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Marino Maric - Der die Ruhe liebt

Wer körperlich fast immer auf Hochtouren fährt, stets bestrebt ist, sportliche Top-Leistungen abzuliefern, muss – erst recht als Profisportler – auf eine gute Balance zwischen Anspannung und Entspannung achten. Marino Maric scheint das zu gelingen. Bei der MT Melsungen seit 2014 unter Vertrag, nutzt der inzwischen dreifache Familienvater jede Gelegenheit abseits des sportlichen Geschehens abzuschalten. Wenn andere Party machen zieht es ihn lieber nach Hause zu seiner Frau Virgilija und seinen Kindern Viktorija (5), Carlos (3 1/2) und Deni (8 Mon.). Foto: A. Käsler

Wenn es möglich ist, begleitet ihn seine Familie zu den Spielen. Das ist aber eher selten der Fall und geht eigentlich nur, wenn Marions Schwiegermutter seiner Frau behilflich ist, die Kinder in der Halle mit zu betreuen. “Das ist dann für Virgilija zumindest etwas entspannter. Unsere Kinder würden ja am liebsten runter von der Tribüne zu mir kommen. Sie fragen “Wo ist Papa, was macht Papa da, können wir auch mitspielen?”
 
Der in Mostar (Bosnien/Herzegowina) geborene Sohn eines Polizisten und einer Bankangestellten kam etwa im Alter von 10 Jahren zum Handballsport. “Natürlich war ich auch wie viele Jungen meines Alters an Fußball interessiert, aber mein Papa hat damals gesagt: “Was willst Du bei schlechtem Wetter draussen machen, geh mal lieber zum Handball!” Was ich dann ja auch befolgt habe.

Marinos erster Verein war Zrinski Mostar, wo er bis zum 19. Lebenjahr gespielt hat. Weil er sich gut entwickelte, durfte er bereits als 16-jähriger in der Ersten Mannschaft mitspielen. “Ich war schon damals sehr fleissig, habe jede Trainingsgelegenheit genutzt. In dem Verein war das zwar noch kein ganz hohes sportliches Niveau, aber ich konnte dort schon erste wichtige Erfahrungen sammeln”, erinnnert sich der Kreisläufer.

Dabei hat er anfangs im Rückraum gespielt. Weil aber irgendwann der Mannschaftskamerad, der etatmäßig den Kreisäuferposten besetzte, krank war, stellte ihn der Trainer dorthin. “Das hat mir dann noch besser gefallen und ich habe gedacht, das hier ist mein Position”.

Seine handballerisch bislang schönste Zeit erlebte Marino Maric nach eigenem Bekunden in Zagreb, wo er beim Top-Club in der kroatischen Hautstadt mit gleich mehreren Weltklasseleuten zusammen spielen konnte. Die Namen klingen heute wie das Who-is-Who des Handballs, als da waren unter anderem Ivano Balic, Kiril Lazarov Mirza Dzomba, Tonci Valcic, Frank Løke, Gorazd Škof. “Ich kam da plötzlich in eine Mannschaft auf Champions League Niveau. Von diesen Spielern, die allesamt über eine große Erfahrung verfügen, habe ich sehr viel gelernt. Das hat sehr viel Spaß gemacht, in solch einer Mannschaft zu spielen.”

Im Profisport nicht unüblich, sind hin und wieder Verletzungen, die die Akteure zur Pause zwingen. Davon blieb auch Marino Maric nicht verschont. Er verpasste dadurch zum Beispiel in 2016 die Teilnahme  an den olympischen Spielen in Brasilien. Das war meine erste scherere Verletzung und das ausgerchnet vor meiner ersten möglichen Teilnahme an einem solchen Ereignis. Da war ich schon sehr niedergeschlagen. Das war schwer für mich zu verdauen. Aber ich musste es akzeptieren. So ist eben auch manchmal der Sport”, so der 196 cm große Modellathlet achselzuckend.

Als im Laufe der beiden folgenden Jahre erlitt er zwei weitere Verletzungen. Die hat Marino mental dann schon etwas besser verkraftet. “Wenn du fit bist, hast du unzählige Ziele. Du willst gut spielen, du willst Tore werfen, gut in der Abwehr stehen, und, und, und. Wenn du aber verletzt bist, hast du nur noch ein einziges Ziel, du willst wieder gesund werden und willst noch stärker zurück kommen. Mit einer solchen Situation muss man sich auch erst einmal auseinander setzen. Das ist beim erste Mal sehr, sehr schwer”, gesteht der 27-jährige.

Letztendlich übewriegen für Marino aber die schönen Seiten des Handballsports. “Man spielt auf einem sehr anspruchsvollen Niveau, kann sich mit den Besten der Welt aus dieser Sportart messen. Man kommt in ganz Europa ,manchmal sogar in der Welt herum, lernt sehr viele Menschen kennen. Das alles ist schon sehr schön”. 

