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Er hatte einen durchwachsenen Tag: Ole Pregler musste sich besonderer Bewachung erwehren, visierte nicht immer optimal, erzielte aber trotzdem sieben Feldtore zum Unentschieden in Gummersbach. (Foto: WMK)

JBLH: Hoch hinten, hoch vorn, am Ende ausgeglichen

Ein Spiel wie die Umgebung, in der es stattfand. Nach einer Berg- und Talbahnfahrt brachten die MT Talents von Gastspiel beim VfL Gummersbach immerhin noch einen Punkt mit aus dem Bergischen Land. Drohten dabei zuerst unterzugehen, dominierten dann klar und mussten nach einem gehörigen Schlingerkurs in der zweiten Hälfte letztlich mit dem 29:29 (17:15)-Unentschieden zufrieden sein.

Los ging es für die Nordhessen aber nach eigentlich passablem Start und David Kuntschers 2:2 (3.) zunächst einmal steil nach unten. Zu schnell, zu hektisch, zu ungenau – und hinten viel zu brav. Die Gastgeber wussten kaum, wie ihnen geschah, so einfach war es, die Melsunger Deckung auszuhebeln. Und das von praktisch allen Positionen. Nach Julius Fangers 7:3 (11.) nahm Trainer Björn Brede früh die erste Auszeit, hatte damit aber keinen Erfolg. Im Gegenteil erhöhten Gabriel Viana nach technischem Fehler der Gäste über die erste Welle und anschließend hatte Max Keil alle Zeit der Welt, den Abpraller nach Jannik Büdes Parade zu angeln und zum 9:3 zu versenken (14.).

Erst danach besannen sich Ole Pregler und seine Nebenleute, fanden Lösungen und generierten aus einer umgestellten Deckung Ballgewinne. Ben Beekmann traf im Gegenstoß, Julian Fuchs von der Siebenmeterlinie und Pregler aus dem Rückraum. Allein Torhüter Dennis Stöcker rettete dem VfL mit seinen starken Reaktionen vorerst noch die 14:11-Führung (24.), musste sich dann aber auch den immer zwingenderen Aktionen der MT Talents geschlagen geben. Vor allem die Fraktion der Linkshänder mit Julian Fuchs, Malvin Haeske und David Kuntscher ließ  nichts mehr liegen, holte zum 14:15 (27.) die erste Führung. Der eingewechselte Jan-Lasse Herbst hielt hinten den Kasten sauber, Lasse Hellemann erhöhte zur Pause auf plus zwei.

Ein Trend, der sich nach dem Seitenwechsel zunächst manifestierte. Die Melsunger erhöhten durch zweimal Kuntscher und einmal Pregler schnell auf 20:15 (34), stellten dann aber abrupt das Spielen ein. Geschuldet einer wesentlich defensiveren VfL-Abwehr, die kaum noch etwas durchließ. Statt aber geduldig auf die Lücken zu warten oder selbst welche zu reißen, ergingen sich die rot-weißen Angreifer in fruchtlosen Einzelaktionen. Gummersbach glich nicht nur aus, sondern vollendete seinen 6:1-Lauf mit Julius Fangers Wurf aus dem Handgelenk flach durch die Deckung hindurch zum 21:21 (43.).

Fortan waren die Gastgeber wieder die Herren auf dem Spielfeld. Melsungen vergab reihenweise beste Gelegenheiten, Gummersbach traf. Zwar nicht bei jedem Angriff, aber das brauchte es bei den Nachlässigkeiten seitens der Gäste auch gar nicht. Loic Kaysen stellte mit zwei schönen Treffern sogar wieder auf 25:23 (52.). Erst danach regte sich wieder etwas bei den zuvor kaum noch präsenten Nordhessen. Julian Fuchs glich mit einem Doppelschlag aus, Ole Pregler holte die Führung nach gut einem halben Dutzend Fehlversuchen zum 26:27 zurück (57.).

Die letzten 200 Sekunden boten die ganze Palette an Aufs und Abs des Handballs. Strafzeit gegen Ben Beekmann, den Siebenmeter verwandelte Mathis Haaeseler zum Ausgleich. In Unterzahl gelang David Kuntscher der nächste Treffer, gekontert umgehend durch Till Malek. Da waren noch zwei Minuten auf der Uhr. Als Rene Andrei auch noch runter musste, waren es noch genau zwei Minuten. Trotzdem gelang der Ballgewinn, David Kuntscher scheiterte jedoch an Dennis Stöcker. Julian Athanassoglou traf mit 42 Sekunden Rest gegen vier verbliebene Melsunger zum 29:28.

Die im Vorwärtsgang natürlich in Unterzahl nicht viel reißen konnten. Mit zehn Sekunden Rest holte Julius Fanger den wurfbereiten Ole Pregler aus der Luft, der VfL-Anhang jubelte bereite. Doch Julian Fuchs behielt die Nerven. Ausgleich mit fünf Sekunden auf der Uhr, die den Gastgebern dann nicht mehr reichten, um den Ball noch einmal nach vorn zu tragen. Packendes Ende einer Partie, die zweimal zuvor schon drohte langweilig zu werden und dann in einem furiosen Endspurt begeisterte.

Stimmen zum Spiel

Björn Brede: Wir haben ganz schlecht ins Spiel gefunden. Nach einer Viertelstunde dann aber gesteigert und sind mit plus zwei in die Halbzeit gegangen. All das, was wir bis dahin gut gemacht hatten, wollten wir auch weiter so machen. Dann stellte Gummersbach aber auf eine defensive 6:0-Deckung um und wir wurden sofort viel zu ungeduldig. Statt nochmal breit zu spielen und zur Not auch mal ein Zeitspiel zu riskieren kamen die Würfe zu früh oder der Ball sollte zu früh an den Kreis. Es gibt nunmal solche Phasen, wo alles geht und dann wieder welche, wo nichts klappt. Und genau die müssen wir einfach geduldiger spielen. Am Ende müssen wir dann mit dem einen Punkt sogar zufrieden sein.

Alois Mraz: Da mussten heute beide Mannschaften rausholen was geht. Uns hat nach gutem Beginn die Umstellung der Melsunger auf eine 5:1-Deckung aus dem Konzept gebracht. Dann haben wir selbst aber umgestellt und es lief in der zweiten Halbzeit wieder besser. Das war ein spannendes Spiel, wir haben viel gesehen. Am Ende passt das Unentschieden glaube ich für beide Mannschaften.

Statistik

mJSG: Büde (3 Paraden, 11 Gegentore), Herbst (6 P. / 9 G.), Goldmann (4 P. /9 G.)  – Haeske 1, Dobriczikowski, Badenheuer, Beekmann 3, Ebner, Pregler 7, Fitozovic 1, Andrei, Hellemann 3, Fuchs 7/3, Kuntscher 7 – Trainer Björn Brede.

VfL: Stöcker (10 P. / 21 G.), Werz (4 P. / 8 G.) – Viana 2, Rückriem, Fanger 5, Keil 2, Haeseler 6/3, Kaysen 5, Schmidt, Malek 3, Athanassoglou 1, Kiesler 5, Redmann – Trainer Alois Mraz.

Z: 200 - SR: Brandt, Thies (Vlotho) - Strafen: 8 : 8 Minuten – 7m: 5/3 : 3/3.

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