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Er kam, traf und wurde dann voll ausgeknockt: Jan-Lasse Herbst musste nach diesem Siebenmeter-Kopftreffer von Yannik Bialowas, der dafür Rot sah, nach nur acht Minuten mit einem Brummschädel wieder raus. (Foto: WMK)

JBLH: mJSG erwischt total gebrauchten Tag

Ohne jede Chance auf Zählbares blieb die mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen im Spitzenspiel der Jugendhandball-Bundesliga beim VfL Gummersbach. Die 28:34 (12:19)-Niederlage zeichnete sich dabei bereits nach zwölf Minuten ab, als die Nordhessen mit sechs Toren in Rückstand gerieten. Diese Hypothek wog zu schwer, auch wenn der Rest der Partie etwas ausgeglichener verlief. In Reichweite kam die Brede-Sieben nicht mehr und bezog folgerichtig verdient die zweite Niederlage der Saison.

Sie taten sich im Angriff unheimlich schwer gegen die massive VfL-Deckung, standen zumindest anfangs hinten aber selbst ebenso gut. Kein Wunder also, dass Tore erst einmal Mangelware blieben. Allein Yannik Bialowas vermochte in den ersten sechs Minuten zweimal zu treffen, davon einmal jedoch auch nur mit ganz viel Glück von der Siebenmeterlinie, denn Glenn Eggert war dran. Erst Tomas Piroch brach den Bann für die Gäste, ehe Bialowas zum dritten Mal traf. Dessen Kollegen tauten auf, Gunnar Steinhagen und Oliver Perey legten nach. Nach neun Minuten zog mJSG-Trainer Björn Brede beim Stand von 5:1 erstmals die Grüne Karte.

Es nutzte nichts, die Gummersbacher Abwehr stand sicher. Reihenweise gingen die Bälle bereits im Aufbau verloren, den Rest besorgte Schlussmann Joonas Klama. Erst nach Bialowas‘ viertem Treffer zum 7:1 nutzte Max Bieber einen Strafwurf nach Foulspiel an Julian Damm und legte gleich noch den nächsten, diesmal verursacht an Jona Gruber, zum 7:3 nach (14.).

Die zweite Auszeit Bredes war nach Julius Fangers 9:3 fällig (17.). Danach probierten es die Gäste mit dem siebten Feldspieler, was allerdings auch nicht wirklich zündete. Zwei schnelle Ballverluste waren die Folge, die jeweils Mathis Häseler nutzte. Weil Max Bieber als einziger Melsunger Normalform und sogar noch ein wenig mehr erreichte, blieb der Rückstand immerhin weitgehend konstant.

Was nichts daran änderte, dass fast die komplette sonstige Mannschaft einen mehr als gebrauchten Tag erwischt hatte und Gummersbach die Gunst der Stunde gnadenlos nutzte. Exemplarisch zu belegen am 18:11, als Fynn Gonschor das Leder nach vorangegangener starker Parade von Glenn Eggert gegen Loic Kaysen locker ins Netz klatschte (29.). Jan Dobriczikowski, der neben Biber nach seiner Einwechslung zu den wenigen Lichtblicken zählte, verkürzte zwar noch einmal, im Gegenzug allerdings war der vorherige Rückstand von sieben Toren Differenz doch wieder da.

Die zweite Hälfte verlief da schon wesentlich ausgeglichener. Der Auftakttreffer des neu ins Spiel gekommenen Jan-Lasse Herbst über das gesamte Feld ins leere Gummersbacher Tor hätte schon so etwas wie ein kleiner Weckruf sein können. Aber die Gastgeber konterten umgehend, zogen sogar auf 22:14 davon (35.). Dann erst besannen sich die Melsunger, gingen endlich aggressiver in die Zweikämpfe, entwickelten wesentlich mehr Druck. Mit dem Erfolg, nach Jona Grubers 23:17 wieder mit etwas Zuversicht auf die Restspielzeit schauen zu können (40.). Kurz zuvor hatte Yannik Bialowas die Rote Karte gesehen, weil er einen Siebenmeter auf Jan-Lasse Herbsts Kopf zog, der angeknockt zu Boden ging und anschließend auch nicht mehr weiterspielen konnte.

