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Am Kampfeswillen lag es nicht. Hier stemmen sich Nikita Pliuto und Ole Pregler mit Macht und Erfolg gegen Ian Weber und Nico Scheibel. (Foto: WMK)

JBLH: Fischer zog der mJSG den Zahn

Die mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen hat das Spitzenspiel der Jugendhandball-Bundesliga bei der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen mit 25:30 (12:17) verloren. Und damit ihre ehemals gute Ausgangsposition zum Erreichen der Meisterschafts-Playoffs wohl endgültig verspielt. Nur in der Anfangsphase vermochte der MT-Nachwuchs wirkungsvoll dagegen zu halten, dann schwang sich HSG-Schlussmann Lüko Fischer zum Spieler des Tages auf, machte beste Chancen der Gäste zunichte und war der entscheidende Trumpf für den Tabellenführer, der mit diesem Sieg wohl endgültig nicht mehr von den ersten beiden Tabellenplätzen zu verdrängen ist und für das Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft planen kann.

Das Tempo war von Beginn an hoch, beide schenkten sich keinen Zentimeter Hallenboden und leisteten sich keine Fehler im Abschluss. Im Schnitt alle 30 Sekunden ein Teffer belegte die Effizienz. So führten die Gastgeber nach dreieinhalb Minuten mit 4:3 und hatten in Spielmacher Ole Klimpke, der gleich zweimal traf, den auffälligsten Akteur in ihren Reihen. Ohne daraus aber ausreichend Kapital schlagen zu können. Denn die Nordhessen hielten mannschaftlich geschlossen dagegen und überzeugten durch eher breit angelegtes Spiel.

So war es keine Überraschung, als Tomas Piroch die mJSG sogar mit 6:5 in Führung warf (13.). In Unterzahl sogar. Dass zuvor schon Julian Damm und Ole Pregler jeweils mit Tempogegenstößen am bärenstarken Lüko Fischer im HSG-Tor gescheitert waren belegte, dass der MT-Nachwuchs mehr als nur auf Augenhöhe mit dem Tabellenführer war. Allein die Abschlussquote war nach gutem Beginn kräftig eingebrochen. Oder anders: Lüko Fischer hatte im Torhüterduell gegenüber Jan-Lasse Herbst die Nase ganz deutlich vorn.

Noch in Überzahl holte sich Dutenhofen/Münchholzhausen die Führung zum 7:6 durch einen Doppelschlag von Simon Patt umgehend zurück. Melsungen blieb aber dran, glich auch zum 9:9 durch den zweiten verwandelten Siebenmeter von Max Bieber – wiederum in Unterzahl agierend - aus (20.). Um dann jedoch den Faden zu verlieren. Natürlich wieder basierend auf der Leistung von Fischer, der kaum noch zu bezwingen war. Und der zum 13:10, nach seiner mittlerweile achten Großtat, sogar selbst ins zu Gunsten eines zusätzlichen Feldspielers verlassenen Melsunger Tores traf.

Was sicher noch längst keine Vorentscheidung war. Zumal die Gäste weiter Druck machten und durch Nikita Pliuto nach klasse Zuspiel von David Kuntscher sowie Mikulas Cejka bis zum 14:12 (26.) dran blieben. Um sich dann allerdings vorzeitig in die Pause zu verabschieden. Nichts wollte mehr gelingen. Wenigstens das 13:16 sollte es noch sein, doch Jona Grubers Pass nach Außen landete auf der Tribüne. Acht Sekunden auf der Uhr reichten, um aus dem vermeintlichen minus drei zur Halbzeit ein minus fünf werden zu lassen.

Nach Wiederbeginn sah es kurzzeitig so aus, als sollte sich die mJSG doch noch einmal fangen Max Bieber per Siebenmeter und Julian Fuchs verkürzten auf 17:14 (33.). Es fehlten aber die Ideen, um die schnell wieder zur alten Stärke zurückfindende HSG-Deckung auszuhebeln. Selbst in Überzahl gelang das nicht. Im Gegenteil hätten die Hausherren um ein Haar weiter erhöht, bekamen einen schönen Kempa-Versuch aber abgepfiffen. Selbst die zweite Parade des schon im ersten Durchgang eingewechselten Björn Wenderoth diente nicht als Mutmacher. Stattdessen gab es Siebenmeter, und den verwandelte Jan Waldgenbach sicher zum 20:15 (40.).

