News

Er musste sich seine zehn Tore hart erkämpfen. Hier setzt sich Malvin Haeske gegen Hagens Niko Bratzke und Christopher-Robin Funke durch. Louis Badenheuer (links) und Ole Pregler (rechts im Hintergrund) beobachten die Szene. (Foto: WMK)

JBLH: Zwei wichtige Punkte beim Torefestival in Hagen

In einem irren Offensiv-Spektakel behielten die MT Talents beim VfL Eintracht Hagen am Ende mit 37:36 (20:19) die Oberhand. Dass auf beiden Seiten die Torhüter dennoch glänzen konnten, unterstreicht das extrem hohe Tempo, das beide Mannschaften gingen. Melsungen bleibt damit gut im Rennen um die Qualifikation zur Meisterrunde der Jugendhandball-Bundesliga, Hagen muss auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen.

Das sah in der Anfangsviertelstunde allerdings ganz anders aus. Da entwickelten die Hausherren immensen Druck auf die Talents-Deckung, suchten konsequent den Körperkontakt und holten sich als Ergebnis reichlich Siebenmeter ab. Gleich drei in den ersten sechs Minuten, die allesamt Luca Klein verwandelte und damit half, sein Team mit 5:2 nach vorn zu bringen. Derart in die Defensive gedrängt leisteten sich die Melsunger einige Fehler im Spielaufbau und luden Hagen damit zu Treffern ein. Nach etwas mehr als zwölf Minuten stand es schon 9:4 und Trainer Björn Brede bat zur Auszeit.

Die Abwehrumstellung auf eine offensivere Variante half zunächst, den Rückstand nicht weiter anwachsen zu lassen. Zwar musste Ole Pregler nach einer unsanften Landung auf dem Hallenboden für einige Minuten raus, dafür sprang David Kuntscher in die Bresche. Kraftvoll und fast ansatzlos abgefeuert schlugen seine Geschosse im Gehäuse ein, dazu verkürzten Malvin Haeske und Ben Beekmann per Gegenstoß auf 12:9 (16.). Zwar stellte Niko Bratzke mit zwei Toren noch einmal auf 14:10 (18.), doch dann drehten die Nordhessen auf.

Schon während Pregler auf der Bank behandelt wurde, hatte Björn Brede auf einen Rückraum mit zwei Linkshändern gesetzt. Ein Kniff, auf den Hagen zunächst keine Antwort fand. Auch als der Spielmacher zurück kam, wich er auf die halblinke Position aus, was noch mehr Verwirrung stiftete. Zweimal Haeske, einmal Pregler, dazwischen Julian Fuchs mit einem frechen Heber zum Ausgleich und schließlich noch einmal Ole Pregler zur ersten Gästeführung mit 15:14 (23.) war die Folge. Bitter: bei einer Wurfaktion zwei Minuten später verletzte sich David Kuntscher und konnte den Rest der Partie nur noch als Zuschauer verfolgen. Dennoch gelang es, die knappe Führung mit in die Kabine zu nehmen.

Nach Wiederbeginn baute Jona Rietze, an den Kreis gerückt, zunächst sogar auf 22:20 aus (35.),  Luca Klein und Christopher-Robin Funke glichen zum 23:23 aus (38.). Sehenswert das 24:23, als Ole Pregler quer über die Abwehr auf Julian Fuchs passte, zentral durch die Deckung stieß und vom Rechtsaußen per Kempa-Anspiel zurück bedient wurde. Die nächste Zwei-Tore-Führung ließ auch nicht lange auf sich warten. Erzielt von Malvin Haeske zum 27:25, ehe Hagen durch klein abermals zum 28:28 ausglich. Damit nicht genug: Jan-Niclas Schneider holte sogar die Führung noch einmal zurück zum VfL (48.).