Und so hat er auch bei Verletzungen, also im Falle von Zwangspausen, nie daran gedacht, dass das das Ende  seiner Karriere bedeuten könnte. Überhaupt verschwendet Marino keine Gedanken daran, was er einmal nach seiner aktiven Zeit als Profisportler machen möchte. “Ich habe früher immer Pläne gemacht. Aber kommt eine Verletzung, ist das alles wieder hinfällig. Dehalb habe ich mir abgewöhnt, etwas zu planen. Ich will jetzt die Zeit genießen und Spaß haben und möglichst wenig Stress, immer gute Laune, will einfach leben. Alles andere kommt irgendwann später”.

Auf die Frage, ob er er sich vorstellen könnte, später zum Beisiel mal eine Café in seiner Heimat zu betreiben, wie Mario Kelentric, der frühere MT-Keeper, schüttelt  Marino Maric energisch den Kopf. “Nein, nein, das ist nichts für mich. Da muss man jeden Tag da sein. Ich will einfach frei sein”. 

Bei der MT Melsungen, in Nordhessen überhaupt, hat er sich gut eingelebt. Bis auf das Wetter, mag er hier eigentlich alles. Er ist nicht nur aufgrund seiner teils spektakulär anzuschauenden Tore zu einem der Publikmumslieblinge geworden, sondern auch wegen seiner charmanten, immer höflichen und gut gelaunten Art, mit seinen Mitmenschen umzugehen. Natürlich hat er mit dem nordhessischen Aushängeschild noch einiges vor. Seinen Vertrag hat er kürzlich sogar bis 2022 verlängert. “Wie weit wir dieses Jahr kommen, ist schwer einzuschätzen. Aber wir wollen schon mal wieder international spielen”.

Abseits des Handballs hat sich Marino Maric schon früh mit Musik beschäftigt. “In meiner Klasse waren einige Jungs, die in einer Band gespielt haben. Da bin ich neugierg geworden und wollte auch Musik machen. Ich habe mir ein Keyboard gekauft, weil ich der Meinung war, dass dies für meine Hände am geeignetsten sei. Ich habe aber nicht einschätzen können, wie schwer es sein würde, dieses Instrument spielen zu können. Ich habe trotzdem keinen Unterricht genommen, sondern immer wieder geübt, und mir das Spielen so selber beigebracht.

Später ist Marino dann im kleinen Kreis hin und wieder schon mal mit seinen Kumpels als Band aufgetreten. “Aber das alles war nie professionell, sondern ich habe es immer nur aus Spaß gemacht”. Im Alter von etwa 24 Jahren hatte er Lust, Gitarre zu spielen. Und auch das hat er sich selber beigebracht “Du musst im Verleich zum Keyboard  mit deinen Fingern etwas ganz anders machen, aber wenn man genug übt, klappt das auch”, verrät Marino nicht ohne einen gewissen Stolz.

Seit der Geburt der Kinder hat er weniger Zeit, sich seinen Instrumenten zu widmen. Ohnehin war es für ihn nicht einfach, Musik in den eigenen vier Wänden zu machen. “Wenn ich füher – da haben wir noch in Zagreb gewohnt – geübt habe, und das waren oft vier bis sechs Stunden pro Tag, haben sich unsere Nachbarn schon mal beschwert”, erinnert sich Marino mit einem Grinsen.

So bestimmen inzwischen in Melsungen die drei Kinder im Hause Maric die Ge- räuschkulisse. Während einige seiner MT-Kameraden  in Kassel wohnen, hat er das Fachwerkstädtchen schätz- n gelernt. “Hier ist alles etwas kleiner und überschaubarer. Was mir aber noch wichtiger ist, ich habe es nicht weit zur Trainings- halle. Da war früher in Zabreb für mich eine Nervenprobe, wenn ich in der Rush-hour zwei Stunden bis zur Halle brauchte”.
 
Wenn Marino nach einer Niederlage nach Hause kommt, darf er von seiner Frau einen süßen Trost erwarten. Dann sagt sie “Komm Marino, morgen ist ein neuer Tag. Ich backe dir jetzt Pfannkuchen und du hast dein Spiel schnell vergessen”. Die Leckerei erfüllt aber auch als Belohnung ihren Zweck. Kommt Marino als Sieger zurück, sagt Virgilija: “Du hast topp gespielt, du hast dir heute Pfannkuchen verdient!”.

In seiner Freizeit hört Marino Maric leidenschaftlich gern Musik, am liebsten internationalen Rock und Pop aus den 80igern, aber auch Songs aus seiner Heimat. Fernshen schaut er kaum. “Da läuft eigentlich nichts, was mich interessieren könnte”. Und abends ist er ohnehin gefordert, seine Kinder zu Bett zu bringen. “Ich habe mir eine Gute-Nacht-Geschichte ausgedacht, sie ist spannend, aber danach schlafen sie immer schnell ein”. 

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