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Er musste nach den Verletzungen von Martin Reinbold und Max Pregler als Kreisläufer ran: Adam Kiss; hier zwar frei durch, aber ohne Wurfglück. (Foto: WMK)

Oberliga: Ganz stark gekämpft und am Ende nicht nur die zwei Punkte verloren

Trotz toller kämpferischer Leistung hat es für die MT Melsungen 2 beim Spitzenreiter der Oberliga Hessen nicht zu einem Punktgewinn gereicht. Doch schwerer als die 19:27 (8:12)-Niederlage bei der ESG Gensungen/Felsberg wog der Verlust von gleich drei Spielern, die sich im Laufe der 60 Minuten verletzten. Dabei war die Partie längst nicht so klar, wie es das Ergebnis Glauben macht.

Nach acht Minuten rieben sich über siebenhundert Zuschauer in der Gensunger Kreisporthalle verwundert die Augen. Erst ein einziges Tor war den Gastgebern bis dahin geglückt, und das auch noch per Siebenmeter. Jan Hendrik Otto hatte zum 1:0 getroffen, danach war Flaute angesagt. Oder besser: Melsungens Abwehr spielte mit dem Brüderpaar Max und Ole Pregler im Innenblock ganz stark auf. Weil dahinter Daniel Kocsis sofort hellwach war, zeigte die Anzeigetafel nach eben jenen acht Minuten ein vollkommen verdientes 1:4 an.

Fast ebenso lange brauchten die Bartenwetzer dann allerdings bis Treffer Nummer fünf. Es fehlte der Druck aus dem Rückraum, weil Max Pregler durch die Verletzung von Martin Reinbold nach Foul vom Christoph Koch an den Kreis beordert wurde. Die Gastgeber nutzten das, waren nach Cornelius Feurings Ausgleich zwischenzeitlich wieder auf Augenhöhe und hatten darüber hinaus durch Otto sogar schon einen weiteren Siebenmeter vergeben, den der eingewechselte Glenn-Louis Eggert an die Latte lenkte. Es war also gleich mal so richtig Feuer drin im Derby.

Allerdings mit ausgesprochen magerer Torausbeute. Behielt die MT zunächst bis zu Ole Preglers 5:7 (19..) die Nase vorn, brachte Benedikt Hütt die Hausherren per Tempogegenstoß zum 8:7 erstmals in Führung (23.). Was Malvin Haeske trotz Unterzahl nach der bereits zweiten Strafe gegen Max Pregler ausglich. Danach allerdings ging bis zur Pause gar nichts mehr für die Rot-Weißen. Im Angriff mit Unkonzentriertheiten und Ballverlusten, hinten nicht schnell genug zurück in der Verteidigung – die ESG konterte Melsungen eiskalt aus und ging - dem Spielverlauf überhaupt nicht entsprechend - mit einem satten Polster in die Pause.

Was viele schon als eine kleine Vorentscheidung sahen, diente den Gästen als Motivation für mehr. Inzwischen mit einer 5:1-Deckung agierend, in der Nino Jedinak die Kreise von Vince Schmidt dermaßen einengte, dass Kreativität in Gensungens Angriffsspiel zum Fremdwort wurde. Wie schon zu Spielbeginn war ein verwandelter Siebenmeter von Jan Hendrik Otto alles, was die Grün-Weißen in zähen neun Minuten bejubeln durften. Und es war nicht zuletzt Torhüter Marc Lauterbach zu verdanken, dass Melsungen in dieser Phase nach Nino Jedinaks formidablen Sprungwurf aus dem Rückraum lediglich bis auf 11:13 aufschließen konnte (39.).

Auch nach Benedikt Hütts erstem ESG-Feldtor der zweiten Hälfte blieb die MT am Drücker. Adam Kiss blieb nervenstark von der Siebenmeterlinie, Vlad Avram zirkelte das Leder aus spitzem Winkel ins lange Eck zum 13:14 (42.). Den möglichen Ausgleich verhinderte wieder Lauterbach reaktionsschnell gegen David Kuntscher, dann wurde es erst laut in der Halle, anschließend beängstigend leise. Max Pregler war in einen langen Pass von Marc Lauterbach auf Mike Gerhold gesprungen, hatte nach Kontakt mit Gensungens „4“ die Körperkontrolle verloren und war aus gut eineinhalb Metern Höhe auf den Hallenboden gekracht, ohne sich dabei irgendwie abfangen zu können. Für ihn ging es nach minutenlanger Behandlung auf dem Feld direkt ins Krankenhaus, für Gerhold auf die Strafbank.

