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Melsungens Linkshänder-Duo Jonas Goßmann und Vlad Avram ergänzte sich gut auf Rechtsaußen und spielten auch passabel zusammen, als Avram im Rückraum aushalf. (Foto: WMK)

Oberliga: Kopflose 13 Minuten begründen Abfuhr beim Tabellenführer

Als krasser Außenseiter angetreten, kassierte die MT Melsungen II bei der TSG Offenbach-Bürgel eine deutliche 25:34 (12:16)-Niederlage. War aber dennoch längst nicht so schlecht, wie es das blanke Ergebnis ausdrückt. Die neun Tore Differenz kassierten die Nordhessen genau genommen in zwei schwachen Phasen, die sie mit 1:6 in der ersten sowie 0:4 gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit verloren. Allerdings, auch das muss festgehalten werden, war der Erfolg der Südhessen hoch verdient. Ohne eine Vielzahl von Paraden des starken Daniel Kocsis insbesondere im ersten Durchgang hätte es schon früh schlecht ausgesehen für die MT.

Die Gäste begannen immerhin sehr konzentriert und verstanden es, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen. Merlin Kothe lauerte ebenso geduldig auf seine Lücke wie Nino Jedinak wartete, bis die Offenbacher Deckung auf die andere Seite gezogen war - 2:1 beim Tabellenführer nach vier Minuten, das ließ sich gut an. Doch dann: ein Fehlabspiel, ein Stürmerfoul und alles war dahin. Zweimal Lennart Müller vom Kreis, einmal Lars Kretschmann über Außen und Offenbach hatte innerhalb kürzester Zeit beim 4:2 (5.) alles wieder gerade gerückt.

Es war ein Spiel mit vielen Fehlern auf beiden Seiten, der Ballbesitz wechselte oft. Bei der MT sicher auf fehlende Abstimmung zurückzuführen, die TSG übertrieb es bisweilen mit dem unbedingten Willen, das Spieltempo zu forcieren. Wenn das aber gelang, war der Torerfolg fast garantiert. In Unterzahl brachten Nils Lenort und Lars Kretschmann den Favoriten nach Jedinaks zwischenzeitlichem 4:4 wieder mit 6:4 nach vorn (10.).

Offenbach fand besser in die Partie, Melsungen blieb extrem fehleranfällig. Bereits eroberte Bälle gingen wieder verloren, vorn wurde der zuvor kaum präsente Marvin Hoppenstädt regelrecht warm geworfen. Die TSG zog trotz einer genommenen Auszeit von Georgi Sviridenko auf 10:5 davon (17.). Durfte sich aber noch längst nicht auf der sicheren Seite wähnen. Denn die Nordhessen ergaben sich keineswegs in ihr Schicksal, sondern suchten weiter ihre Möglichkeiten.

Die kamen reichlich, wurden aber zu selten genutzt. Es wäre viel mehr drin gewesen als das Herankommen auf 9:12 nach Martin Reinbolds Tor vom Kreis (23.), nach dem Andreas Kalman Gesprächsbedarf mit seiner Mannschaft sah. Weit packender als der Spielstand gestaltete sich das Duell der Torhüter. Da stand Daniel Kocsis seinem Gegenüber kaum nach, steckte einen vollen Gesichtstreffer weg und parierte reaktionsschnell einen Siebenmeter von Felix Brühl. Das leichte Anwachsen des Rückstandes zur Pause konnte jedoch auch er nicht verhindern.

Als Hypothek nahm die MT noch eine Zeitstrafe mit in die zweite Hälfte. Die rächte sich prompt und auch sonst blieb wohl ein gutes Stück Aufmerksamkeit in der Kabine. Mehr als fünf Minuten blieben die Nordhessen ohne eigenen Erfolg, mussten in dieser Zeit aber schon wieder vier Gegentore hinnehmen. Die Vorentscheidung war nach Christopher Hofmanns Gegenstoß zum 20:12 gefallen (35.).

Dieser Abstand hielt, obwohl die Melsunger nach einer Auszeit wieder besser mitspielten und phasenweise sogar ebenbürtig wirkten. Glenn Eggert kam für einen Siebenmeter hinein, blieb Sieger gegen Nils Lenort und blieb folgerichtig auch gleich zwischen den Pfosten. Es war die stärkste Zeit der Gäste, trotzdem kamen sie nicht näher heran. Weil der Tabellenführer konsequent sein Heil im Tempo suchte und wenn er ins schnelle Spiel hineinkam, gab es auch für Eggert kaum etwas zu machen bei der überfallartig gespielten ersten Welle.

Der Vorsprung der Offenbacher stieg nach Lars Kretschmanns siebtem Tor auf 27:18 an (45.), Timo Cohen erhöhte drei Minuten später gar auf 29:19. Dann war Melsungen wieder dran, verkürzte durch Martin Reinbold und zweimal Luca Hagemann auf 30:23 (57.). Mehr war jedoch nicht mehr drin, dazu war der Klassenprimus zu abgebrüht.

So blieb unter dem Strich nur die Erkenntnis, dass die Partie über weite Strecken gar nicht so einseitig war, wie es das Ergebnis Glauben macht. Was jedoch fehlte, das war die Konsequenz über volle 60 Minuten. Denn abgesehen von den Aussetzern in der ersten Hälfte vom 4:4 auf 5:10  innerhalb acht Minuten trotz zeitweiser Überzahl sowie diesen unsäglichen fünf Minuten nach der Pause hat sich die MT beim hohen Favoriten gar nicht so schlecht verkauft.

Statisik

MT2: Kocsis (14 Paraden / 21 Gegentore), Eggert (5 P. / 13 G.); Hagemann 2, Jedinak 2, Gruber, Avram 1, Kothe 7, Damm, Pregler 2/1, Bruns 1, Reinbold 2, Goßmann 4, Kiss 4/1, Piroch – Trainer Georgi Sviridenko.

TSG: Hoppenstädt (15 P. / 22 G.), Gezer (1 P. / 3 G.); Kaiser 1, Zahn 1,Käseberg 1, Müller 3, Brühl 1, Kretschmann 7, Wagenknecht 2/1, Hofmann 2, Lenort 8/3, Cohen 5, Ljubic 1, Lehmann 2 - Trainer Andreas Kalman.

Z: 200 - SR: Lambmann / Rehm (Nidda/Rüsselsheim) - Strafen: 6 : 6 Minuten – 7m: 2/2 : 6/4.

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