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Spiel verloren, aber über diese erfolgreiche Saison viele Herzen gewonnen. Nach dem Abpfiff galt der Dank den Fans, die auch in Flensburg wieder hinter ihrer Mannschaft standen. (Foto: WMK)

DM A-Jugend: Den großen Wurf verpasst, aber die Herzen gewonnen

Es hat nicht sollen sein. Nach der Niederlage im Hinspiel unterlag die mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen auch im Rückspiel des Halbfinales um die Deutsche Meisterschaft bei der SG Flensburg-Handewitt mit 27:36 (14:19). Nach starkem Beginn und einer Führung Mitte der ersten Hälfte ließen die Nordhessen bis zur Pause zu viele Möglichkeiten gegen den überragenden SG-Schlussmann Johannes Jepsen liegen. Dennoch enttäuschten die MT Talents überhaupt nicht, stellten den hohen Favoriten immer wieder vor Aufgaben und konnte insbesondere im Spiel mit zwei Kreisläufern punkten. Das individuell starke Team von Trainer Michael Jacobsen wusste die ihm gestellten Aufgaben jedoch zu lösen und zog am Ende verdient ins Finale um den nationalen Titel gegen den Nachwuchs der Rhein-Neckar Löwen ein.

Die Grundlage zur großen Überraschung war in der Anfangsphase eigentlich gelegt. Glenn Eggert präsentierte sich hellwach und auf dem Posten beim ersten Wurf von Jörn Persson, Julian Fuchs abgebrüht beim Verwandeln der ersten Melsunger Chance. Zwar kassierte Jona Gruber noch vor Ablauf der ersten Spielminute sofort eine Strafe wegen allzu offensiver Abwehr gegen Marek Nissen und kamen die Gastgeber in Überzahl zu zwei Treffern zur Führung, aber Tomas Piroch hielt dagegen – 2:2 (3.).

Bis hierher lief beinahe alles wie geplant, inklusive Mitgehens des von der SG angeschlagenen hohen Tempos. Weil Flensburg konsequent die direkten Zweikämpfe suchte und sich die mJSG in die Falle locken ließ, brachten zwei Siebenmeter den Vavoriten in Vorteil, den Niels Versteijnen auf 5:2 ausbaute (9.). Pech für die Nordhessen, dass sowohl Julian Fuchs als auch Jona Gruber zwischenzeitlich nur Holz trafen statt ins Netz.

Ole Pregler machte es genauer, dann hatte Max Bieber seinen zweiten Versuch von der Siebenmeterlinie. Nach verworfener erster Möglichkeit stand es nur noch 5:4 (10.). Und es wurde noch besser. Tomas Piroch ging kraftvoll in die Offensive, zog zwei Gegner auf sich und spielte dann den überlegten Pass auf Linksaußen Jan Dobriczikowski. Der nächste Streich von Julian Fuchs drehte die Partie zum 6:5 für die MT Talents (12.)

Es begannen die starken Minuten von Jaris Tobeler. Drei Treffer des Rechtsaußen bedeuteten das 9:7 für Flensburg (17.) und nach einer nur kurzen Erholphase der Gäste schlug dann Niels Versteijnen zu. Vom 12:8 (22.) bis zum 16:11 (26.) gelangen dem holländischen Juniorennationalspieler vier blitzsaubere Feldtore. Nach Jörn Perssons Doppelschlag zum 19:13 und Ballverlust der Talents in der Vorwärtsbewegung schien es noch vor der Pause auf die Vorentscheidung hinauszulaufen. Die Rückeroberung des Spielgeräts und Max Biebers entschlossener Vorstoß zögerten sie aber noch hinaus.

