Leben, René Andrei versenkte einen Siebenmeter zum 14:13 (32.), nachdem Rietze zuvor zweimal gescheitert war. Melsungen spielte nicht nur mit beim Vizemeister, sondern bestimmte die Partie.

Noch mehr, als Andrei per Heber von der Siebenmeterlinie und Julian Fuchs nach überragendem Anspiel von Ole Pregler das 16:14 erzielte (37.). Hätten danach nicht Jan Dobriczikowski im Gegenstoß und Julian Fuchs per Heber von Rechtsaußen nur die Latte getroffen, wären die Löwen möglicherweise in die Knie gegangen. So aber schöpften sie nach Christopher Roths Anschluss per Strafwurf neuen Mut und blieben dran. Immer genau in diesem Rahmen von zwei Toren Rückstand, der ihnen das Weiterkommen gerade noch sicherte.

Bis zum 22:20 für die Bartenwetzer eineinhalb Minuten vor dem Ende war alles offen, hätte niemand gewagt auf einen möglichen Sieger hoch zu wetten. Dann zerstörte Christopher Roth mit dem 21. Löwen-Tor die Hoffnungen der Nordhessen. Die verbleibenden sechzig Sekunden waren geprägt von Hektik auf Seiten der Gäste, die zwangsweise hohes Tempo im Spiel nach vorn gehen mussten.  Die Risikopässe kamen nicht an, der Vizemeister bedankte sich im Gefühl des nun sicheren Weiterkommens und holte sich am Ende sogar noch den knappen Sieg. Der jedoch nicht darüber hinweg täuschen konnte, dass die mJSG nur haarscharf an einer großen Sensation vorbeigeschrammt ist.

Stimmen zum Spiel:

Georgi Sviridenko (Trainer mJSG): Glückwunsch an die Löwen zum Weiterkommen. Ich musste meine Mannschaft in der Kabine erst einmal trösten. Sie haben gekämpft und waren nah dran, aus diesem Spiel noch mehr zu machen. Aber es war nicht möglich, denn wir haben gegen eine sehr gute Mannschaft gespielt. Ich möchte allerdings sagen, dass unser Team aus dem jüngeren Jahrgang besteht. Das spricht für uns und für das, was wir in Melsungen in der jüngeren Vergangenheit strukturiert aufgebaut haben. Vor allem die Begeisterung meiner Mannschaft für unser Ziel hat mich fasziniert und für Gänsehaut gesorgt, die auch jetzt noch anhält.

Daniel Meyer (Trainer RNL): Auf so spannende Spiele kann ich als Trainer eigentlich sehr gut verzichten. Ich habe die Befürchtung, dass wir die Melsunger in Zukunft noch häufiger im Kampf um die Deutsche Meisterschaft sehen werden. Klar kann ich als Trainer jetzt kritisieren, was bei uns nicht gepasst hat, dass es so spannend wurde. Aber man muss einfach auch einmal anerkennen, wenn es ein Gegner richtig gut gemacht hat. Das war heute so! Unsere Qualität war der hohe Einsatz, durch den wir uns den Sieg regelrecht erarbeitet haben. Und man muss auch klar sagen, dass uns am Ende Ove Vilmann im Tor den Arsch gerettet hat.

Statistik

mJSG: Herbst (15 Paraden / 23 Gegentreffer), Büde (n. e.); Dobriczikowski, Badenheuer 3, Pregler 1, Rietze 6, Fitozovic 2, Dhaliwal, Andrei 5/2, Hellemann, Fuchs 5/1.

RNL: Villmann (18 P. / 21 G.), Zanki (bei zwei Siebenmetern, 1 P. / 1 G.); Weindl, Scholtes, Veigel 3, Boch, Grupe, Neagu 4, Stadtmüller 3, Mohr, Ahouansou 1, Hemmer, Roth 6/1, Seitz, Büttel 4, Cotic 2/1.

Z: 380  SR: Kern / Kuschel (Bellheim / Hagenbach) - Strafen: 6 : 6 Minuten – 7m: 6/3 : 2/2.

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