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S-Cup: Nach dem starken 33:30 gegen die Recken wartet im Finale Magdeburg

Die MT Melsungen steht erneut im Finale des Sparkassen Handballcups. Der Titelverteidiger bezwang im Halbfinale den TSV Hannover-Burgdorf mit 33:30 (16:15) und kann am Sonntag in Rotenburg/Fulda gegen den SC Magdeburg ihren Vorjahreserfolg wiederholen. In einem durchgehend spannenden und qualitativ hochwertigen Schlagabtausch bei hohem Tempo setzten sich die Nordhessen erst in den letzten Minuten entscheidend ab. Mit sechs Toren war Neuzugang Domagoj Pavlovic erfolgreichster Torschütze für die MT. Timm Schneider, der nach der Pause die Spielmacherrolle übernahm, war wie Yves Kunkel fünfmal erfolgreich. Für die Recken trafen Kai Häfner und Timo Kastening je sechsmal.

Hartung-Foto: Timm Schneider, hier vis-a-vis mit Hannovers Jannes Krone, drückte dem Spiel in der zweiten Hälfte seinen Stempel auf und führte die MT ins Finale.

Von Beginn an hellwach präsentierten sich die Nordhessen im Duell um den Gruppensieg und damit um den Einzug ins Finale. Noch keine Minute war vergangen, da hatte Simon Birkefeldt das Leder zum ersten Mal an Martin Ziemer vorbei ins Netz gewuchtet. Für kurze Zeit kehrte Timo Kastening die Führung mit zwei Treffern zwar um, dann dominierte wieder die MT. Stark in der Defensive und mit Ballgewinnen, die im schnellen Umschaltspiel unmittelbar in Torerfolge umgesetzt wurden. Profiteure waren der pfeilschnelle Dimitri Ignatow und Finn Lemke als vorgezogener Spieler der 5:1-Deckung mit der kürzesten Laufstrecke zum 4:2 (5.).

Burgdorf ging dieses Tempo jedoch unbeeindruckt mit und fand immer wieder Lücken, insbesondere mit Timo Kastening, der sich auch als sicherer Siebenmeterschütze auszeichnete, und Kai Häfner über die rechte Seite. Diese beiden trafen als einzige Hannoveraner bis zum 5:4 (7.). Das 6:5 fiel nach Kempa-Anspiel von Kastening ausnahmsweise von links durch Cristian Ugalde, dann waren wieder die Linkshänder dran. Wesentlich homogener dagegen das Trefferbild der Melsunger. Da beteiligte sich sogar Torhüter Johan Sjöstrand am Torreigen, erzielte das 7:5 ins verwaiste Burgdorfer Tor, als Fabian Böhm eine Strafe absaß (12.).

Überhaupt war Sjöstrand bis zur Halbzeit einer der herausragenden Akteure auf dem Feld und lieferte sich ein packendes Paraden-Duell mit Martin Ziemer. Das er zur Pause durch seinen Geniestreich nach Toren zwar anführte. Zwei gehaltene Bälle mehr, elf nämlich, hatte hingegen der Burgdorfer vorzuweisen. Zusammengerechnet mit den trotz dieser herausragenden Bilanzen erzielten Toren ergab sich eine bemerkenswerte Angriffsfrequenz trotz wiederum tropischen Verhältnissen in der Halle.

Über mangelndes Tempo durfte sich wahrlich niemand beklagen, über die spielerische Qualität auch nicht. Zu bestaunen gab es viele feine Kabinettstücke im Anspiel, tolle Tempogegenstöße von Ignatow und Kastening, einen Hammer aus vollem Lauf aus der ersten Welle heraus von Julius Kühn in den Winkel zum 11:9 (19.), einen Wackler von Morten Olsen zum 13:12 (23.) sowie noch einmal ein Kempa-Anspiel, das Mait Patrail zum 16:13 abschloss (26.). Dazwischen ließ immer wieder Domagoj Pavlovic sein Können aufblitzen und sorgte für staunendes Raunen und Szenenapplaus auf den Rängen. Der knappe Stand zur Pause spiegelte treffend das Geschehen bis dahin wider.

Zur zweiten Hälfte wirbelte Heiko Grimm die Aufstellung seiner Melsunger gehörig durcheinander. Michael Müller kam für Simon Birkefeldt, Timm Schneider für Domagoj Pavlovic, Tobias Reichmann für Dimitri Ignatow und Marino Maric für Felix Danner. Dazu übernahm Finn Lemke zusätzlich zu seinen Defensivaufgaben den Part von Julius Kühn im linken Rückraum. Das sorgte zunächst einmal für etwas Unruhe, die Hannover zum Ausgleich nutzte. Als Timm Schneider mit einer Strafe raus musste, trafen Häfner und Ugalde in Überzahl zum 18:18 (35.).

Melsungen fand zum schnellen Spiel zurück, Tobias Reichmann per Siebenmeter sowie Timm Schneider und Marino Maric über die erste Welle warfen eine 21:18-Führung heraus (38.). Die nur drei Minuten später wieder egalisiert war, weil die Recken die Tempoherausforderung annahmen 21:21 Fabian Böhm, 41.). Es ging hin und her, die Qualität blieb weit oberhalb dessen, was man von Vorbereitungsspielen gemeinhin erwartet und an Spannung mangelte es bis hier her auch nicht. Treffer durch Finn Lemke und Michael Müller verkürzte Evgeni Pevnov zum 23:22 (43.).

