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Männer-Nationalmannschaft schlägt Serbien

EM-Debakel abgehakt, die WM-Form im Visier: Bundestrainer Christian Prokop und deutschen Handballer haben sich den Frust der letzten Monate endgültig aus den Gliedern geschüttelt. Am Mittwoch gewannen die Deutschen in Leipzig das erste Pflichtspiel seit dem EM-Aus gegen Serbien mit 26:19 (12:7). Nach dem Wirbel um Prokop scheint die Mannschaft auf gutem Weg für die Heim-WM im kommenden Jahr. Von der MT war in Leipzig lediglich Julius Kühn im Einsatz. Dem Führenden in der Bundesligatorschützenliste gelangen drei Treffer. Tobias Reichmann hatte aufgrund von Schulterproblemen schon den vorangegangenen Lehrgang abgesagt. Zu dem war Finn Lemke zwar angereist, konnte aber wegen seiner noch nicht abgeklungenen Adduktorenzerrung nur am Theorieteil teilnehmen.

Angeführt wurde der Europameister von 2016 (Archivfoto Klahn/DHB) vor 5723 Zuschauern in der Arena Leipzig von Patrick Wiencek mit vier Toren. Bereits am Samstag (14.30 Uhr/ARD) hat Serbien derweil die Chance zur Revanche. Dann treffen beide Mannschaften im zweiten Duell in Dortmund aufeinander.

Schon vor der Partie wartete der Deutsche Handballbund (DHB) mit einer Veränderung auf. Gegen Serbien saß Oliver Roggisch zum ersten Mal neben Prokop, Co-Trainer Alexander Haase und Physiotherapeut Sven Raab auf der Bank. Ein weiterer Trainer soll er jedoch nicht sein. "Er ist nicht für das Coaching, nicht für das Wechseln zuständig", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer: "Er ist derjenige, der eine koordinierende Funktion auf der Bank innehat."

Jene Veränderung sei laut auch eine Folge der Nachbetrachtung des EM-Debakels gewesen. "Es ist sicher so, dass die Hinzunahme von Oliver Roggisch auch ein Ergebnis unserer Analysen gewesen ist", sagte Kromer. Nach dem Hauptrunden-Aus bei der Europameisterschaft in Kroatien hatte der DHB eine mehrwöchige Fehleranalyse durchgeführt und sich im Februar anschließend für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Prokop entschieden.

Positiv äußerte sich Kromer indessen über das turnusmäßige Treffen des DHB und Bundestrainer Prokop mit den Trainern der Bundesligavereine. Unter anderem sei dort am Mittwochnachmittag über Entlastung der Nationalspieler und Nominierungsprozesse gesprochen worden. "Wir möchten uns langfristig und intensiv austauschen. Es war ein sehr nettes und kollegiales Gespräch. Wir haben den Startschuss gemacht für eine enge Zusammenarbeit", sagte Kromer.

Einen Startschuss oder vielmehr einen Neuanfang markierte die Partie gegen Serbien auch für Prokop. Und er ließ frischen Wind wehen. Wie angekündigt probierte Prokop gegen den Gast vom Balkan viel aus. Besonders auf der mittigen Rückraumposition testete er mehrere Optionen. Vor allem der Leipziger Niclas Pieczkoski und Berlins Fabian Wiede bekamen auf in der Spielmacherrolle viel Spielzeit. Tim Kneule, der ebenfalls für die Mitte vorgesehen war, musste wie Abwehrchef Finn Lemke passen und war vor der Partie abgereist.

Wie vermutet brauchte die deutsche Mannschaft ihre Eingewöhnungszeit. Gerade in den ersten Minuten gingen viele Anspiele noch ins Leere. Die Halbzeitführung rührte mehr von der überragenden Leistung von Torhüter Silvio Heinevetter. Prokop hatte vor der Partie mehr Ballgewinne als noch bei der Europameisterschaft gefordert. Bei der Verwertung der durch Heinevetter provozierten Gegenstöße ließ die DHB-Auswahl zu Beginn jedoch zu viel liegen.

