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Seine Aufmerksamkeit in der Deckung zahlte sich aus: mehrfach stahl sich Vlad Avram Bälle zum erfolgreichen Tempogegenstoß. (Foto: WMK)

Oberliga: Punkteteilung in der vorletzten Sekunde

Einen Punkt gewonnen oder einen verloren? Diese Frage stellte sich der MT Melsungen 2 nach ihrem 32:32 (17:15)-Krimi bei der TSG Münster. Eine Halbzeit dominiert, die andere phasenweise regelrecht verschlafen und ins Hintertreffen geraten. Zurückgekämpft mit einer erneuten Führung, die bis genau eine Sekunde vor dem Abpfiff hielt. Ein Wechselbad der Gefühle in einem Hexenkessel, der es auch den beiden Referees nicht leicht machte, die Übersicht zu behalten und das rechte Maß zu finden.

Aber der Reihe nach. Da fing es fantastisch an für die Nordhessen, die eine ganz starke Deckung stellten. Mir den Pregler-Brüdern Max und Ole im Zentrum, die alles perfekt zusammen hielten. Folgerichtig kam es zu einer Vielzahl von Ballgewinnen, die mit nahezu perfektem Umschaltspiel nach vorn getragen wurden. Was im Gegenstoß oder über die erste Welle zum Abschluss kam, was meist drin. Der Positionsangriff hingegen offenbarte einige Unkonzentriertheiten. So kam es zu einer 5:1-Führung nach sechs Minuten, die Max Pregler und Martin Reinbold, als Linksaußen immer wieder neben Pregler als zweiter Kreisläufer einrückend, zum 8:4 weiter konstant hielten. Kurios, dass TSG-Torhüter Moritz Rausch dabei auf wesentlich mehr gehaltene Bälle kam als Daniel Kocsis.

Beleg für die famose Deckung, die ihrem Keeper kaum Arbeit übrig ließ. Das setzte sich trotz kurzzeitigen Münsterer Aufbegehrens auf 6:8 (15.) bis zum 7:12 fort. Bezeichnenderweise erzielt per Tempogegenstoß von Vlad Avram, nachdem er sich das Leder selbst stibitzt hatte (19.).  Trotz gesteigerter Münsterer Bemühungen um einen Anschluss hielt die MT ihren Gegner auf Distanz. Was Sebastian Jacobi und Bastian Schwarz versuchten abzuknabbern, packten  die Melsunger im Kollektiv über wechselnde Torschützen wieder drauf. Bis nach Martin Reinbolds 12:16 (26.) doch Sand ins Getriebe kam. Merlin Kothe musste für zwei Minuten raus, über zwei Siebenmeter verkürzten die Gastgeber zur Halbzeit hin.

Um direkt nach Wiederbeginn gleich um zwei Gänge hochzuschalten. Im Gegensatz dazu wirkten die Nordhessen schläfrig. Glenn Eggert, nach der Pause schon als dritter Torhüter gebracht, bekam keine Hand an den Ball. Zweimal Klaudio Hranjec und Höllebrand glichen binnen nicht einmal drei Minuten zum 18:18 aus und konnten diesen Lauf nach Max Preglers Tor auch fortzusetzen – die Gastgeber führten durch Höllebrand erstmals in diesem Spiel 20:19 (35.) und hatten unübersehbar Oberwasser.

Der knappe Vorteil hielt bis Benjamin Dautermanns 23:22 (42.), dann sorgte der zurückgekehrte Daniel Kocsis mit zwei feinen Paraden wieder für etwas mehr Stailität in der Hintermannschaft. Was Vlad Avram und Max Pregler, wieder wie zu Beginn über Ballgewinn in der Defensive, zur erneuten Wende nutzten. Da war das in der ersten Hälfte eher unspektakuläre Spiel längst zu einem Abnutzungskampf geworden. In dem Jona Gruber und Tomas Piroch beim 24:26 (46.) sogar wieder einen kleinen Puffer erarbeitet hatten.

Es wurde härter, es wurde hektisch. Und es wurde unübersichtlich für die Unparteiischen, die erst Jona Gruber auf die Bank schickten, dann kurz darauf auf der Gegenseite Sebastian Jacobi. Den Durchblick behielt Vlad Avram: nächster Steal, nächster Tempogegenstuß, nächstes Tor: 26:29 (51.). Gefolgt sofort von einer Auszeit der Gastgeber, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Zunächst konnten Daniel Kocsis mir einem gehaltenen Siegenmeter gegen Jacobi und Jona Gruber mit dem 27:30 (55.) noch dagegen halten, dann setzte sich das zunehmend aggressive Spiel der Gastgeber durch – mit Folgen auf der anderen Seite.

Denn nach Jonas Höllebrands 29:30-Anschluss und einem durch starke Abwehrarbeit erzwungenen technischen Fehler im MT-Angriff vermochte zwar Tomas Piroch noch einmal zwei Tore dazwischen zu legen (57.), doch dann überschlugen sich die Ereignisse. Erst sah Jona Gruber nach seiner dritten Zeitstrafe Rot, dann machte Bastian Schwarz den Anschluss (58.). Zwei sehr schnell gehobene Arme zur Anzeige passiven Spieles erzwangen Notwürfe von Tomas Piroch und Max Pregler, die beide Beute von Moritz Rausch wurden. Im direkten Gegenzug stoppte Max Pregler Bastian Schwarz per Foul und sah ebenfalls, diesmal direkt, den roten Karton.

Doppelte Unterzahl also mit 53 Sekunden Rest auf der Uhr und Unentschieden, denn den durch das Pregler-Foul fälligen Siebenmeter hatte Marc Zelser sicher verwandelt. Dennoch behielten die Rot-Weißen die Nerven. Mit Ole Pregler fasste sich der jüngste Akteur auf dem Feld ein Herz, übernahm Verantwortung und traf zum 31:32 zwölf Sekunden vor dem Ende. Was nach der letzten möglichen Auszeit durch Alexander Adamski kam, war klar – und auch nicht mehr zu verteidigen. Siebter Feldspieler gegen vier verbliebene Melsunger, breit angelegtes Spiel und ein allerletzter, aus MT-Sicht leider erfolgreicher Abschluss durch Rechtsaußen Benjamin Dautermann exakt eine Sekunde vor Ultimo zum Ausgleich. Und zu einem gewonnenen Melsunger Auswärtspunkt, der sich ein Stück weit schon so anfühlte wie ein verlorener.

Statistik

MT2: Kocsis (8 Paraden, 21 Gegentore), Herbst (1 P. / 5 G.), Eggert (0 P. / 6 G.)  – M. Pregler 8, Piroch 5, Gruber 7, Avram 4, Kothe 1, Damm, O. Pregler 1, Reinbold 4, Gisbrecht 2/2, Fuchs, Kuntscher – Trainer Georgi Sviridenko.

TSG: Rausch (10 P. / 17 G.), Spiranec (4 P. / 15 G.) – Zelser 1/1, Hranjec 4, Höllebrand 8, Schwarz 6, Frieman 1, Kunz 2, Dautermann 6, Ikenmeyer, Panther, Jacobi 4/2, Gonzales Borja, Denhard – Trainer Alexander Adamski.

Z: 150 - SR: Kocak / Schmidt (Schierstein) - Strafen: 16 : 6 Minuten – Disqualifikation: Gruber (MT2, 3x2 Min. 58.), M. Pregler (MT2, Foulspiel 59:07) - 7m: 2/2 : 4/3.

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