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Hoch konzentriert, nervenstark, fokussiert auf den Erfolg mit der Mannschaft und inzwischen ein halber Nordhesse: David Kuntscher, hier beim Siebenmeter. (Foto: KAE)

JBLH: "Ei, Gude ..." - "Hä? Was is' los? Was willste?"

Zwölf Monate ist David Kuntscher jetzt bei der mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen. Da kann man mal nachfragen, ob bisher alles wunschgemäß gelaufen ist oder ob es so weit weg von zu Hause nicht doch Zweifel an der Entscheidung gibt. Aus dem Rückraum der B-Jugend ist der Linkshänder längst nicht mehr wegzudenken, in der A-Jugend bekommt er regelmäßige Einsatzzeiten. Darüber hinaus ist er seit Januar Nationalspieler.

Sechs Fragen an David Kuntscher

- Dave, Du bist jetzt genau ein Jahr bei uns in Melsungen. Wie kam's und wie fällt Deine Bilanz bisher aus?
Die Anfrage aus Melsungen kam vorletztes Jahr im Oktober. Ich habe mich gefreut und war auf das Training und die Sportler-WG gespannt. Nach meinem Probetraining und einer Probewoche in der WG habe ich mich dann entschieden, dass ich diesen Schritt gehen möchte, so ein Angebot bekommt man ja auch nicht jeden Tag. Rückblickend kann ich sagen, dass der Weg, nach Melsungen zu gehen, für mich genau der Richtige war. Neben den sportlichen Erfolgen, wie der Hessenmeistertitel und die Teilnahme an der deutschen Meisterschaft, habe ich in Melsungen, in der Mannschaft und dem Verein viele tolle Leute kennen und schätzen gelernt. Durch das gute Training und die Unterstützung der MT ist es mir gelungen, in den erweiterten Kader der Jugendnationalmannschaft zu kommen und ich konnte bereits zwei Länderspiele absolvieren. Außerdem durfte ich bereits einige A-Jugendbundesligaspiele für die MT bestreiten.

- Als Südhesse in Nordhessen - Hand auf's Harz, wie groß war der Kulturschock?
Naja am Anfang hat man schon den Unterschied gemerkt. Die Umgangssprache war am Anfang denke ich der größte Unterschied. Bei der Begrüßung mit dem südhessischen „Gude“ wurde ich erstmal komisch angeguckt ????. Aber: Ich habe mich schnell und problemlos angepasst. Ich fühle mich wirklich sehr wohl im Schwalm Eder Kreis.

- Mit gerade 16 von zu Hause weg und in rein eine WG mit größtenteils Gleichaltrigen. Wie war das für Dich als Geschwisterlosen?
Natürlich war das eine große Umstellung für mich. Wenn man plötzlich mit sieben anderen Spielern unter einem Dach lebt, muss man sich daran gewöhnen, dass man nicht immer seine Ruhe hat, aber es wird einem auch nie langweilig! Für die häuslichen Pflichten wie Waschen, Kochen und Putzen stehen und Bärbel Deutschmann, Maryna Sviridenko sowie Mechthild und Holger Maienschein zur Seite. Außerdem haben mich die Jungs sehr gut aufgenommen und bei Problemen hatte ich immer direkt jemanden, der mir zeigt wie es geht. Mittlerweile komme ich sehr gut mit den häuslichen Pflichten zurecht und die WG ist für mich eine Art Ersatzfamilie. Obwohl ich 200 km von zu Hause lebe, habe ich natürlich noch regelmäßigen Kontakt zu meinen Eltern. Sie besuchen mich regelmäßig und sind bei fast allen Spielen dabei.

- Wie bist Du hier in Melsungen mit der engen Verzahnung von Schule und Sport warm geworden?
Die Kombination Sport und Schule läuft trotz hohem Trainingsumfang sehr gut. Ich habe ja mitten im Schuljahr gewechselt, konnte aber durch die Unterstützung der MT und der Schule fast nahtlos anschließen. Ich habe im Rahmen der Schule zweimal in der Woche vormittags Training und kann im handballerischen und athletischen Bereich arbeiten. Das Training ist in den Schulalltag integriert und ich verpasse keinen Unterricht. Auch sonst stehen sich Schule und Sport kaum im Weg, lediglich die Zeit fürs Lernen wird manchmal knapp. Da passt es gut, dass WG und Schule, sowie Halle alle im Umkreis von 500 Metern liegen und ich kurze Wege habe.

- Du bist sehr schnell als B-Jugendlicher auch in der A-Jugend eingesetzt worden. Das bedeutete Belastung und Beanspruchung.
Ja das stimmt. Am Wochenende zwei Spiele zu haben ist manchmal sehr anstrengend, vor allem wenn man viel unterwegs ist. Samstags geht es zum Beispiel mit der A-Jugend nach Coburg und sonntags dann wieder 2 Stunden nach Südhessen zum B-Jugendspiel. Natürlich ist da viel Belastung. Aber es ist auch ein Privileg, als B-Jugendlicher bereits bei den Älteren eingesetzt zu werden. Da ist man natürlich trotz Doppelbelastung immer motiviert. Die Auswärtsfahrten habe ich oft genutzt um abzuschalten oder auch Schulaufgaben zu erledigen. Gleichzeitig haben wir ja auch durch angeleitetes Athletiktraining und unsere Physiotherapeutinnen eine gute Belastungs- und Regenrationssteuerung, damit es nicht zu viel wird.

- Wie geht es nach diesen ersten zwölf Monaten weiter, was setzt Du Dir selbst für kurz-, mittel- und langfristige Ziele?
Zunächst einmal wollen wir mit der B-Jugend und A-Jugend in der deutschen Meisterschaft so weit wie möglich kommen. Ich bin überzeugt, dass hier viel möglich ist.  Dabei müssen wir aber in jedem Spiel 100 % geben.  Mittelfristig gesehen möchte ich mich körperlich und individuell nochmal weiterentwickeln und möglichst verletzungsfrei weiterspielen. Auch in den nächsten Jahren möchte ich mit der Mannschaft wieder bei der Deutschen Meisterschaft mitspielen und möglichst weit kommen. Langfristig gesehen ist es natürlich das Ziel, einmal für die MT in der Bundesliga aufzulaufen. Bereits als Kind war das ein großer Traum von mir. Die Vorstellung, in der Rothenbachhalle einzulaufen und auf der Platte zu stehen, das wäre für mich einfach unbeschreiblich.

 

 

David Kuntscher ist 17 Jahre alt. Der gebürtige Wiesbadener hat keine Geschwister. Als Jugendlicher spielte David beim TSV Auringen (Bez. Wiesbaden) und ab der C-Jugend für drei Jahre bei der HSG Wallau-Massenheim. Dort sammelte er auf Rechtsaußen bereits erste Erfahrungen in der Jugendhandball-Bundesliga. Nach seinem Wechsel zu den MT Talents entwickelte er sich zum Jugend-Nationalsppieler und hatte im Januar dieses Jahres seine ersten beiden Länderspiel-Einsätze gegen Österreich.

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