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Deutschland mit Punkteteilung im Thriller gegen Mazedonien

Für Deutschland ging es nach einem klaren Sieg gegen Montenegro und dem glücklichen Unentschieden gegen Slowenien heute gegen Mazedonien um den Gruppensieg und wichtige Punkte für die Hauptrunde. Es entwickelte sich erneut ein Thriller, der mit einem 25:25-Unentschieden endete - nach einer spektakulären Parade von Silvio Heinevetter verpasste der Titelverteidiger im letzten Angriff den möglichen Sieg. Der erhoffte Gruppensieg wurde somit verpasst, abhängig vom Ausgang des letzten Gruppenspiels zwischen Slowenien und Montenegro geht es mit zwei oder drei Punkten in die Hauptrunde, wo sich das Team für das Ziel Halbfinale keinen weiteren Ausrutscher leisten darf. Bester Werfer im DHB-Team war Steffen Weinhold mit acht Treffer. Ihr erstes Hauptrundenspiel bestreitet die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop am kommenden Freitag in Varazdin, Gegner ist Tschechien.

Turbulent waren die vergangenen 48 Stunden für das deutsche Team: Die Diskussionen um Videobeweis und Proteste überlagerten auch ein wenig die Probleme der DHB-Auswahl beim glücklichen Unentschieden gegen Slowenien. Bundestrainer Christian Prokop hatte mit einer Nachnominierung reagiert. Finn Lemke soll die Deckung verstärken - nach strapaziöser Anreise vom Trainingslager der MT Melsungen auf den Kanaren saß er zunächst aber auf der Bank. Die Deckung sorgte dennoch gleich für den ersten Akzent, denn Andreas Wolff wehrte den ersten Versuch der Mazedonier ab und Tobias Reichmann warf den Ball in das leere Tor des Gegners.

Mazedonien agierte unter der Regie von Skopjes Trainer Raul Gonzalez von der ersten Minute an mit einem siebten Feldspieler im Angriff, nach dem Ausgleich durch Zharko Peshevski brachte dieser Schachzug auch die Führung durch Filip Kuzmanovski. Vor allem die beiden mazedonischen Kreisläufern verlangten von der deutschen Abwehr Schwerstarbeit. Mit Leichtigkeit, in Form eines doppelten, von Superstar Kiril Lazarov initiierten und abgeschlossenen Doppel-Kempas, begeisterten die Mazedonier unterdessen ihre Fans. Steffen Weinhold gelang der Anschluss, doch beim 2:5 lag das DHB-Team nach acht Minuten bereits mit drei Treffern zurück.

Deutschland hatte in der Anfangsphase Probleme. Lediglich einige Glanztaten von Andreas Wolff verhinderten einen höheren Rückstand. In der Offensive erzielte Steffen Weinhold einen wichtigen Treffer. Erst nach dem 3:6 kam der Europameister richtig ins Spiel. Patrick Wiencek machte Kiril Lazarov energisch fest und setzte damit ein Zeichen. Er setzte nach einem Ballgewinn auch den nächsten Wurf in das verwaiste Tor der Mazedonier. Beim nächsten deutschen Versuch war Borko Ristovski zwar schnell genug zurück im Tor, doch beim Gegenstoß ließ ihm der von Patrick Groetzki bediente Uwe Gensheimer keine Chance und setzte den Anschlusstreffer.

Mazedonien nahm eine Auszeit, doch Deutschland setzte seinen Lauf fort. Nach Filip Taleskis 5:7 startete das DHB-Team eine Serie. Steffen Fäth, der nach insgesamt 48 Sekunden Einsatzzeit in den ersten beiden Spielen heute beginnen durfte, sorgten für den neuerlichen Anschluss und Uwe Gensheimer verwandelte einen von Paul Drux herausgeholten Siebenmeter zum Ausgleich. Damit nicht genug, Mazedonien versuchte es weiterhin mit dem siebten Feldspieler, mit den Fingerspitzen konnte Taleski einen deutschen Versuch noch neben das Tor lenken. Doch die "Bad Boys" schalteten schnell, Gensheimer führte den Einwurf aus und Wiencek konnte Deutschland unbedrängt mit 8:7 in Führung werfen.

