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Als ob man vor eine Wand läuft: Flensburgs Max Glandorf hat keine Chance gegen Benjamin Fitozovic, David Kuntscher und Jona Rietze im Verbund. Hinten staunt Leve Carstensen. (Foto: WMK)

DM B-Jugend: mJSG auf Raubzug entert die Wikinghalle

Das war spitze! Mit einer famosen Mannschaftsleistung fand die B-Jugend der mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen durch ihr 26:24 (13:11) bei der SG Flensburg-Handewitt einen tollen Einstieg in die Playoffs zur Deutschen Meisterschaft. Nur ein einziges Mal, beim 4:3, vermochten die Norddeutschen in der eigenen ehrwürdigen Wikinghalle, in der einst die „große“ SG die „Ur-Hölle-Nord“ etablierte, in Führung zu gehen, ansonsten dominierte Nordhessen in Schleswig-Holsteins einst gefürchtetster Handball-Halle.

Auf alle Aktionen fand der MT-Nachwuchs im Achtelfinal-Hinspiel probate Antworten. Und glänzte nicht etwa durch einen herausragenden Spieler oder Top-Torschützen, sondern agierte über volle 50 Minuten als verschworene Einheit. Der Schlüssel zum verdienten Sieg. Die fantastische Unterstützung von knapp 30 eigenen Fans auf der Tribüne tat ihr Übriges.

Das deutete sich in den ersten Minuten bereits an, als die SG vor allem über Leve Carstensen und Kreisläufer Christian Wilhelm kam und punktete, die mJSG dagegen das Spiel in die Breite zog und auch über seine Außen Benjamin Fitozovic und Ben Beekmann gefährlich nach vorn kam. Fitozovic war es, der sogar in Unterzahl traf und Melsungen mit 3:1 in Führung brachte (6.). Woran sich die einzige echte Schwächephase der Bartenwetzer anschloss: für sieben Minuten war danach erst einmal Sendepause.

Das nutzten die Gastgeber, um nach Leve Carstensens 4:3 erstmals und gleichzeitig zum letzten Mal eine Führung auf der Anzeigetafel zu haben (13.). Lasse Hellemann und Ole Pregler drehten das sofort wieder um, Jona Rietze, Ben Beekmann sowie David Kuntscher legten zum 8:6 erneut zwei Tore vor (16.). Acht Tore nach einer Viertelstunde von sieben verschiedenen Torschützen über alle Positionen erzielt, das war der Melsunger Trumpf an diesem Tag.

Flensburg blieb trotzdem dran. Magnus Holpert und Oscar von Oettingen stachen im Rückraum heraus, waren aber nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich zum 9:9 (20.) dann wieder zu ausrechenbar. Und die Nordhessen? Blieben sich treu. Paul Kompenhans aus dem Rückraum und etwas später mit feiner Einzelleistung über den Kreis, David Kuntscher per Siebenmeter nach Foul an Außen Benjamin Fitozovic - es gab kein offensichtliches Schema, auf das die SG hätte reagieren können.

Mit der eigentlich so souverän herausgespielten Führung im Rücken missriet der Einstieg in die zweite Halbzeit dann aber gründlich. Nicht einmal vom Spielstand her, denn der zeigte nach wie vor Rot-Weiß im Vorteil. Aber erst scheiterte David Kuntscher von der Siebenmeterlinie am eingewechselten Felix Backhaus, kurz danach Benjamin Fitozovic und schließlich auch noch Ben Beekmann. Drei verpasste Chancen, schon vorzeitig die Weichen auf Sieg zu stellen.

Dass das nicht noch nach hinten losging und Flensburg Lunte roch, lag an der fantastischen Abwehrarbeit der mJSG. Viel kam da nicht durch, und dann stand auch noch Jannik Büde zwischen den Pfosten, der mehrfach sein Können zeigte. Statt über die Fehlwürfe ins Straucheln zu kommen, zog Melsungen durch Ole Preglers 19:14 sogar noch deutlicher weg (36.). Um dann doch wieder Boden abzugeben: Anton Jepsen brachte Flensburg in Überzahl auf 19:16 zurück (37.).

Das variablere Spiel zeigten zu jeder Zeit die MT-Talente. Allerdings war David Kuntschers Traumabspiel auf Jona Rietze, der als zweiter Kreisläufer eine Menge Unruhe stiftete, zum 23:19 (40.) ein Piekser, der Flensburg wieder aufweckte. Drei Treffer in Folge innerhalb von nur 100 Sekunden, zwei davon nach technischen Fehlern der Nordhessen über die erste Welle genutzt, ließen es nach Oscar von Oettingens 23:22-Anschluss wieder knistern (43.).

Erst eine Zeitstrafe gegen Anton Jepsen nutzte der zuvor noch gefoulte Paul Kompenhans über genau diese entstandene Lücke in der SG-Deckung zum 24:22 (44.). Ein Beleg für die Effektivität, die Melsungen an den Tag legte und geschickt zu den richtigen Zeitpunkten antizipierte. Denn den Rest erledigte wieder die kompromisslose, dabei jederzeit faire Abwehr der Nordhessen. Flensburg mühte sich, nahm auch noch eine letzte Auszeit, vermochte aber nicht mehr zu kontern. Paul Kompenhans machte mit dem 26:24 endgültig den Deckel drauf, ließ den nordhessischen Teil der Tribüne lautstark jubeln und bescherte den Seinen damit eine glänzende Ausgangsposition für das Rückspiel in Melsungen in knapp zwei Wochen.

Statisik

mJSG: Büde (8 Paraden / 24 Gegentore), Claus (n. e.); Beekmann 3, Kompenhans 5, Ebner, Pregler 5, Rietze 2, Fitozovic 5, Dhaliwal, Andrei, Hellemann 1, Potzkai, Goujard, Kuntscher 5/2 – Trainer Georgi Sviridenko.

SG: Klicman (3 P. / 13 G.), Backhaus (6 P. / 13 G.); Frahm, von Oettingen 7, Wilhelm 3, Schween, Schlott, Carstensen 4/1, Holpert 4/1, Jepsen 3, Helmersson 2, Glandorf 1 – Trainer Matthias Hahn / Johann Volquardsen.

Z: 233 - SR: Kruska / Lange (Berlin) - Strafen: 6 : 10 Minuten – 7m: 5/2 : 2/2.

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