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Die Jüngsten machten den Anfang. Im Mini-Team von Jessica Fetzer und Michael Reitz konnte Moderator Bernd Prauss mit Linus Schröder (Nummer 5) auch ein Geburtstagskind beglückwünschen. (Foto: HHF)

Die MT präsentiert sich ihren Fans breit aufgestellt und gut gerüstet für die neue Saison

Eine besondere Tradition beim Handball-Bundesligisten ist, dass sich zur Vorstellung des Profikaders vorab auch alle anderen Mannschaften des Vereins auf der gleich Bühne im großen Rahmen präsentieren dürfen. So auch in diesem Jahr, das wohl als das erfolgreichste der MT-Vereinsgeschichte in Sachen Nachwuchsarbeit bezeichnet werden darf. Grundlage dafür ist in erster Linie das Jugendzertifikat der HBL, das die MT für das Jahr 2017 erstmals erhielt. Darüber hinaus, auch das ist eine Premiere, werden alle drei Mannschaften des Leistungsbereichs der C-,  B- und A-Jugend jeweils in den höchstmöglichen Spielklassen an den Start gehen. „Klasse Arbeit von unserem Jugendkoordinator Axel Renner, aber auch seinem ganzen Team, den beteiligten Trainern, Betreuern und Spielern“, stellte Handball-Abteilungsleiter und Moderator Bernd Prauss nicht ohne Stolz fest.

Mit den letztjährigen A-Jugendlichen Dimitri Ignatow und Fin Backs stellt die MT aktuell zwei Nationalspieler zur kommenden Jugend-Weltmeisterschaft in Georgien ab. Beide Talente konnten an den Verein gebunden werden, sollen sich aber über eine Kooperation und ein Zweitspielrecht für zunächst ein Jahr beim Zweitligisten Eintracht Hildesheim weiterentwickeln, wie Prauss erklärte. Der ein Jahr ältere Johannes Golla, ebenfalls aus der eigenen Jugend kommend und mittlerweile bei den Profis in der Bundesliga (HBL) etabliert, vertritt den Verein bei der anstehenden Junioren-WM in Algerien.

Schon knapp eineinhalb Stunden bevor die Bundesligaprofis der MT Melsungen zur traditionellen Mannschaftsvorstellung im Melsunger Schlossgarten die Bühne betraten, beanspruchte der aktuelle Handballnachwuchs diesen exponierten Ort. Und das in einer Zahl, die gerade in den jüngsten Altersklassen für allgemeines Erstaunen sorgte. Mehr als die Hälfte der insgesamt über 160 Jugendlichen, die in der kommenden Saison in zehn Mannschaften für die mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen an den Start gehen werden, spielen bei den Minis oder in der E-Jugend. Das ist das herausragende Ergebnis sich stetig verbessernder Melsunger Aktivitäten, die eigene Basis in Zeiten allgemeiner Klagen über kleiner werdende Jugendabteilungen, insbesondere im ganz jungen Einstiegsbereich, spürbar zu verbreitern.

„Wir haben riesigen Zulauf. Es macht richtig Spaß, mit so vielen Kindern zu trainieren“, berichteten Stefan Döring (Guxhagen), Ivonne Hildebrand (Körle) und Jessica Fetzer (Melsungen) unisono. Ihren Mini-Teams sah man den Stolz, im mJSG-Trikot vor schon zu diesem frühen Zeitpunkt hunderten Zuschauern im Rampenlicht zu stehen, deutlich an. Auch dass jeder einzeln unter Namensnennung auf die Bühne gerufen wurde, sorgte bei den Jüngsten vielfach für Gänsehaut. Allerdings wirkte sich das auch auf die Nervosität aus, wie die Antworten auf Fragen nach den beliebtesten Idolen aus der Bundesliga-Mannschaft zeigten. Neben dem meistgenannten Neuzugang Tobias Reichmann befanden sich auffallend oft noch Johannes Sellin und Nenad Vuckovic, die beide künftig nicht mehr für die MT auflaufen, unter den Genannten.

Die E-Jugend geht mit zwei Mannschaften an den Start, von denen eine im Trainerstab für Erstaunen sorgte. Erstmals bietet die MT Melsungen im Rahmen der konzeptionellen Verzahnung von Sport und Schule einem ihrer Spieler die Möglichkeit, sein Praxisjahr zum Fachabitur als Jugendtrainer innerhalb des Vereins zu absolvieren. Glenn Eggert, „im Nebenjob“ Torhüter der Bundesliga-A-Jugend der mJSG, ist Vorreiter dieser Ausbildungsform, die Jugendlichen der MT eine weitere Möglichkeit der Persönlichkeitsentwicklung bieten kann. Ihm zur Seite steht mit Jonas Koch ein weiterer A-Jugendlicher, der bei der MT Melsungen ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert.

Auch die D-Jugend hat eine Besonderheit zu bieten: „Unsere Mannschaft mit 16 Spielern besteht ausschließlich aus Spielern des jüngeren Jahrgangs. Wir haben hier die fast einmalige Chance, ein hoch talentiertes Team über vier Jugendklassen hinweg geschlossen weiter zu entwickeln. Vielleicht sogar bis in die Bundesliga“, sagte Trainer Sascha Henkel. Er muss es beurteilen können, denn in der vergangenen Saison saß er noch in eben dieser Jugendbundesliga auf der Bank.

