News

Aktivposten, Motor in der anfangsphase und mit sechs Toren, gemeinsam mit Ole Pregler erfolgreichser Melsunger Torschütze: Mikulas Cejka fliegt zum erfolgreichen Abschluss. (Foto: KAE)

DM A-Jugend: Grandioses Viertelfinal-Hinspiel ohne Happy-End

Es hat nicht sollen sein. Die A-Jugend der mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen unterlag den TSV Bayer Dormagen im Viertelfinal-Hinspiel der Playoffs zur Deutschen Meisterschaft mit 33:35 (18:17). In einem hochklassigen und begeisternden Schlagabtausch mit fast ständigen Führungswechseln durchlebten 620 Zuschauer, darunter Geschäftsführung, Trainerstab und ein Großteil der MT-Bundesliga-Profis ein permanentes Wechselbad der Gefühle. Dass der Favorit schließlich die Oberhand behielt, lag an ganzen Kleinigkeiten im Duell zweier absolut ebenbürtiger Mannschaften. Während sich die Torschützen bei der mJSG breiter verteilten und Ole Pregler sowie Mikulas Cejka mit je sechs Toren erfolgreich waren, trafen für Dormagen Julian Köster und Carlos Marquis je neun Mal.

Aber was war das schon für ein Auftakt in diese Partie. Noch keine Minute war gespielt, da war Dormagens Rechtsaußen an Julian Damm hängen geblieben, musste, gestützt auf zwei Melsunger Spieler, vom Feld. Damm bekam direkt zwei Minuten Strafe aufgebrummt und den ebenfalls fälligen Siebenmeter von Carlos Marquis parierte Glenn-Louis Eggert mit einer Blitzreaktion. Von Beginn an war Feuer in der Partie und Stimmung auf den Rängen. Allerdings trotz der unglücklichen Verletzung nie im negativen Sinne. Beide Fan-Lager sorgten für Gänsehaut-Stimmung pur.

Was danach folgte, war Jugendhandball der allerfeinsten Güte. Und vor allem unglaublich schnell. Es gab keine Verschnaufpausen, jeder auf irgendeine Art erlangte Ball wurde direkt mit Tempo nach vorn getragen oder schon aus der eigenen Hälfte abgefeuert. Denn Melsungens Trainer Björn Brede kompensierte zunächst die Unterzahl mit einem zusätzlichen Feldspieler und setzte auch früh auf die 7:6-Taktik. Was nicht nur Julian Köster zum 0:1 nutzte, sondern kurz darauf auch TSV-Torhüter Cornelius Dahmen zum 2:4 (6.).

Dass die mJSG durch drei Tore in Folge die Führung mit 5:4 (8.) übernahm, war der Verdienst von Mikulas Cejka. Der Linksaußen war kaum zu stoppen und hatte zu diesem Zeitpunkt schon drei Treffer auf dem Konto. Es ging permanent hin und her, die Führung wechselte ständig. Erst auf 6:7 durch Julian Köster (12.), auf 8:7 durch Jona Gruber (13.), hin zum 10:11 durch Alexander Kothes feinen Dreher (18.). Und dazwischen immer wieder Glanzparaden der Torhüter auf beiden Seiten.

Einsatz war bei Julian Damms 11:11 ebenso groß geschrieben wie Finesse, als Ole Pregler mit vorbildlichem Wackler zum 13:12 einwarf (21.). Dass anschließend Dormagen durch drei Treffer in Folge sogar auf 13:15 stellte und Tomas Piroch das mit ebenfalls drei Erfolgen im Alleingang auf 16:15 korrigierte (26.) passte perfekt zum gesamten Spiel. Nach Nikita Pliutos Doppelpack zum 18:16 bestand sogar die Möglichkeit zu einer klareren Führung zur Pause. Die machte jedoch Lukas Bark zunichte.

Dieses enge Hin und Her setzte sich nach Wiederbeginn nahtlos fort. Carlos Marquis glich zweimal aus, dann war die nächste Wende fällig. Vollzogen von Cornelius Dahmen, der bei verlassenem Melsunger Tor mit seinem dritten Volltreffer das 20:21 machte (37.). Direkt gekontert von glänzenden Minuten seines Gegenüber Glenn-Louis Eggert, der seinen Kasten vernagelte und damit den Grund legte, auf dem Tomas Piroch, Nikita Pliuto, Mikulas Cejka und Julian Fuchs die Gastgeber sogar mit drei Toren in Führung brachten (24:21, 40.).

