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Lasse Mikkelsen im Portrait: Stratege und Familienmensch

Lasse Mikkelsen: Wenn ich mich nach Spielen manchmal ärgere: Sobald ich wieder bei meiner Familie bin, hat schlechte Laune keine Chance!

Der Spiel- und Trainingsplan von Profisportlern nimmt bekanntlich keine Rücksicht auf Sonn- und Feiertage. So mussten die MT-Cracks auch am Tag der Deutschen Einheit ihr Übungspensum absolvieren. Einer, der die Vorbereitung auf Spiele besonders akribisch angeht, ist Lasse Mikkelsen. “Ich schaue mir vorher - wie alle anderen im Team auch - den Gegner an. Als Spielmacher interessiert mich dabei natürlich in erster Linie dessen Abwehr. Ich habe gern einen Plan, eine Strategie, wie man dagegen spielen sollte. Das wird vom Trainer vorgegeben. Wenn ich darüber hinaus weitere Ideen habe, bringe ich die mit ein und wir besprechen das gemeinsam. In den meisten Fällen sind unsere Ansichten deckungsgleich”, verrät der Regisseur.

Lasse Mikkelsen weiß natürlich um die komplexen Anforderungen auf seiner Spielposition - auch, dass es hier noch Steigerungspotenzial gibt. “Als Mittelmann muss man den Angriff führen, dabei den Gegner, die Mitspieler rechts und links und am Kreis im Auge haben, und möglichst oft die richtige Entscheidung treffen. Wir haben derzeit im Rückraum eine komplett neue Besetzung, die muss sich erst einspielen. Aber das wird von Woche zu Woche besser. Ich denke, wir werden uns im Verlauf der Saison weiter an die Top-Teams der Liga heran arbeiten”, blickt der 29-jährige zuversichtlich nach vorn.

Durchweg positiv gestimmt

Das fällt ihm nicht schwer, denn er sei nun mal ein Mensch, der durchweg positiv gestimmt ist und erst gar keine negativen Gedanken aufkommen lassen will. “Klar, nach verlorenen Spielen oder einer schlechten Leistung bin ich nicht gerade gut gelaunt, wenn ich nach Hause komme. Meine Frau kennt mich schon so lange und weiß, dass ich dann eher nicht darauf angesprochen werden möchte. Aber wenn man wie wir zwei fröhliche kleine Kinder hat, dann hat schlechte Laune einfach keine Chance”, so Lasse augenzwinkernd.

Das Einfühlungsvermögen von Gattin Carina kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat sie selber höherklassig Handball gespielt und kann auch jetzt noch nicht so ganz vom kleinen runden Leder lassen. Deshalb trainiert sie ab und zu bei den Damen der SG 09 Kirchhof mit. Was sie aber ganz sicher nicht macht, ist ihrem Mann Ratschläge für dessen Position als Spielmacher zu geben. Als Linkshänderin spielt sie nämlich im rechten Rückraum. “Und das mit sehr viel Tempo”, fügt Lasse anerkennend an.

"Wir fühlen uns hier sehr wohl"

Als Gesprächspartner merkt man schnell, dass der Däne ein absoluter Familienmensch ist. Seine Frau Carina, die Hochzeit war übrigens im Sommer, und die beiden Söhne Benjamin (3) und Oliver (1) sind ihm heilig. Wenn es für ihn als Profisportler Freizeit gibt, verbringt er die stets mit seiner Familie. Die sich in Nordhessen, respektive in Melsungen, nach eigenem Bekunden schon gut eingelebt hat. Er denke nicht ständig nach, ob er im Vergleich mit seinem Heimatland in Deutschland etwas vermisst. Auch wenn dies seine erste Auslandsstation ist. “Hier ist alles neu für uns und da bleibt gar keine Gelegenheit, ständig zwischen diesem und unserem bisherigen Wohnort zu vergleichen. Bislang läuft hier alles super und wir fühlen uns sehr wohl”.

Vermisst werden eher die Mikkelsens in Dänemark. Besonders natürlich die Enkel, nach denen sich ihre Großeltern sehnen. “Aber dank Skype und FaceTime stehen wir in regelmäßigem Kontakt mit den Omas und Opas zuhause. Und ab und zu kommen die auch zu Besuch zu uns nach Deutschland”, so der Blondschopf.  