Obwohl die Norddeutschen mit dem besseren Start in die zweite Hälfte aufwarteten und durch Jörn Persson, Jaris Tobeler und Marek Nissen auf 22:14 erhöhten (36.), lief die Partie für Melsungen nicht wirklich schlecht. Einzig die abschlüsse passten nicht. Oder anders: Johannes Jepsen sorgte dafür, dass für seine Mannschaft nichts anbrannte. Allein gegen Tomas Piroch zeigte der Torhüter zweimal fast artistisches Können. Erst Nikita Pliuto schaffte es zweimal aus der Nahdistanz, ihn zu bezwingen (16:24, 48.).

Noch immer versuchten die Melsunger alles, doch noch einmal eine Wende herbeizuführen. Mikulas Cejka traf, Julian Fuchs ebenfalls. Der nächste Versuch des quirligen Rechtsaußen landete als Aufsetzer allerdings leider nur an der Latte. Ein Produkt des immer wieder gut funktionierenden Spiels mit zwei Kreisläufern, das den Außen Räume und eine Reihe guter Möglichkeiten bescherte. Für SG-Trainer Michael Jacobsen zu viele. Denn er nahm zeitig eine Auszeit und justierte das Defensivspiel neu (24:18, 43.).

Mit Erfolg. Die Konzentration fuhr wieder hoch, Torhüter Johannes Jepsen legte mit besser werdender Unterstützung seiner Vorderleute noch einmal zu und parierte glänzend gegen Mikulas Cejka. Jörn Persson und Niels Versteijnen erhöhten auf 26:18 und hatten den Einzug ins Finale damit eine Viertelstunde vor dem Abpfiff bei elf Toren Vorsprung inklusive der drei aus dem Hinspiel endgültig sicher.

Wo andere Mannschaften endgültig zusammengebrochen wären, da zeigten die MT Talents Einstellung und Moral. In einem offenen Schlagabtausch halfen sie tatkräftig mit, die Stimmung in beiden Fan-Lagern hoch zu halten. Ob David Kuntschers Strich aus neun Metern in den langen Winkel, Nikita Pliutos Doppelschlag vom Kreis zum 23:29 oder Björn Wenderoths Volltreffer in den leeren Kasten auf der gegenüberliegenden Seite zum 25:32 (56.) – es gab noch reichlich Applaus, und den auch vom gegnerischen Publikum. Wobei der Support durch die eigenen Fans weit weg von zu Hause einmal mehr überragend war.

Dass die Niederlage mit neun Toren letztlich um einige zu hoch ausfiel, tat dem Stolz über das zuvor Erreichte keinen Abbruch. Die SG Flensburg-Handewitt war über die beiden Spiele gesehen sicher der verdiente Sieger. Allerdings war auch deren Coach Jacobsen hinterher voll des Lobes ob der gezeigten Leistung der Nordhessen. Die ließen die Köpfe nur kurz hängen, wünschten ihren Bezwingern alles Gute im Finale gegen die Rhein-Neckar Löwen und schalteten schnell um in den Feier-Modus. Wissend, dass sie Großes geleistet haben in dieser so erfolgreichen Saison.

Statisik

mJSG: Eggert (5 Paraden / 21 Gegentore), Herbst (2 P. / 8 G.), Wenderoth (1 Tor, 2 P. / 7 G.); Dobriczikowski 1, Piroch 2, Gruber 2, Damm 1, Pregler 3, Bieber 3/2, Fuchs 6/3, N. Pliuto 5, Cejka 1, M. Pliuto 1, Kuntscher 1 – Trainer Björn Brede.

SG: Jepsen (15 P. / 24 G.), Scheie (1 P. / 3 G.); Fuhlendorf, Schnoor 1, Versteijnen 11, Mau 1, Kooji 3, Tobeler 9/4, Carstensen, Holpert 2, Nissen 1, Persson 4, Ebeling 2, Kirschberger 2 – Trainer Michael Jacobsen.

Z: 284 - SR: Blümel / Loppaschewski (Berlin) - Strafen: 8 : 12 Minuten – 7m: 7/5 : 5/4.

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