Es war die erste deutsche Führung seit dem 1:0, und Steffen Weinhold legte sogleich nach. Zum Einsatz kam auch wieder der Videobeweis, diesmal aufgrund eines Wechselfehlers der Mazedonier. Die folgende Überzahl nutzte Patrick Wiencek zum 10:7, dem fünften deutschen Treffer in Serie. Filip Taleski gelang nach über fünf Minuten der nächste Treffer für Mazedonien, aber das DHB-Team behielt das Heft in der Hand - auch weil Andreas Wolff weiterhin ein guter Rückhalt war und unter anderem einen Siebenmeter von Kiril Lazarov entschärfte.

Auf dem Parkett stand unterdessen Finn Lemke im Zentrum der deutschen Deckung und sorgte für die erhoffte Stabilität. In der Offensive allerdings folgte einige Unkonzentriertheiten, Borko Ristovski nahm beispielsweise Tobias Reichmann, der zuvor das 12:9 erzielt hatte, einen freien Gegenstoß weg. Taleski und Lazarov konnten Mazedonien daher beim 12:11 wieder auf ein Tor heranführen. Immer wieder stellte auch Stoilov am Kreis eine Gefahr dar, die offenbar schwierig auszuschalten war.

Auch Deutschland agierte nun mit dem zusätzlichen Feldspieler. Dejan Manaskov verfehlte jedoch nach einem Ballgewinn das leere Tor und im nächsten Angriff vergaben die Südosteuropäer eine weitere Chance auf den Ausgleich, weil sie den Ball verloren. Da Wiencek auf der Gegenseite auch die letzte deutsche Chance vergab, ging es mit einem 12:11 in die Kabinen.

Der Ausgleich sollte Mazedonien dann aber direkt nach Wiederbeginn gelingen. Borko Ristovski parierte den ersten und zweiten Versuch des DHB-Teams, das auf der Gegenseite durch Dejan Manaskov zwei Treffer kassierte und sich so mit einem 13:14 konfrontiert sah. Paul Drux setzte den ersten Treffer des zweiten Abschnitts für die deutsche Auswahl, doch Mazedonien legte zunächst weiter vor. Das deutsche Team beantwortete die mazedonischen Führungen bis zum 16:16 relativ umgehend. Stoilov, Manaskov und Lazarov sorgten dann aber mit einer Dreier-Serie für das 16:19 und erhöhten den Druck auf das DHB-Team, das nach einer Auszeit mit einem Doppelschlag von Wiencek und Weinhold wieder auf ein Tor herankam.

Steffen Fäth beantwortete den nächsten mazedonischen Treffer durch Lazarov. Raul Gonzales griff zur Auszeit. Doch der nächste mazedonische Angriff endete mit einem technischen Fehler. Mit dem siebten Feldspieler setzte der Titelverteidiger zwölf Minuten vor dem Ende den Ausgleich zum 20:20 - sehenswert war die so geschaffene Überzahl genutzt worden. Hendrik Pekeler hatte ungehindert aus der Nahdistanz abschließen können. Spätestens mit diesem Treffer war die entscheidende Schlussphase im Kampf um den Gruppensieg und zwei wichtige Punkte für die Hauptrunde eingeläutet. Die von der ersten Minute an gute Stimmung in der Halle steigerte sich noch.