Zum Handball gekommen ist Lasse Mikkelsen durch seine Eltern, die beide bis zur Zweiten dänischen Liga gespielt haben. Genau, wie seine Schwester, die etwas älter ist als er. “Schon mit vier oder fünf Jahren habe ich dann selber gespielt. Für mich kam gar nichts anderes infrage”.

Sein Weg als Spieler: Von Hjallerup bis nach Nordhessen

Begonnen hat er seine sportliche Karriere in seinem Heimatort Hjallerup, gut 20 Kilometer nordöstlich von Aalborg, eine der dänischen Handball-Hochburgen. Das war dann in 2004 konsequenterweise auch seine erste Station als Jugendlicher und Ausgangspunkt für den Sprung aufs internationale Parkett, in dem Fall die Junioren-Nationalmannschaft.  

Nach einem zwei Jahre währenden Abstecher zu KIF Kolding, heuerte Lasse Mikkelsen 2011 bei Skjern Håndbold an. Dem Club, in den ein Jahr zuvor MT-Kreisläufer Thomas Klitgaard  zurück gekehrt war. Vier Jahre später waren dann beide maßgeblich “schuld” daran, dass der MT bei ihrer ersten Europapokalteilnahme der Sprung ins FinalFour verwehrt blieb. Mikkelsen zwang die Nordhessen im Hinspiel mit sieben Toren beinahe im Alleingang in die Knie, Klitgaard triumphierte mit drei Treffern in Kassel. Für Mikkelsen war das bekanntlich der entscheidende Auftritt, der ihn ins Blickfeld der MT als künftigen Spielmacher katapultiert hat. Seit Sommer 2017 trägt er Rotweiss.

“Das ist schon etwas besonderes in dieser starken Liga zu spielen”, ist er stolz darauf, diesen Schritt gemacht zu haben. “Ich habe zu meiner Familie immer gesagt, wenn es ein interessantes Angebot gibt, dann werde ich Dänemark auch mal für eine zeitlang verlassen”.

Was kann nach der Profikarriere kommen?

Denkt einer im besten Handball-Alter auch schon mal an die Zeit nach der Profikarriere? Lasse Mikkelsen tut das. Er hat mit dem Bachelor in Ökonomie bereits einen universitären Abschluss in der Tasche und möchte das Studium gern auch noch in diese Richtung vertiefen. “Das war ziemlich allgemein gehalten. Ich würde mich gern noch stärker auf bestimmte Bereiche spezialisieren. Wobei ich aber noch nicht genau weiß, wann und worauf. Ich interessiere mich eben für wirtschaftliche Themen. Was ich nach dem Handball mal beruflich machen werde, habe ich noch nicht entschieden”.

Ziemlich sicher für Familie Mikkelsen hingegen ist es, nach dem Aufenthalt im Ausland irgendwann nach Dänemark zurück zu kehren. “Dort haben wir ein Haus und unsere Verwandten und Freunde, das ist einfach unsere Heimat”, bekennt sich Lasse zu seinen Wurzeln.

Bis es aber soweit ist, möchte der Fast-Zwei-Meter-Mann noch möglichst viel Erfolg mit der MT haben: “Diese Mannschaft hat schon ein beachtliches Potenzial. Das müssen wir noch stärker zeigen. Klar, hier in dieser Liga gibt es viele sehr gute Mannschaften, es kann beinahe jeder jeden schlagen. Da ist es schwer, sich durchzusetzen. Aber ich bin sicher, dass wir uns immer weiter einspielen und mit zunehmender Saisondauer immer besser werden”.

Außer für den Handball interessiert sich Lasse noch für Sportarten mit kleineren und größeren Bällen. Selbst spielt er gern Golf und als TV-Sportart hat es ihm der Fußball angetan. Dabei hat er mit dem zehnfachen dänischen Meister Bröndby Kopenhagen und dem englischen Premier League Club Manchester United gleich zwei Lieblingsvereine auserkoren.

Das liegt ihm: Rhythmus und Tempo vorgeben

Musikalisch will sich Lasse Mikkelsen hingegen nicht festlegen. Er hört alles querbeet, was gerade aktuell ist. Ganz selten frönt er nur noch seiner heimlichen Leidenschaft als Drummer. Die hat er in jüngeren Jahren entdeckt und auch Schlagzeugunterricht genommen. Was offenbar eine gute Vorbereitung auf seine Rolle beim Handball war. Denn Rhythmus und Tempo vorgeben, sind Fähigkeiten, die ein Spielmacher gut gebrauchen kann.

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