Im zweiten Durchgang gab seinem zweiten Anzug eine Bewährungschance. Top-Stars wie Kapitän Uwe Gensheimer oder Torwart Andreas Wolff bekamen Zeit zum Durchschnaufen. Mit Matthias Musche auf Linksaußen, Erik Schmidt am Kreis oder Tim Hornke auf Rechts zeigte Prokop, dass er über vernünftige Alternativen verfügt, auch wenn Serbien im Endspurt noch einmal herankam.

Zu Finn Lemke hatte sich Sportdirektor Axel Kromer gegenüber handball-world schon vor dem Spiel geäußert: "Finn Lemke ist nicht da, das war aber auch so abgesprochen. Er hat am Wochenende auch nicht bei seiner Vereinsmannschaft gespielt. Er ist bereits gestern Abend nach Hause gereist, wollte jedoch unbedingt bei dem Neustart bei der Mannschaft sein".

Deutschland - Serbien 26:19 (12:7)

Deutschland: Heinevetter, Wolff - Gensheimer (3/2), Wiencek (4), Wiede (2), Weinhold (2), Weber (2), Schmidt (1), Michalczik (1), Groetzki, Häfner (1), Hornke (1), Kühn (3), Musche (2), Pieczkowski (1), Kohlbacher (3)
Serbien: Cupara, Ivanisevic - Sotic, Vujic, Dukic (2), Verkic, Pesic (2), Radiovjevic (3), Jevtic, Ilic (3), Krsmancic (1), Vojvodic, Jovanovic, Zelenovic (5), Nenadic (2), Madar, Orbovic, Sretenovic (1), Pusica. - Schiedsrichter: Novotny/Horacek (Tschechien) - Zeitstrafen: 4:4 Minuten. - Siebenmeter: 2/2:4/3. - Zuschauer: 5723.

Stimmen zum Spiel:

Bundestrainer Christian Prokop: Für uns war das der Startschuss der Vorbereitung zur Heim-WM. Nicht die taktischen Elemente waren entscheidend, sondern, wie das Team auftrat – die Geschlossenheit, der Einsatz die Laufbereitschaft, der Zusammenhalt, die Grundtugenden des Handballs waren in diesem Test wichtig.
Trotz der wenigen Trainingstage hat die neuformierte Abwehr sehr beweglich und kompakt gestanden, zudem war Silvio Heinevetter überragend aufgelegt. Patrik Wiencek hat die Mannschaft angetrieben. Weil wir die Spielanteile gleichmäßig verteilt haben, gab es Schwankungen im Spiel. Insgesamt bin ich zufrieden, das war ein geschlossen guter Auftritt mit Spielfreude, Tempo und einer kompakten Abwehr.
Auch die Gespräche auf dem Weg zum Lehrgang waren wichtig. Alle Spieler sind auf die WM fokussiert, auch daher bin ich zufrieden.
Es muss ein guter Mix sein aus Stolz, für Deutschland zu spielen und einem Lehrgang, in dem nicht nur über Handball gesprochen wird. Wir müssen aber viel sprechen und müssen zudem in kurzer Zeit die Abläufe festigen, schließlich treffen wir uns nicht so oft mit der Nationalmannschaft. Jetzt wollen wir auch in Dortmund begeistern.
Wir haben einen Riesenpool an Spielern, aus diesem Fundus können wir mit Blick auf die WM schöpfen. Eine Hierarchie ist wichtig, aber auch, hungrige Spieler zu haben, die Druck von hinten machen.

Zur neuen Rolle von Oliver Roggisch: Ich möchte Olli nahe am Team haben, er hat eine große Akzeptanz bei den Spielern und eine große Erfahrung.

Rückraumspieler Julius Kühn: Der Neustart ist geglückt, wir haben eine gute Stimmung in der Truppe, das hat sich schon beim Training gezeigt, aber das haben wir auch heute umgesetzt. Es hat schon viel geklappt. 
(Quelle: dhb.de)

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