Trotz dieses Zwischenfalls blieb die MT noch spielbestimmend. Nachdem Vince Schmidt zum wiederholten Male an Daniel Kocsis gescheitert war, stand dem erneuten Ausgleich bei Vlad Avrams Versuch nur der Pfosten im Weg. Verdient wäre er allemal gewesen, nachdem die Deckung der Rot-Weißen den sonst so starken Angriff des Tabellenführers eine satte Viertelstunde neben dem erwähnten Siebenmeter bei genau einem einzigen Feldtor gehalten hatte. Was fehlte, war die Belohnung in Form von eigenen Treffern. Und das sollte sich rächen. Weil Franco Rossels 15:13 nach Kempa-Anspiel von Otto die grün-weißen Emotionen wieder weckte und Lauterbach mit dem parierten Siebenmeter von Kiss sofort nachlegte (45.).

Bis auf 19:14 zog die ESG davon (51), durfte sich der Punkte aber dennoch längst nicht sicher sein. Denn auch wenn jugendliches Ungestüm für zu viele Ballverluste im Vorwärtsgang sorgte, war gerade Ole Pregler nur schwer in den Griff zu bekommen. Sein 20:17 (54.) ließ die Gäste noch einmal hoffen, dann nahm Gensungens Trainer Arnd Kauffeld in weiser Voraussicht das Tempo mittels einer Auszeit raus. Wohl gerade noch rechtzeitig und mit dem gewünschten Effekt: Franco Rossel und Vince Schmidt erhöhten wieder auf 22:17 (56.).

Es war die Vorentscheidung, auch weil die Gäste direkt danach den nächsten Schlag hinnehmen mussten. Vlad Avram wurde auf außen im Sprungansatz von Rossel abgeräumt, was die Referees regelkonform direkt mit der Roten Karte bestraften (57.). Zum Vorteil gereichte das nach dem dritten verletzungsbedingten Ausscheiden eines Spielers verständlicherweise nicht mehr, zumal Eugen Gisbrecht den fälligen Siebenmeter nicht an Marc Lauterbach vorbei brachte. Allerdings war das Spiel zu diesem Zeitpunkt ohnehin bereits „durch“ und das nachfolgende Schaulaufen der Gastgeber nicht mehr von Bedeutung.

Wobei die Differenz von acht Toren schlussendlich nicht einmal ansatzweise widerspiegelt, dass eine geschlossen auftretende Melsunger Mannschaft den Tabellenführer in dessen eigener Halle phasenweise beherrschte und noch eine Viertelstunde vor Schluss am Rande eines Punktverlustes hatte. Dass nach den Verletzungen von Reinbold und Pregler nicht nur das Abwehrzentrum geschwächt war, sondern am Ende sogar Adam Kiss noch als Kreisläufer ran musste, wertet das Gegenhalten der MT2 zusätzlich auf, ohne jedoch die Leistung der Gensunger dadurch schmälern zu wollen. Es hätte trotz der Niederlage ein wirklich starkes, packendes Derby sein können - wenn es nur ohne Verletzte abgegangen wäre.

Statistik

MT2: Kocsis (13 Paraden, 24 Gegentore), Eggert (bei drei Siebenmetern, 1 P. / 2 G.), Herbst (n. e.)  – Haeske 1, M. Pregler 1, Jedinak 2, Avram 3, Kothe 2, O. Pregler 6, Reinbold, Gisbrecht 1, Fuchs, Kiss 3/3, Kuntscher – Trainer Georgi Sviridenko.

ESG: Lauterbach (16 P. / 18 G.), Voß (bei einem Siebenmeter, 0 P. / 1 G.) – Rossel 4, Gerhold 1, Hütt 4, Wachs 1, Schmidt 3, Otto 11/5, Feuring 2, Lippold, Koch 1, Kothe, Bieber – Trainer Arnd Kauffeld.

Z: 700 - SR: Reuther / Tobiasch (Idstein) - Strafen: 8 : 6 Minuten – 7m: 5/3 : 5/5.

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