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Julius Kühn: Handball ist für mich derzeit alles

Da strahlen zwei um die Wette: Julius und Julia genießen ihre neue Umgebung, haben sich in Wilhelmshöhe schon prächtig eingelebt. Denn das Gute liegt so nahe: Ausflüge in den Bergpark gehören für die beiden zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen. Leider ist das nicht so oft möglich. Julius studiert trotz Handballprofi-Status noch nebenher Wirtschaftswissenschaften, seine Freundin Julia studiert Deutsch auf Lehramt. So steht gerade jetzt, in Zeiten der Klausurprüfung, Büffeln auf der Tages-, besser auf der Abendordnung. Dennoch: Handball ist für Julius alles.

Nein, gedrängt zum Handball hat Julius Kühn keiner. Er konnte sich ja auch erst an verschiedenen Sportarten mit kleinen und großen Bällen versuchen, hat in der Jugend zunächst Fußball und Tennis gespielt. Parallel zum Handball. Aber was will man machen, wenn die gesamte Familie um einen herum dem Handball nachjagt. Von Onkel, Tante, Mutter, jüngerer Schwester und älterem Bruder bis zur Cousine waren, bzw. sind alle auf dem 40 mal 20 Meter großen Spielfeld zuhause. Nicht unbedingt in höheren Ligen, nicht in jedem Fall leistungsorientiert. Die Ausnahme ist Cousine Dana Bleckmann, die beim BVB in Dortmund spielt und vor kurzem mit der U18-Auswahl Europameisterin geworden ist. Zwei Handball-Europameister in einer Familie, das gibt es sicher nicht allzu oft. Julius Kühn hat das Kunststück bekanntlich Anfang 2016 geschafft, als er mit dem deutschen Team in Polen den Titel holte.

Für den Zwei-Meter-Mann bedeutet dieser Sport alles. “Ich verdiene damit meinen Lebensunterhalt und nicht nur deshalb will ich möglichst immer Top-Leistungen bringen”. Dass er nach seinem Wechsel von Gummersbach zur MT, der eigentlich erst für 2018 geplant war, bei den Nordhessen nahtlos an seine erfolgreichen Auftritte im Oberbergischen anknüpfen konnte, ist unbestritten. In den bisherigen drei Spiele hat er bereits 21 Tore erzielt, wird seinem Ruf als Goalgetter vollauf gerecht. Warum ihm der Einstieg offenbar etwas leichter gelungen ist, als seinen Mitstreitern, die ebenfalls im Sommer zu den Rotweissen kamen, weiß er nicht. “Ich habe jedenfalls kein Geheimrezept, nach dem ich die Eingewöhnungsphase in einen neuen Verein gestalte”, lacht er.

Dass sich Julius Kühn schnell in neuer Umgebung zurechtfindet und sein Ding macht, hat er beeindruckend bei der Europameisterschaft im letzten Jahr bewiesen. Erst spät auf den EM-Zug aufgesprungen, spielte er in der Nationalmannschaft frisch von der Leber weg seinen Part im linken Rückraum und war mit seinen Treffern nicht unerheblich am Titelgewinn beteiligt. “Ich versuche mich einfach auf mich selber zu konzentrieren und das zu machen, was ich auch sonst mache”. “Aber”, so räumt er ein, “auch ich habe hier bei der MT noch Abstimmungsprobleme mit meinen Mitspielern. Wann kommt der Ball, wann muss ich antreten - das alles läuft noch nicht so rund, wird erst von Spiel zu Spiel besser”.

Keine Frage, wer so erfolgreich als Scorer auftritt, hat schnell den Ruf als Torschütze vom Dienst weg. Doch das stört den 24-jährigen nicht weiter. “Ich denke, jeder Handballspieler wirft gerne Tore. Das muss ja auch so sein. Damit fordert man die entsprechende Aufmerksamkeit des Gegners, macht ihm die Arbeit etwas schwerer”. In die Rolle des Goalgetters sei er so hineingewachsen. Schon in der Jugend, bei seinem Heimatverein TV Aldekerk, unweit der holländischen Grenze, hatte er aufgrund seiner Statur die entsprechenden Voraussetzungen. Und das hat sich dann auch bei den nächsten Stationen in Düsseldorf und Essen weiter verfestigt.

Julius Kühn kann sich serh gut auf den Handball konzentrieren. Aber das ist eigentlich keine Selbstverständlichkeit. Denn der Handballprofi studiert nebenher noch Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni Hagen. Derzeit herrscht sogar noch Klausurenstress. “Die will ich unbedingt bestehen. Ich bin derzeit im vierten Semester, bin aber schon etwas in Verzug geraten”. Genau wie bei der Wahl der Sportart hat er sich auch bei der Wahl seines Studienfachs von seiner Familie inspirieren lassen. “Mein Vater ist selbständiger Anlagenberater. Da bin ich schon früh mit wirtschaftlichen Dingen in Berührung gekommen, habe begonnen mich dafür zu interessieren und mich deshalb zu diesem Studiengang entschlossen”.
Unterstützung kann er sich beim wissenschaftlichen Arbeiten auch von seiner Freundin Julia holen, die in ihrem Lehramtsstudium (Deutsch und Religion) in der letzten Phase vor dem Antritt eines Referendariats steht.

Beide haben eine neue Wohnung in Kassel Wilhelmshöhe bezogen und fühlen sich dort pudelwohl. Natürlich gab es auch schon Gelegenheit, die Umgebung zu erkunden. “Wir haben uns die Documenta angeschaut, ohne aber einen tieferen Bezug zur Kunst zu haben”, gesteht Julius Kühn. Entspannender findet er da schon die Ausflüge in den nahen Bergpark oder in die Karlsaue. Und wundert sich: “Ich verstehe gar nicht, dass oft gesagt wird, Kassel sei hässliich. Das ist absolut nicht der Fall. Aber das ist den Menschen, die immer hier wohnen, offenbar gar nicht so bewusst”.

Wenn es die knappe Freizeit zulässt, schaut der MT-Crack gerne auch mal bei anderen Sportarten herein. Genau wie Finn Lemke fasziniert ihn die amerikanische Football-League NFL und besonders die Seattle Seahawks (“Leider war ich noch nicht in den USA”). Was er sich von dieser Sportart abgeschaut haben könnte: Wie man sich auf dem Feld Mann gegen Mann durchsetzt. (Foto: A. Käsler)

Geburtstag / Geburtsort: 01.04.1993 / Duisburg
Familienstand: ledig, Freundin Julia
Nationalität: deutsch
Größe / Gewicht: 2,00 m/ 110 kg

Position: Ru?ckraum links
Beruf: Handballprofi / Student (Wirtschaftswissenschaften, Fern-Uni Hagen)
Hobbys: Darts, Fußball, Football (NFL) und Poker
Facebook: juliuskuehn5; Instagram: juliusk5

Bisherige Vereine:
TV Aldekerk (1999 - 2008); HSG Du?sseldorf
(2008 - 2012), TuSEM Essen (2012 - 2014),
VfL Gummersbach (2014-2017)

Internationale Erfolge:
33 Länderspiele / 111 Tore
2017: 9. Platz WM
2016: Europameister und Olympiabronze
2013: Teilnahme Junioren-WM
2012: Platz 7 Junioren-EM
2011: Platz 7 Jugend-WM
2010: Platz 4 Jugend-EM und
Deutscher Jugendmeister

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