Dormagen robbte sich abermals wieder heran. Tim Mast und Julian Köster stellten den Anschluss zum 25:24 wieder her, dann fanden Jona Gruber und seine Mitstreiter plötzlich keine Wege mehr durch den dichten Abwehrriegel der Gäste. Minutenlang gab es kein Durchkommen vorn, dafür wurde es hinten löchriger. Nick Braun gelang das 26:26 (47.), zwei Minuten später Julian Köster gar das 26:28. Nun doch die Vorentscheidung zu Gunsten des Favoriten?

Nein! Jona Gruber trieb an, Nikita Pliuto brachte am Kreis die TSV-Deckung in Unruhe, Ole Pregler warf seine ganzes Können in die Waagschale. Weil alle drei auch trafen, riss der Kontakt bis zum 29:30 (53.) nicht ab. Dann allerdings durchkreuzte eine Zeitstrafe gegen Jona Gruber alle Aufholpläne. Carlos Marquis per Siebenmeter, Alexander Kothe und Wieder Julian Köster sorgten mit dem 29:33 bei nur noch vier Minuten auf der Uhr vermeintlich für klare Verhältnisse.

Melsungen mobilisierte die letzten Kraftreserven, biss und kämpfte – mit Erfolg und unter frenetischem Jubel von voll besetzten Rängen. Tomas Piroch setzte sich durch, Mikulas Cejka traf über die erste Welle, Jona Gruber stach zielsicher in die einzige kleine Lücke, die im dichten Abwehrriegel der Westdeutschen zu entdecken war. Und als die Abwehr den nächsten Ball gegen mit sieben Feldspielern angreifende Dormagener eroberte, Ole Pregler das Leder 70 Sekunden vor Ultimo vom eigenen Kreis ins gegnerische Netz zirkelte und den 33:33-Ausgleich machte, da erbebte die Stadtsporthalle in ihren Grundfesten.

Mehr allerdings war den aufopferungsvollen Gastgebern nicht vergönnt. Matija Mircic traf zur erneuten Gästeführung und Carlos Marquis machte den Sack schließlich zu. Der Favorit hatte zwar das Spiel gewonnen, die mJSG aber die Herzen ihrer Fans. Was natürlich zu verständlicher Enttäuschung auf Melsunger Seite führte, aber auch zu der Gewissheit, dem Weststaffel-Sieger auf Augenhöhe Paroli bieten zu können. Eine Erkenntnis, die es am kommenden Sonntag im Rückspiel positiv umzusetzen gilt.

Die MT Melsungen setzt zu diesem Spiel einen Fanbus ein. Abfahrt ist um 12 Uhr am Busbahnhof in Melsungen, der Zustieg 20 Minuten Später am LOLO-autohof in Guxhagen ist möglich. Anmeldungen sind ab sofort möglich per Mail an Jorias Bach (bach@mt-melsungen.de), der Fahrkostenbeitrag beträgt zehn Euro.

Statisik

mJSG: Eggert ( 12 Paraden / 30 Gegentore), Herbst (1 P. / 5 G.), Wenderoth (n.e.); Piroch 5, Gruber 3, Kompenhans, Damm 4, Pregler 6, Bieber 3/3, Fuchs 1, N. Pliuto 5, Cejka 6, M. Pliuto, Kuntscher – Trainer Björn Brede.

TSV: Dahmen (3 Tore, 12 P. / 29 G.), Wolters (1 P. / 4 G.); Köster 9, Kothe 5, Kauwetter, Braun 2, Bark 1, Reimer, Neven, Johannmeyer 3, Koch, Marquis 9/4, Mast 2, Mircic 1 – Trainer Jamal Naji.

Z: 620 - SR: Steven Heine / Sascha Standke (Wendeburg / Göttingen) - Strafen: 6 : 10 Minuten – 7m: 4/3 : 5/4.

Monatsansicht

 60 Minuten Vollgas