Für kurze Zeit schien es dann, als könne sich die MT doch absetzen. Nach einer Auszeit von Heiko Grimm schraubten Finn Lemke und Yves Kunkel auf 26:22 hoch, Burgdorf schien angeschlagen. Antwortete jedoch ebenfalls mit einer Auszeit und der Einwechslung von Nejc Cehte. Der Linkshänder machte prompt drei Tore in Folge und machte es mit dem 27:25 (48.) doch wieder spannend. Melsungen blieb in Vorlage, die Recken aber noch dran. Bis zum 29:27, ebenfalls erzielt von Cehte (51.).

In der Schlussphase jedoch setzte sich endgültig die sichtbar bessere Physis der Nordhessen durch. Burgdorf gingen die Ideen ebenso aus wie die Kräfte, Melsungens Abwehr hielt ihre Qualität oben und hatte in Sjöstrand den klar besseren Keeper. Ziemer hatte bei Halbzeit Platz gemacht für Urban Lesjak, und der kam längst nicht an die Leistung seines Vorgängers heran. Zweimal Yves Kunkel und Timm Schneider erhöhten schnell auf 32:27 (54.). Dass der Vorsprung im Gefühl des zu erwartenden Sieges noch einmal einschmolz sorgte für eine dem insgesamt engen Spielverlauf angemessene Spannung, änderte aber letztlich nichts mehr am Erfolg der Melsunger, die damit ins Endspiel des Turnieres einzogen.

 

Stimmen zum Spiel

Heiko Grimm: Wenn in einer 5:1-Deckung Fehler passieren, dann ist das natürlich auffälliger als in einer 6:0-Formation. Aber wir haben trotz einiger Fehler immer geführt. Und es ist die individuelle Klasse eines Kai Häfner und eines Timo Kastening, dass sie in der Anfangsphase praktisch alle Tore gegen uns gemacht haben. Das von Anfang an hohe Tempo war von mir gefordert, einfach weil es eine wesentlich höhere Trainingseffektivität bringt. Und unser Gegner hat uns da auch gut gefordert. Wir mussten jederzeit hellwach sein. Spitzengegner, und dazu zähle ich die Recken, schlägt man nur mit hoher geistiger Beweglichkeit. Im Finale am Sonntag steht die Weiterentwicklung an erster Stelle. Natürlich werden wir die Belastungen gegen Magdeburg verteilen und müssen auch noch einige Konstellationen ausprobieren. Es gibt zum Beispiel Kombinationen von Spielern, die ich in der Abwehr bisher noch nicht gesehen habe. Trotzdem wollen wir den Titel natürlich verteidigen.

Antonio Carlos Ortega: Das war ein guter Test. Wir haben gegen eine aggressive 5:1-Deckung gut gespielt, auch Ugalde als Topspieler war stark. Aber gerade in der ersten Hälfte war es schwer für uns gegen die offensive Abwehr mit Finn Lemke als vorgezogenem Spieler. Die zweite Halbzeit war auch sehr gut. Wir haben einige Male mit drei oder vier Toren zurückgelegen, aber trotzdem nie aufgegeben. Aber dann in den entscheidenden Momenten, wenn wir wieder dran waren, haben wir uns leichtfertig Fehler erlaubt. Aber das ist so. Wir sind noch in der Vorbereitung und trainieren sehr viel. Da fehlt manchmal die Frische.

Timm Schneider: Ich denke, wir standen heute sehr gut. Auch wenn wir noch einige Abstimmungs- und Flüchtigkeitsfehler gemacht haben. Sehr gut waren die Gegenstöße und unsere zweite Welle. Was noch nicht so gepasst hat war die Gegenrichtung. Da müssen wir noch schneller umschalten und besseres Rückzugsverhalten zeigen. Unser Spiel profitiert davon, dass wir zwar feste Spielzüge haben, je nachdem ob Domagoj, Lasse oder ich das Spiel mache, werden sie aber ein Stück anders interpretiert. Das ist sicher eine Herausforderung für die Gegner. Insgesamt muss noch viel kommen bis zum Saisonstart, wir müssen an unseren kleinen Fehlern arbeiten. Wichtig ist, dass das Systemdenken bei allen vorhanden ist und wir noch an unserem Rückzug feilen.

 

Statistik

MT Melsungen: Sjöstrand (1 Tor, 16 Paraden / 30 Gegentore), Simic (n. e.); Maric 2, Kühn 2, Lemke 4, Reichmann 1/1, Ignatow 2, Kunkel 5/1, Mikkelsen, Danner 2, P. Müller, Schneider 5, Birkefeldt 2, M. Müller 1, Pavlovic 6. - Trainer Heiko Grimm.

TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer (11 P. / 16 G.), Lesjak (5 P. / 17 G.); Cehte 5, Patrail 2, Thiele, Pevnov 2, Lehnhoff, Häfner 6, Böhm 2, Ugalde 5, Krone 1, Olsen 1, Brozovic, Feise, Kastening 6/2. - Trainer Antonio Carlos Ortega.

Schiedsrichter: Ruud Geraets / Paul Geraets (Niederlande)

Zeitstrafen: 6 – 4 Minuten (Kühn 7:27, Schneider 33:32 47:06 – Böhm 10:03, Lehnhoff 51:55)

Strafwürfe: 4/2 – 2/2 (Kühn scheitert an Ziemer 10:25, Reichmann scheitert an Lesjak 57:29)

Zuschauer: 650 in der Stadtsporthalle Melsungen.

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