Trainer Björn Brede versuchte es offensiv, brachte den siebten Feldspieler. Ein Schuss, der klassisch nach hinten losging. Weil die Passgenauigkeit keine Nordhessische Stärke war und außerdem Lüko Fischer immer noch auf höchstem Niveau hielt. Seine Paraden zwölf und dreizehn bereiteten den Weg zu den Toren von Ole Klimpke und Tim Klotz zum 23:17 (43.). Und das war nun doch so etwas wie eine kleine Vorentscheidung, denn die Köpfe der Rot-Weißen gingen merklich nach unten.

In einer sofort genommenen Auszeit hauchte Brede seiner Mannschaft wieder Leben ein. Jetzt klappte zumindest das Spiel an den Kreis. Nikita Pliuto wusste sich mehrfach schön durchzusetzen und verkürzte mit zwei Treffern auf 21:24 (51.). Was wiederum Thomas Weber zur Auszeit veranlasste. Und die mJSG ihres Schwungs beraubte. Noch einmal war es Nikita Pliuto, der mit einem artistischen Rückhandwurf auf 22:25 verkürzte (52.) und Max Bieber verwandelte seinen sechsten Siebenmeter zum 23:26 (55.). Dann aber war Fischer wieder da, hielt sowohl Jona Grubers Stemmwurf als auch Max Biebers kraftvollen Versuch aus acht Metern. Die Entscheidung, weil das Zwischenhoch von Björn Wenderoth mit drei gehaltenen Bällen in kurzer Zeit keine Fortsetzung fand und der Tabellenführer sich keine Blöße mehr gab.

Stimmen zum Spiel:

Björn Brede: Das war eine Reproduktion des Hinspiels. Wir sind drin im Spiel und kommen dann auf die Verliererstrasse, weil wir unsere Chancen nicht nutzen. Sicher haben wir uns die Gegentreffer ins verlassene Tor selbst zuzuschreiben. Aber das kommt auch nur, weil wir die Möglichkeiten vorn nicht nutzen. Wir haben schon im letzten Drittel der ersten Hälfte beste Chancen ausgelassen. Das war nicht einmal fehlende Abgezocktheit, die HSG hatte einfach den besseren Torhüter. Simon Patt macht uns die Dinger aus zehn Metern und sogar noch ins kurze Eck rein, auf der Gegenseite hält Fischer einen nach dem anderen. Er hat uns den Zahn gezogen und war irgendwann in den Köpfen der Spieler drin. Wir haben alles probiert, auch mit drei Kreisläufern, und kämpferisch haben wir uns nichts vorzuwerfen. Gescheitert sind wir heute im Abschluss an unseren Nerven.

Thomas Weber: Das war ein wichtiger Schritt, um unsere Chancen auf die Meisterschaft hoch zu halten. Am Anfang hat mir unsere Abwehr nicht gefallen, da waren wir in den Zugriffen zu herzlos. Das haben wir nach dem Seitenwechsel besser gemacht. Das Torhüter-Duell haben wir ganz klar zu unseren Gunsten entschieden. Auf die unterschiedlichen Melsunger Abwehrvarianten waren wir vorbereitet. Wir haben eine gewisse Routine gegen zum Beispiel versetzte 5:1-Deckungen entwickelt. Ich finde, wir haben diese Aufgaben gut gelöst. In der zweiten Halbzeit haben wir den Gegner nochmal rankommen lassen, weil wir uns mehrere unvorbereitete Würfe genommen haben. Aber: das war’s noch nicht.

Statisik

mJSG: Herbst (1 Parade / 14 Gegentore), Wenderoth (6 P. / 16 G.); Dobriczikowski, Piroch 4, Gruber 3, Kompenhans, Damm 1, Pregler, Bieber 6/6, Fuchs 4, N. Pliuto 5, Cejka^1, M. Pliuto, Kuntscher 1 – Trainer Björn Brede.

HSG: Fischer (17 P. / 24 G.), Rinn (bei einem Siebenmeter, 0 P. / 1 G.); Klotz 1, Patt 9, Kleemann, Klimpke 5, Weber 4, Grosskopf, Kunzendorf 1, Funk, Hadzic 1, J. Waldgenbach 7/3, Scheibel 1, N. Waldgenbach – Trainer Thomas Weber.

Z: 150 - SR: Cesnik / Konrad (Gummersbach) - Strafen: 6 : 8 Minuten – 7m: 7/6 : 3/3.

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