Bereits jetzt hochklassig wird es ab der C-Jugend, die ebenfalls mit zwei Mannschaften in den Spielbetrieb startet. Wie schon letztes Jahr ist die Qualifikation für die Oberliga als höchst erreichbare Klasse geschafft und es gilt, dem Vorjahreserfolg mit der hessischen Vizemeisterschaft möglichst nahe zu kommen. Ähnliches gilt auch für die B-Jugend, die einen glatten Durchmarsch durch die Landesliga hinlegte und diesmal ebenfalls die Oberliga Hessen unsicher machen will. Dazu werden bis zu sechs Trainingseinheiten pro Woche investiert, wie Co-Trainer Christian Kördel in Vertretung für Georgi Sviridenko erklärte, um den gestiegenen Anforderungen gerecht werden zu können.

Ganz klar das Aushängeschild der männlichen Jugendspielgemeinschaft ist die A-Jugend, die zum dritten Mal in Folge die Qualifikation für die Jugendbundesliga geschafft hat. Auf dem Papier erscheint die Aufgabe nicht leicht, weil ebenfalls nur drei Spieler dem älteren Jahrgang angehören. „Der komplette Rest ist Jahrgang 2000 oder jünger“, berichtete Trainer Björn Brede, der im B-Schein-Inhaber Florian Mayenschein für den zur D-Jugend gewechselten Henkel einen neuen Partner mit auf der Bank hat. Als Ziel gilt trotz „sicher einer der jüngsten Bundesligamannschaften überhaupt“ (Brede) Platz sechs in der Staffel West, der die automatische Qualifikation für ein weiteres Jahr im Oberhaus bedeuten würde.

Dass eine Mannschaft auf einen errungenen Aufstieg verzichtet, ist in oberen Amateurklassen nicht selten. Meist sind es finanzielle Gründe, die dafür verantwortlich zeichnen. Anders bei der MT Melsungen. „Wir wären nur noch eine Klasse unter unserer Zweiten gewesen und wollten ihnen nicht noch zusätzlichen Druck machen“, witzelte Trainer André Sperl. Um den wahren Grund dann nachzuschieben: der mittlerweile eingeschworenen Gemeinschaft geht es in erster Linie um das kameradschaftliche, lockere Miteinander, das eine Klasse höher fast zwangsläufig den weit höheren Anforderungen wohl zum Opfer fallen würde. Eine ebenso kuriose wie bewundernswerte Einstellung zum Sport, die Anerkennung und Beifall erntete. Nichtsdestotrotz wartete die Melsunger Dritte mit einem spektakulären Neuzugang auf: Petr Hruby. „Wohl einmalig, dass sich ein Bezirksligist mit einem tschechischen Nationalspieler verstärkt. Wir werden ihn behutsam an unser Niveau heranführen“, kommentierte Sperl trocken und hatte die Lacher erneut auf seiner Seite.

Weniger lustig ging es bei der Bundesliga-Reserve zu, die nicht nur den Abstieg aus der Oberliga verkraften musste:  nur vier Spieler  verbleiben aus dem alten Kader. Zudem humpelte Christian Damm an Krücken auf die Bühne und erklärte, dass der Gips erst frisch dran ist und die Genesung noch eine Weile dauern könnte. Insgesamt präsentierte sich die „Zweite“ runderneuert, auch wenn mit Rückkehrer Philipp Hartung, dem letztjährigen Jugendbundesligisten Luca Hagemann, den Jugendlichen Lukas Dexling und Laurien Goujard sowie, unter viel Beifall der Fans, Max Pregler als weiterer Rückkehrer viele bekannte Gesichter zum Kader stoßen. Prominent ist in jedem Fall der neue Co-Trainer von Chefcoach Gerorgi Sviridenko. Aus dem Profikader heraus wird der Ex-Olympiasieger von Gabor Langhans unterstützet, der sich nach schwerer Verletzung weiter in Rehabilitation befindet.

Am Ende gab es noch ein besonderes Bonbon für den Jugendförderverein. „Wir unterstützen die Mannschaften mit Materialien, geben Zuschüsse für Teilnahmen an großen Turnieren wie zuletzt Berlin und Paris und unterstützen Familien, deren Kinder sonst nicht ihrem Lieblingssport nachgehen könnten, beispielsweise mit Beteiligung an Fahrtkosten“, skizzierte Vereinsvorsitzender Uwe Lohmann die Zielsetzung der MT-Jugendförderung. Dafür gab es vom Fanclub „Die Trommler“ einen Scheck über 500 Euro Gewinn, die beim erstmals veranstalteten vereinsinternen Turnier zwar nicht ganz erzielt, aber aus der Kasse des Fanclubs entsprechend aufgestockt wurden. Eine beispielhafte Aktion, die nicht weniger Beifall erhielt als die Nennung von Erfolgen wie Jugendzertifikat oder der geschlossenen Jugendpräsenz der MT Melsungen in den obersten Spielklassen.

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