Die nächste Wende brachte die taktische Umstellung auf den siebten Feldspieler seitens der MT Talents. Eine Aufgabe, der Hagen zunächst nicht gewachsen war. Dazu kam, dass Jan-Lasse Herbst in dieser wichtigen Phase spektakulär zwei völlig freie Bälle vom Kreis parierte. Und der eingewechselte Moritz Goldmann im Siebenmeterduell gegen den vorher fünfmal von der Linie erfolgreichen  Luca Klein Sieger blieb. Die perfekten Vorlagen für Malvin Haeske, um den Vorteil zum 30:29 zurück zu holen (50.).

Die verbleibenden zehn Minuten zeigten ein Spiegelbild dessen, was in den zwanzig Minuten schon vorher abgelaufen war. Melsungen entschlossener und mit mehr Kraftreserven jeweils in Vorlage, Hagen mit dem Mute der Verzweiflung hinterher hechelnd. Julian fuchs baute sogar noch einmal auf zwei Tore Vorsprung aus (35:33, 56.), Günter Bürgin gelang per Siebenmeter zu Beginn der letzten Spielminute der 36:36-Ausgleich. Es war bis zuletzt ein Handball-Krimi auf höchstem Spannungs-Niveau in dem schließlich Malvin Haeske mit seinem zehnten Torerfolg 23 Sekunden vor Schluss zum Matchwinner avancierte. Denn trotz Auszeit und Mobilisierung der letzten Reserven war für die Gastgeber gegen entschlossen zupackende Melsunger nichts mehr zu machen.

Stimmen zum Spiel

Björn Brede: Wir hatten uns unter der Woche einiges vorgenommen. Die Mannschaft ist sehr selbstkritisch mit ihrer Leistung gegen Wetzlar umgegangen, hat sich intern zusammengesetzt und dann auch mit dem Trainerteam ausgetauscht. Als Ergebnis war der unbedingte Wille heute erkennbar, auch in der Abwehr. Dass Hagen den Ball schnell laufen lassen würde, wussten wir. Standen dann aber nicht kompakt genug. In der Auszeit haben wir auf unsere versetzte 5:1-Abwehr umgestellt, um die Kreuzbewegungen zu unterbinden. Danach sind wir zwar zurückgekommen und haben uns eine Pausenführung geholt, konnten uns aber nicht absetzen. Als letztes taktisches Mittel haben wir den siebten Feldspieler gebracht, um die Hagener hinten rein zu drücken. Das hat sich am Ende ausgezahlt. Außerdem muss ich sagen, dass wir heute eine ausgezeichnete Torhüter-Leistung hatten, die uns den Erfolg noch ermöglicht hat.

Matthias Grasediek: Das war ein cooles Trainer-Battle heute. Wir hatten unglaublich viele taktische Umstellungen auf beiden Seiten. Im Verlauf der ersten Halbzeit haben wir den Zugriff verloren. Später haben wir dann zwar gegen den Positionsangriff Melsungens gut agiert, hatten aber vorher schon einige Bälle liegen gelassen. Hut ab vor der Leistung dieser Mannschaft. Man sieht, dass sie unheimlich gut trainiert und ausgebildet ist. Wir müssen jetzt die zwei letzten Spiele einfach noch machen. Gegen Dutenhofen wird es schwer, die sind auch sehr stark. Gegen Saarlouis traue ich uns die Punkte zu.

Statistik

mJSG: Herbst (16 Paraden, 33 Gegentore), Goldmann (2 P. / 3 G.), Büde (n. e.)  – Haeske 10, Dobriczikowski 1, Badenheuer, Beekmann 3, Pregler 8, Rietze 2, Fitozovic 1, Andrei, Hellemann 4, Fuchs 4/1, Kuntscher 4 – Trainer Björn Brede.

VfL: Meißner (1 P. / 11 G.), Meyer (11 P. / 36 G.) – Bürgin 4/1, Bratzke 6, Blesch, Funke 8, Stock, Dresel 1, Klein 10/5, Micus 1, Isermann 1, Ingwald 2, Schneider 3, Panisic – Trainer Matthias Grasediek.

Z: 187 - SR: Hillebrand / Umbescheidt (Kaiserau) - Strafen: 10 : 4 Minuten – 7m: 1/1 : 7/6.

Monatsansicht

 60 Minuten Vollgas