Eine Parade von Silvio Heinevetter brachte die Chance zum ersten deutschen Führungstreffer im zweiten Abschnitt. Steffen Weinhold nutzte diese - es war bereits sein achter Treffer. Deutschland schien in der Endphase die größeren Kraftreserven zu haben, aber Mazedonien stemmte sich vehement gegen die drohende Niederlage - symbolisch dafür war Stojanche Stoilov, der am Kreis um jeden Millimeter kämpfte. Er holte auch einen Siebenmeter heraus, den Manaskov verwandelte - aber auch Gensheimer blieb auf der Gegenseite aus der gleichen Distanz nervenstark. Philipp Weber beantwortete den nächsten mazedonischen Treffer, fünf Minuten vor dem Ende stand die Partie beim 23:22 bereits auf des Messers Schneide.

Mazedonien versuchte es nun wieder mit dem siebten Feldspieler. Die deutsche Deckung aber stand insbesondere im Mittelblock gut. Den Südosteuropäern blieben vor allem die Versuche über die Außen, wie ihn Martin Popovski zum neuerlichen Ausgleich nutzte. Auch Deutschland ging wieder in das Risiko, scheiterte an Ristovski, doch Wiencek erkämpfte den Ball mit viel Einsatz im Rückwärtsgang zurück, so dass Patrick Groetzki mit einer mutigen Einzelaktion zum 24:23 einnetzen konnte.

Mazedonien zeigte sich unbeeindruckt, glich diese Führung und das 25:24 von Philipp Weber wieder aus. Weber scheiterte dann mit dem nächsten Versuch an Ristovski, der beim Lauf in Richtung Bank mit Mirkulovski zusammenprallte - ein Zusammenstoß der für den deutschen Akteur aber ohne Folgen blieb. In Gleichzahl und mit einem 25:25-Gleichstand ging es in die letzte Minute, die Mazedonien mit Hilfe einer Auszeit fast komplett herunterspielte, bevor Silvio Heinevetter mit einer spektakulären Parade gegen Stoilov dem Titelverteidiger zehn Sekunden vor dem Ende die Chance auf den Sieg bescherte.

Bundestrainer Christian Prokop nahm sofort seine Auszeit, besprach den letzten und entscheidenden Angriff mit seinem Team. Die deutsche Auswahl setzte auf Risiko, agierte im finalen Angriff dieses Thrillers mit dem siebten Feldspieler. Der Plan war ein Kempa-Spielzug für Steffen Weinhold, doch der mazedonische Linksaußen stand Patrick Groetzki auf den Füßen, sodass die Idee nicht umsetzbar war. Ein Foul der Mazedonier bremste den deutschen Versuch, die Zeit lief ab. Es blieb nur noch ein direkter Freiwurf aus spitzem Winkel - der keinen Erfolg mehr brachte.  (Text: Chr. Ciemalla - handball-world.com; Foto: Screenshot))

Deutschland - Mazedonien 25:25 (12:11) -

Deutschland: Wolff (Kiel), Heinevetter (Berlin) - Weinhold (Kiel/7), Gensheimer (Paris/5/2), Wiencek (Kiel/4), Fäth (Berlin/2), Reichmann (Melsungen/2), Weber (Leipzig/2), Pekeler (Rhein-Neckar Löwen/1), Drux (Berlin/1), Groetzki (Rhein-Neckar Löwen/1), Kühn (Melsungen), Kohlbacher (Wetzlar), Häfner (Hannover), Janke (Leipzig), Lemke (Melsungen).

Mazedonien: Ristovski, Mitrevski - Taleski (6), K. Lazarov (5), Manaskov (5/2), Stoilov (3), Peshevski (3), Kuzmanovski (2), Popovski (1), Velkovski, Pribak, Jonovski, Mirkulovski, V. Markoski, N. Markoski, Georgievski.
Schiedsrichter: Gousko/Repkin (Weißrussland)

Hauptrunde - Die deutschen Spiele
Fr., 19.01.2018, 18:15 Uhr, Germany - Czech Republic
So., 21.01.2018, 18:15 Uhr, Germany - Denmark
Mi., 24.01.2018, ......... Uhr, Germany - Spain

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