Jonas Goßmann verpasste das Einleiten einer möglichen Aufholjagd seiner Mannschaft zunächst, indem er im Tempogegenstoß am eingewechselten Dennis Stöcker scheiterte. Dafür legte er zwei nervenstark verwandelte Siebenmeter nach – nur noch 24:19 (48.). Melsungens Rechtsaußen hätte sogar noch weiter verkürzen können, scheiterte dann aber sowohl mit seinem dritten Strafwurf als auch im Nachwurf an Dennis Stöcker. Im Gegenzug machte Julius Fanger das 26:19 – die Vorentscheidung (50.).

Denn von diesem Rückschlag erholten sich die Nordhessen nicht mehr. Obwohl Trainer Björn Brede die nächste taktische Variante ins Spiel brachte: eine 4:2-Abwehr mit den Außen Julian Fuchs und Jan Dobriczikowski in vorgezogener Position. Doch egal was er versuchte, die Mannschaft setzte es nur in Ansätzen um. Der VfL musste nur geduldig bleiben und auf den nächsten individuellen Fehler warten, dann klingelte es wieder im Melsunger Gehäuse.

So war die verbleibende Zeit ein ständiges Hin und Her. Tomas Piroch und Jan Dobriczikowski landeten schöne Treffer, hatten hinten aber immer wieder das Nachsehen. Dennoch wäre ein ansehnlicheres Ergebnis möglich gewesen, wenn wenigstens die Großchancen alle gesessen hätten. Aber es fehlte an diesem Abend eben die nötige Konsequenz im Abschluss und der letzte Wille, den die Oberbergischen konstant zeigten. Sie zogen zwischenzeitlich sogar noch einmal auf acht Differenz davon, ehe einmal mehr Dobriczikowski und der zuvor weitgehend glücklos gebliebene Nikita Pliuto in der letzten Minute wenigstens noch Ergebniskosmetik betrieben.

Stimmen zum Spiel:

Björn Brede: Wir haben heute zu keinem Zeitpunkt ins Spiel gefunden. Die Gummersbacher waren wacher und williger. Sie wollten diesen Sieg einfach mehr als wir. Wir sind dagegen von Hilflosigkeit zu Unkonzentriertheit gependelt. Egal was wir auch gemacht haben, wir kamen nicht rein. Unser Gegner war gedanklich viel schneller, während wir über irgendwelche Entscheidungen diskutiert und mit ihnen gehadert haben statt nur konzentriert zu bleiben. Und so haben wir dann das Spiel in der ersten Halbzeit eben schon verloren. Mehr gibt es dazu eigentlich auch gar nicht zu sagen, außer dass wir später selbst wirklich gut herausgespielte Chancen liegen gelassen haben. Wir haben es heute nicht gut gespielt.

Alois Mraz: Es war für uns schwierig, denn wir haben einige B-Jugendliche dabei gehabt. Die haben ihre Sache aber sehr gut gemacht. Wir haben von Anfang an daran geglaubt, dass wir das Spiel gewinnen. Obwohl wir wussten, dass Melsungen stark und robust auftritt. Sie stehen nicht umsonst auf dem ersten Platz. Wir haben es aber verstanden, uns über 60 Minuten zu konzentrieren, waren auf den Kampf eingestellt und haben es durchgezogen. Toll, wie die Mannschaft zusammengestanden hat, auch was über die Bank an Unterstützung kam. Wäre Melsungen am Anfang über einfache Tore in Fahrt gekommen, wäre es für uns ungleich schwerer geworden.

Statisik

mJSG: Eggert (7 Paraden / 20 Gegentore), Herbst (1 Tor / 2 P. / 4 G.), Wenderoth (1 P. / 10 G.); Dobriczikowski 4, Piroch 5, Goßmann 4/3, Gruber 3, Damm, Pregler, Bieber 9/3, Fuchs, N. Pliuto 2, Cejka, M. Pliuto – Trainer Björn Brede.

VfL: Klama (7 P. / 17 G.), Stöcker (8 P. / 11 G.); Rückriem, Gonschor 4, Fanger 3, Keil, Häsler 6, Steinhagen 5, Perey 2, Schmidt, Kiesler, Athanassoglou, Kaysen 6, Bialowas 8/4 – Trainer Alois Mraz.

Z: 90 - SR: Völkening / Zollitsch (Minden) - Strafen: 8 : 10 Minuten – Disqualifikation: Bialowas (VfL, 38:53) – 7m: 8/6 : 5/4.

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