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Mit der Zweiten die Klasse halten, mit der A-Jugend Vereinsgeschichte schreiben - und den Kontakt zu den Profis intensivieren: Torhüter Glenn-Louis Eggert, hier hochkonzentriert beim Triumph in Leipzig, tanzt sportlich auf mehreren Hochzeiten. (Foto: WMK)

JBLH: Glenn-Louis Eggert will "gemeinsam Vereinsgeschichte schreiben"

Im Saison-Endspurt sind gerade einige Jugendliche der MT Melsungen extremen Belastungen ausgesetzt. Bei Torhüter Glenn-Louis Eggert geht es mit der Bundesliga-A-Jugend nach dem grandiosen Sieg beim Vorjahres-Staffelsieger SC DHfK Leipzig  um die erstmalige Teilnahme an den Playoffs zur Deutschen Meisterschaft. Gleichzeitig steht er bei der Zweiten Männermannschaft in der Oberliga zwischen den Pfosten und kämpft dort um den Klassenerhalt. Traineren tut Glenn außerdem noch mit den HBL-Profis an der Seite von Nebojsa Simic und Johan Sjöstrand. Ein gewaltiges Programm, zumal die schulischen Belastungen ebenfalls ihren Tribut fordern.

Das vergangene Wochenende hattes ganz besonders in sich: am Samstag zweihundert Kilometer mit der MT 2 nach Süden zum Schlüsselspiel um den Oberliga-Klassenerhalt, nach dem Abpfiff schnell was essen und in den Kleinbus nach Leipzig. Ankunft dort weit nach Mitternacht, ein paar Stunden Schlaf mit dem Negativerlebnis einer Niederlage im gedanklichen Gepäck. Dann schon am Sonntag Vormittag wieder ab in die Halle und das nächste Schlüsselspiel mit der A-Jugend um den möglichen Einzug in die Meisterschafts-Endrunde - diesmal mit Bravour siegreich bestanden.

Ein Spagat, den der 18-Jährige souverän meistert. Kein Einzelfall in dieser Saison, sondern fast schon Routine. Und dabei hat Glenn immer noch die Profis als Ziel fest im Blick, bei denen er schon oft mittrainieren durfte. Daneben geht die Schule langsam in die entscheidende Phase, das Abitur steht praktisch vor der Tür. Ein fast mörderisches Pensum, wenn man allen Anforderungen gerecht werden will und nichts auf der Strecke bleiben soll.

Gerade jetzt im Saisonendspurt ist der aus Moringen in Südniedersachsen stammende Hüne zwischen den Pfosten also voll eingespannt, und das gleich auf mehreren Baustellen. Grund genug, mal nachzufragen, wie es da mental so bestellt ist.

Sechs Fragen an Glenn-Louis Eggert

Glenn, wie viel Adrenalin aus Leipzig ist zwei Tage später immer noch in Dir?
Immer noch sehr viel. Das Spiel war das mit Abstand emotionalste der Saison. Das zu verarbeiten braucht eine Weile, aber am Wochenende wartet schon die nächste Aufgabe und wir müssen uns darauf fokussieren.

Am Vorabend hattest Du mit der Zweiten in Wiesbaden noch eine bittere Niederlage kassiert. Fiel Dir da das Fokussieren auf die Aufgabe mit der A-Jugend nicht schwer?
Natürlich wollten wir das Spiel mit der Zweiten auch unbedingt gewinnen, gerade in dieser entscheidenden Phase der Saison. Deswegen war es umso enttäuschender, nach dem starkem Auftritt am vorherigen Wochenende nun so eine Niederlage, auch in der Höhe, hinnehmen zu müssen. Aber um ehrlich zu sein blieb gar keine Zeit, sich weiter Gedanken um das Spiel zu machen, da wir ja praktisch nach Abpfiff schon wieder im Bus Richtung Leipzig saßen. Spätestens ab da hatten wir nur noch den darauffolgenden Tag im Kopf und waren zu 100% auf Leipzig fokussiert. Auch wenn es mir persönlich eher schwer fällt, muss man in solchen Situationen das verlorene Spiel einfach ausblenden, damit man später befreit aufspielen kann.

Du gibst im Spiel immer alles und lässt Deine Emotionen raus. Aber Hand aufs Herz: wie voll ist der Akku noch gerade jetzt, wo es nicht nur in der Sportsaison, sondern auch schulisch in die "Crunchtime" geht?
Gerade nach so einem Erfolgserlebnis wie in Leipzig ist man natürlich umso heißer auf das nächste Spiel. Aber es stimmt schon, gerade wenn Höhepunkte in der Saison anstehen ist es schon schwer, mit den Gedanken nicht nur beim Handball zu sein. Aber auch das macht den Leistungssport aus: wenn Handball laufen soll, muss Schule auch laufen. Das gehört einfach zusammen.

Du hast Dich frühzeitig entschieden, auch nach dem Übergang in den Erwachsenenbereich bei der MT zu bleiben. Was waren Deine Beweggründe?
Der Hauptgrund war, beziehungsweise ist die Möglichkeit, weiterhin ein Teil des Profi-Teams zu sein. Ich hätte auch zum Beispiel den Weg in die dritte Liga einschlagen können. Aber die Chance, hier Erfahrungen bei einer Top-Mannschaft in der besten Liga der Welt zu sammeln, will ich mir nicht nehmen lassen. Dafür bin ich auch sehr dankbar. Zudem reizt mich auch die Herausforderung bei der Zweiten, in der nächsten Saison eventuell weiter oben mitzumischen. Vorausgesetzt, wir halten die Klasse. Das Potential hat die Mannschaft in jedem Fall, wie wir des Öfteren in dieser Saison nun schon unter Beweis gestellt haben.

Wie schätzt du die Chancen auf den Klassenerhalt mit der Zweiten und, eure Qualifikation mal vorausgesetzt, die Aussichten in den JBLH-Playoffs um die Deutsche Meisterschaft ein?
Wenn wir mit der Zweiten weiter unsere Heimstärke zeigen und Auswärts punkten können, bin ich hinsichtlich des Klassenerhalts zuversichtlich, dass wir in der Oberliga bleiben. Und mit der A- Jugend haben wir zwar mit dem gewonnenen Spiel in Leipzig nun sehr gute Karten und gehen mit einer breiten Brust in die letzten drei Spiele, dürfen aber in keinem Fall nachlassen. Keine Mannschaft wird uns etwas schenken. Und bevor wir die letzten drei Spiele nicht erfolgreich bestritten haben, will ich noch nicht darüber reden, wie weit wir in den Playoffs kommen könnten. Wenn wir aber wie in Leipzig alle zeigen wozu wir im Stande sind, können wir jede Mannschaft schlagen. Davon bin ich überzeugt.

Ein abschließender Satz von Dir, warum die Melsunger an den kommenden Wochenenden unbedingt in die Stadtsporthalle kommen sollten?
Kommt in die Stadtsporthalle, damit wir mit eurer Unterstützung vielleicht erstmals an der deutschen Meisterschaft teilnehmen und Vereinsgeschichte schreiben können! 

 

Glenn-Louis Eggert kam 2016 aus dem südniedersächsischen Moringen zur MT. Schon mit 14 Jahren stand er im Landeskader unseres Nachbar-Bundeslandes und absolvierte seitdem mehrere Auswahl-Lehrgänge.

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